Wenn der Postmann nur einmal klingelt

Während Amazon in den USA jetzt sogar sogar sonntags ausliefern will, planen deutsche Paket-Dienstleister Service-Abstriche. Online-Besteller sollen die Sendungen häufiger selbst abholen.
Wie „Forbes“ berichtet, können „Amazon Prime“-Kunden künftig auch sonntags ihre Pakete erhalten. Amazon habe zu diesem Zweck eine neue Partnerschaft mit U.S. Postal Service geschlossen. Anfangs soll der neue Service nur in New York und Los Angeles testweise angeboten werden, dann folgen Dallas und Phoenix.
Bei US Postal hoffe man, den Wettbewerbern FedEx und UPS – die sonntags nicht ausliefern – Marktanteile wegzunehmen. USPS hat den Deal mit dem Onlineversende Nummer eins offenbar bitter nötig, laut „NYT“ hat der Post-Dienstleister im vergangenen Jahr fast 16 Mrd Dollar Verlust erlitten.
Hierzulande scheinen die Logistikfirmen derzeit eher den Service zurückzuschrauben. Nach einem Bericht der „Welt“ wollen die Paketdienste GLS und DPD den Kunden künftig dazu verdonnern, die eigenen Sendungen häufiger in den Läden der Unternehmen abzuholen. Hintergrund seien die hohen Kosten, die dadurch entstünden, dass die Zustellung an der Haustür immer häufiger scheitere. Das Blatt zitiert GLS-Chef Rico Back: „Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Onlinebesteller müssen sich ihre Sendungen selbst abholen“. Die Pakete sollen gut eine Woche in den Läden liegen bleiben. „Onlinebesteller müssen sich schon beim Bestellen darüber klar werden, wohin sie ihr Paket haben wollen“. Anderenfalls werde die Flut der Onlinepakete bald nicht mehr zu bewältigen sein.
Auch GLS-Konkurrent DPD erwäge Service-Einschnitte. Von den bislang zugesagten drei Versuchen, ein Paket abzuliefern, könnten demnächst zwei gestrichen werden.

Kommentare

8 Kommentare zu "Wenn der Postmann nur einmal klingelt"

  1. Kleine Sortimenterin | 29. August 2014 um 12:13 | Antworten

    Versandhandel hat eben seine Kehrseite, der hohe Energieverbauch
    durch die Einzelkundenzustellung und Mehrfachanfahrten, aber auch
    durch die Retouren. Ich habe seit einem Jahr einen dieser Paketannahmeshop, und die Hälfte aller Einlieferungen sind
    Retouren! Man überlege, einmal hin zum Kunden, zweiter Zustellversuch und dann das ganze zurück…und der Paketdienst
    hat dafür ganze 3,90 Euro bekommen. Wie soll das weiter
    funktionieren, gerade wenn die Ware also aus Deutschland nach
    Polen transportiert wird, dann eingelagert, um wieder zurück nach
    D gefahren wird. Hier gehört dringend eine Riegel durch die
    Politik vorgeschoben:

  2. Tränenaufguss | 28. August 2014 um 8:33 | Antworten

    Merzmensch wie wäre es mal den Verstand zurück zu erlangen…
    Wieso muss man immer alles direkt haben und kann keinen Tag mehr warten.
    Dieses ganze Ami-Gedöns bringt uns irgendwann in Teufels Küche.
    Das einst weltweit hoch angesehene Deutschland geht mit samt seiner langsam und schleichend verblödenden und unglaublich werteverdrehten Gesellschaft langsam den Bach runter…
    Nicht Service-Wüste sondern dumme, faule und bequeme Bevölkerung.

    Armes Deutschland….

  3. Wundert mich nicht, wenn manche Paketdienste nur 0,25-0,75 EUR pro zugestelltem Paket bezahlen und die Zusteller „freiberuflich“ arbeiten…
    Interessant wird dann, ob die Preise für das Verschicken sinken, wenn der Zustellservice gestrichen wird.

    Auf der anderen Seite werden Sendungen dann einfach im weiten Umkreis bei irgendwelchen „Nachbarn“ zugestellt und keine Benachrichtigung hinterlassen. Zuletzt konnte der Versender mir nicht mitteilen, wo der im Internet genannte „Nachbar“ wohnt und schickte eine Ersatzsendung…

  4. Nachvollziehbar. In welchem Durchschnittshaushalt ist heute schon den ganzen Tag jemand anwesend, der den irgendwann anliefernden Paketboten empfangen kann. DHL machts mit den Paketstationen vor. Abholen in der Nähe, aber wann man will.

  5. Die Realität ist bei uns schon lange so: Pakete werden beim erstbesten abgegeben, der so aussieht, als könnte er der Nachbar sein. Angeblich hat der Empfänger selbst unterschrieben, war aber gar nicht im Land. Öffnungszeiten der Warenannahme werden als Kriegserklärung gedeutet. Als Paketdienst kommt man dann zu jeder anderen Zeit, aber nie zur festgelegten Warenannahmezeit. Am liebsten kommt der DPD IN der Mittagspause. – Kurz und knapp: Service ist das schon jetzt nicht mehr.

  6. Wieso „Servicewüste“? Öko-Wahnsinn Onlineshopping!
    Außerdem: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!
    Marketingmäßig wird die Sonntagszustellung breitgetreten- aber nur in LA und NY! In Deutschland dann wohl irgendwann nur in HH, B und M und dann … Also, sonntags nicht mehr im Wald joggen, sondern entweder zu Hause das Paket abwarten oder zur nächsten Abholstation joggen. Und das soll dann geil sein?!
    Tja, und in der Provinz? Da wird die nächste Sau durchs – menschenleere – Dorf getrieben!
    Je mehr Onlineshopping desto größer die Servicewüste!
    Online läuft kein Service ab, der Kunde muss alles selbst machen, Service läuft lokal ab! Doch das wird durch Online immer stärker ausgetrocknet. Die Jobcenter werden dann wohl Praktika für die entlassenen Dienstleister bei den überlasteten Paketdiensten finanzieren. Gegenwärtig stecken die Jobcenter haufenweise Entlassene – auch entlassene BuchhändlerInnen – in Lehrgänge bzw. „Weiterbildungen“ zu „Callcenter-Agenten“. Bezahlt werden dafür die Callcenter-Firmen. Da werden dann wahrscheinlich die entlassenen Weltbild-VertriebsmitarbeiterInnen zu Billiglohn-Callcenter-Agenten qualifiziert, weil das Callcenter ja den neuen Großauftraggeber Weltbild bedienen können muss. Das Ganze mit Tarifverlusten einerseits und öffentlichen Zuschüssen andererseits.

    Das wird wüst!

  7. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, wäre das eine Katastrophe und vollkommen unsozial. Die betreffenden Paketdienstleister tun ja so, als würden sie bei dem Versand nichts verdienen. Unglaublich.

  8. Service-Wüste Deutschland.

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