Die Konjunkturen der Buchgenres

Der große Erfolg von gestern wird schnell zur unerreichbaren Benchmark: Bertelsmann und sein Publikumsverlag Random House jagen ebenso wie der Buchhandel insgesamt dem „Shades of Grey“-Phänomen des Vorjahres hinterher. Die erste Diagnose, dass die rückläufigen September-Umsätze unter diesem Sondereinfluss zu interpretieren sind, erhärtet sich in der Quartalsanalyse. Darüber hinaus zeigt sich das Wechselspiel zwischen Genre- und Bestsellerkonjunkturen.

  • 3. Quartal: Der Buchhandelsumsatz lag in den Sommermonaten Juli, August, September 2,2% unter dem starken Vorjahr, das der Branche mit starkem „Shades“-Einfluss im 3. Quartal ein 3%-Plus beschert hatte. 
  • Belletristik: So wie das Quartalsplus 2012 wesentlich von der Belletristik getrieben wurde, so ist das Pendel jetzt stark zurückgeschwungen (–5%). Erzählende Literatur (–9%) und Geschenkbücher (–7%) sind deutlich im Minus, zulegen konnten lediglich die Subgenres Spannung (+3%) und Comic (+2%). 
  • All Age: Etwas gemildert wird die Belletristik-Schwäche durch ein 4%-Plus im All-Age-Segment (getragen durch die „Chroniken der Unterwelt“ von Arena).    
  • Kinder- und Jugendbuch: Der eindeutiger als Nachwuchssegment zu identifizierende Bereich bis 11 Jahre bleibt ein Stabilisator mit knapp 2% Plus im 3. Quartal, allerdings mit sehr differenzierter Entwicklung der Subgenres. 

Wie sich Sachbücher und Ratgeber entwickelt haben, ist im buchreport.express 43/2013 zu lesen (hier zu bestellen).

Kommentare

1 Kommentar zu "Die Konjunkturen der Buchgenres"

  1. Wohlgemerkt: Die hier genannten Zahlen lassen Amazon immer außen vor! Amazon legt seine Umsätze nicht offen. Ich habe schon seit Jahren den Verdacht, dass die Umsätze der Buchbranche keineswegs nach unten zeigen, sondern dass das, was der stationäre Handel weniger verkauft, bei Amazon mehr verkauft wird.
    Ganz aktuell konnte das beim Amazon-Leiharbeiter-Skandal nachgewiesen werden: Sprunghaft stiegen nach Publikwerden die Umsatzzahlen im stationären Handel an, wie die Statistiken belegen. Aber doch wohl nicht, weil plötzlich die Kunden das Medium Buch entdeckt hätten, sondern weil viele aus Empörung über Amazon wieder in den stationären Handel zurückgewandert waren. Leider war das aber nur ein kurzfristiger Effekt zu Anfang von 2013.
    Ich wünschte, Amazon als größter Einzelhändler müsste mal endlich seine Verkaufszahlen offenlegen. Erst dann können wir wirklich beurteilen, ob die Buchkonjunktur seit Jahren wirklich dauernd nach unten zeigt oder einfach nur konstant ist und Käufer-Verschiebungen Richtung Amazon nicht erfasst werden in den Konjunkturdaten.

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