Ein bisschen lesen, viel spielen

Nielsen Book hat die Auswirkungen des Tablet-Booms auf das Lesen bei Kindern und Jugendlichen untersucht. Die britische Marktforscherin Jo Henry (Foto) schildert im Interview die Herausforderungen der Buchverlage.
Sind Tablets Lesekiller?
Es zeichnet sich derzeit zumindest ein gravierender Wandel im Mediennutzungsverhalten ab. Die Zahl der britischen Kinder und Jugendlichen, die Zugang zu einem Tablet haben, ist von 26 auf 50% gestiegen. Und was machen sie damit? Sie lesen zwar ein bisschen, aber sie spielen immer häufiger mit Apps, nutzen Social Media und interagieren mit ihren Freunden. Die Verlage reagieren langsam darauf und erstellen interaktive und unterhaltsame Lese­inhalte.

Ist das der richtige Weg?

Es wird verschiedene Formate für verschiedene Inhaltetypen geben. Gedruckte Bücher werden noch eine lange Zeit auch für junge Leser attraktiv bleiben. Gleichwohl müssen die Verlage sehr genau darüber nachdenken, was sie in ihren digitalen Büchern anbieten – interaktive Elemente werden vermutlich entscheidend sein.

Können Verlage mit Angry Birds und YouTube konkurrieren?

Das ist unklar, sicher ist nur, dass solche Angebote kommen und wieder verschwinden. Das sieht man an Angry Birds: Der Höhepunkt wurde vor zwei Jahren erreicht, inzwischen gibt es viele Eltern, die sich über das Freemium-Modell der Spiele aufregen, mit denen die Kinder verleitet werden, Geld auszugeben. YouTube ist anders gelagert: Die Seite wird von Menschen aller Altersgruppen genutzt, auch Verlage sind dort mit Trailern aktiv. Deren Aufgabe besteht darin, von dort aus Kinder zur digitalen Lektüre von Buch­inhalten zu führen, denn ein immer größerer Teil dieser Zielgruppe ist auf YouTube zu finden.
Fehlt es an einem schlagkräftigen E-Book-Marketing?
Ja. Die Verlage fangen gerade erst an, in ihren Kampagnen darauf hinzuweisen, dass es auch eine E-Book-Version ihrer Titel gibt. Im Apple-Appstore zum Beispiel gehen die Bücher aber unter, wenn sie nicht oben auf den Bestsellerlisten stehen. Das Gleiche gilt für die Amazon-Bestsellerlisten.

In den USA flachen die Absatzkurven von E-Books ab. Sind Tablets auch hier die Ursache?

Möglicherweise. Hinzu kommt, dass in der ersten Phase die Vielleser mit E-Readern erschlossen wurden, jetzt bleiben nur noch Zielgruppen, in denen das Lesen einen untergeordneten Stellenwert hat.

Haben E-Reader eine Zukunft?

Die Vielleser mögen weiterhin ihre speziellen Lesegeräte. Aber das Problem besteht einerseits darin, dass diese wie eine alte Technologie aussehen und dass sie andererseits schnell kaputt gehen. Solche Kunden wechseln, wenn sie kein Tablet kaufen, vermutlich sogar zurück zu Print.

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