Im Alleingang nicht zu schaffen

Nele Neuhaus (Foto) hat ihre ersten Romane in Eigenregie veröffentlicht, bevor sie von Ullstein entdeckt wurde. Am Buchmesse-Freitag berichtet die Autorin von ihren Erfahrungen mit dem Selbstverlegen. Im buchreport-Interview beleuchtet sie Selfpublishing-Perspektiven und Chancen für angehende Autoren. 

Selfpublishing ist ein großes Thema auf der Buchmesse. Brauchen Autoren noch Verlage?

Klassische Verlage sind nach wie vor sehr wichtig für Autoren. Ich weiß das, weil ich beide Wege beschritten habe und den Unterschied kenne. Was ein großer Publikumsverlag für einen Autor leistet, kann dieser im Alleingang nicht schaffen. Nach der Arbeit am Buch kommt schließlich die ganze Vermarktung. Die Logistik, die für den gelungenen Auftritt eines Buches notwendig ist, bekommen Autoren in der Regel nicht hin, auch wenn sie so gut vernetzt sind, wie ich es bin. Wenn jemand tatsächlich Autor sein möchte, ist ein Verlag – noch – unabdingbar.

Welche Eigenschaften braucht ein Autor ne­ben dem zündenden Stoff, um als Selfpubli­sher Erfolg beim Publikum zu haben?

Das erste Wichtige, was benötigt wird, ist eine große Portion Selbstkritik. Man muss sich darüber klar sein, dass es schon sehr, sehr viele Bücher gibt. Der Markt und die Leser warten nicht auf einen. Die zentrale Frage lautet: Ist das, was ich schreibe, wirklich interessant für Fremde, die ich zu meinen Lesern machen will? Ist die Hürde der Selbstkritik überwunden und damit geklärt, dass man sich vorstellen kann, mit anderen Autoren in Wettbewerb zu treten, sollten Freunde den Text lesen. Allerdings nicht zu gute Freunde, sondern solche, die offen und konstruktiv Kritik üben. Dann ist es entscheidend, auf Anmerkungen zu hören und den Text zu überdenken. Man darf nicht arrogant sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Überarbeitung zwingend notwendig ist und die Texte immer besser macht. 

Sie bekamen am Anfang viele Absagen. Gibt es in den Verlagen zu wenig Talentgespür?

Ich nehme es keinem der Verlage übel, die mir damals eine Absage erteilt haben. Man muss sich nur diese gewaltige Masse unaufgefordert eingesandter Manuskripte vorstellen, die auf Verlage einprasseln. Lektoren haben heute viele zusätzliche Aufgaben und oft ganz einfach nicht die Zeit, sich mit allen Texten zu beschäftigen. Wenn der Text ei­nen Lektor nicht gleich auf der ersten Seite sprachlich wie inhaltlich anspringt, ist er meist schnell vom Tisch.

Dann bleibt doch nur Selfpublishing? 

Es verbreitet sich immer mehr, sich als Autor einen Agenten zu nehmen. Ein Agent, der ja auch in seinem Sinne handelt, sagt dem Au­tor klipp und klar, ob sein Werk eine Chance hat oder nicht und bietet es gezielt Verlagen an. Dieser Vorfilter erhöht die Möglichkeiten, bei einem Verlag zu landen, ganz erheblich. Wer also ein Manuskript geschrieben hat, sollte durchaus versuchen, es zuerst einer Agentur anzubieten, damit es nicht im Rieseneingangsstapel im Verlag untergeht. 

Nele Neuhaus  
Die Krimi-Bestseller­autorin ist seit 2008 bei Ullstein unter Vertrag, nachdem sie 2005 als Selfpublishing-Autorin begonnen hatte. Am Buchmesse-Freitag (12.30 Uhr, Selfpublishing-Zentrum, Halle 3.1) berichtet die Autorin von ihren Erfahrungen mit dem Selbstverlegen. Das Podiumsgespräch wird von buchreport moderiert.        

Foto: © Jim Rakete

Kommentare

6 Kommentare zu "Im Alleingang nicht zu schaffen"

  1. Angela Winkler | 16. Oktober 2013 um 8:21 | Antworten

    Und wenn die Literaturagenturen genauso mit Manuskripten eingedeckt sind wie die Verlagslektorate und ebenso wie diese zu sehr nach ökonomischen Kriterien ihre Auswahl treffen? Was dann?

    • Ja Angela,
      leider ist es so, dass auch die Agenturen mit Manuskripten überhäuft werden. Das hat auch damit zu tun, dass fast alle Schreibratgeber den Rat geben, sich an Agenturen zu wenden. Bei den großen Verlagen sitzt meist ein Student der Literaturwissenschaften, der ein unbezahltes Praktikum macht und nur eine Aufgabe hat: unverlangt eingesandte Manuskripte zu entsorgen 🙂

  2. Sehr gut, was sie über Selbstkritik sagt.
    Ja, wenn man Krimis schreibt, bestehen sicher Chancen bei großen Verlagen. Hoppla, ich bin ja Erotik-Autorin. Na, dann eben kein Ullstein. Das Schöne ist ja, dass man heutzutage nicht mehr auf die Verlage angewiesen ist. 🙂

  3. Matthias Matting | 11. Oktober 2013 um 16:08 | Antworten

    In der Diskussion „Braucht man einen Verlag“ auf der Buchmesse waren sich alle einig, inklusive des Rowohlt-Cheflektors (!), dass dieser Satz von Frau Neuhaus eben nicht stimmt: „Wenn jemand tatsächlich Autor sein möchte, ist ein Verlag – noch – unabdingbar.“ Richtig ist: manche Autoren brauchen einen Verlag, und manche Bücher brauchen einen Verlag.

    • Christian Frischholz | 12. Oktober 2013 um 16:42 | Antworten

      Eigentlich muss man Nele Neuhaus zustimmen, wenn man das Wörtchen „nur“ einfügt. Wenn jemand „nur“ Autor sein möchte, dann braucht er einen Verlag. Wenn aber jemand Selfpublisher sein möchte (und diesen Job ernst nimmt), dann möchte er Autor sein, aber auch Selbstverleger und Unternehmer. Und in diesem Fall stimmt die Aussage von Nele Neuhaus nicht.

  4. Caren Anne Poe-Autorin | 10. Oktober 2013 um 10:58 | Antworten

    Danke Nele Neuhaus für diesen kleinen Einblick in die Welt der Self Publisher. Nur haben die meisten gar keine andere Wahl, als diesen Weg zu gehen, den Sie schließlich auch zuerst beschritten. Denn es hat demnach 3 Jahre gedauert, bis ein Verlag Ihr Potential erkannte. Auch ein langer Weg. Weiter viel Erfolg.

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