Wer braucht noch Papiermuseen?

Mit dem Internet sind Bibliotheken quasi überflüssig geworden, meint die Autorin und Journalistin Kathrin Passig (Foto). Die flächendeckende Grundversorgung mit Information und Unterhaltung könne das Netz besser leisten. Statt sich an die Vergangenheit zu klammern, sollten Bibliotheken die Zukunft neu gestalten.

Auf ihre Existenzberechtigung angesprochen, erklären Bibliothekare oft, dass das Internet ihre Funktionen nicht leisten könne, berichtet Passig in ihrer Kolumne auf „Zeit Online von einer Diskussion mit Frank Simon-Ritz, dem Vorsitzenden des Deutschen Bibliotheksverbands, auf der Frankfurter Buchmesse. Dabei werde oft vergessen, dass das Internet die Aufgaben einer Bibliothek sogar besser abdecke:

  • Stöbern: Auch im Internet entdecke man oft zufällig neue Werke. Die thematische Verknüpfung ist umfangreicher, kann doch ein digitales Objekt – anders als das physische Buch im Regal – beliebig oft verknüpft werden.
  • Filter: Eine Filterfunktion sei im Internet ebenfalls vorhanden – zum Beispiel durch die Algorithmen der Suchmaschinen. 
  • Niedrigschwelliges Kulturangebot: Das Internet sei bei näherer Betrachtung leichter zugänglich als die Bibliothek, setzt es doch nur einen Zugang zu einem internetfähigen Gerät voraus.

Zwar sei es schön, dass es Bibliotheken gebe, so Passig. „Aber in einem Paralleluniversum, in dem öffentliche Bibliotheken nie eingeführt worden sind, dürfte es heute schwerfallen, plausible Gründe für die Einführung solcher Einrichtungen zu benennen.“

Statt ihre bisherigen Aufgaben zu verteidigen, sollten die Bibliothekare sich dem Internet stellen und ihre Zukunft entsprechend neu gestalten, rät die Autorin. „Dann könnte ich auf Podien auch mal was Interessanteres sagen als immer nur: ,Aber das kann das Internet doch besser.‘“

Foto: © Jan Bölsche

Kommentare

4 Kommentare zu "Wer braucht noch Papiermuseen?"

  1. Ist Frau Passig eigentlich bewusst, dass einige Menschen in Bibliotheken auch Bücher ausleihen? Recherche läuft sicher meist über den PC, aber wer z.B. einen neuen Roman lesen will, findet diesen nicht für eine geringe Leihgebühr im Internet und wird sich auch nicht mit dem PC zum Lesen in ein Café, in die Wanne oder auf’s Sofa zurückziehen.
    Auch wenn man sich vor dem Schreiben einer Kolumne ein wenig Zeit zum Nachdenken gönnt, erspart man Lesern die monotone Mitteilung „Aber das kann das Internet besser.“

  2. Hat sich diese Dame mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Nutzer des Netzes wirklich jenseits der großen Suchmaschinen suchen, stöbern und filtern? Der Prozentsatz dürfte eher niedrig anzusetzen sein. Wenn sie die Algorithmen der großen Suchmaschinen als ausreichendes Mittel ansieht, sich ein unabhängiges Weltbild zu schaffen, ist die Welt schon näher am Abgrund, als gedacht. Typischerweise erbringen Google, Bing & Amazon eben nicht plötzlich etwas vollkommen Neues zu Tage, wenn man erstmal ein paar Anfragen gestellt hat. Das IST eine andere Vorgehensweise, als sich ein Buch anzusehen, weil es besonders bunt/alt/viel gelesen/in Fraktur gedruckt/was auch immer ist und eben nicht dem entspricht, was ich gestern gelesen habe.
    Zurück auf die Schulbank Frau P.

  3. Wenn man als Mission einer Bibliothek versteht alle Bürger kostenlos mit Medien zu versorgen, dann ist es richtig, das kann eine digitale Zentralbibliothek genau so.

    Wenn man die Funktion der Bibliothek darin sieht, einen Bestand aufzubauen und zu archivieren, dann halte ich das auch für fragwürdig, auch das kann in wenigen Spezialarchiven zentralisiert werden.

    Wenn man aber die Aufgabe der Bibliothek anders definiert, als lokale Kultureinrichtung zur Förderung des Umgangs mit Medien, zur kulturellen Bildung, zur Förderung der Literatur, zur Integration verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen, zur Förderung eines lokalen kulturellen Lebens, als Ort der Begegnung, dann ist gegenüber solchen Zielen eine digitale Zentralbibliothek schlicht impotent.

  4. Nur weil sie keine Bücher (richtige aus Papier) liest, muß sie sie nicht gleich abschaffen. Ich höre Radio trotz Fernsehen und lese Paperbücher trotz Internet! So what?!

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