Nadelstiche auf dem digitalen Spielfeld

Mit DuMont-Schauberg hat zuletzt ein weiteres Zeitungshaus ein eigenes E-Book-Programm gestartet. Marco Olavarria (Foto: Unternehmen),  promovierter Wirtschaftswissenschaftler und seit 1998 geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Kirchner + Robrecht in Berlin, rät Buchverlagen, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten. 

Warum versuchen sich immer mehr Presseverlage an E-Books? 

Das Kerngeschäft der Presseverlage stagniert oder ist rückläufig, in den ersten acht Monaten dieses Jahres mussten Tageszeitungen einen Rückgang von über 10% der Brutto-Werbespendings verkraften. Sie stehen also unter großem Druck und suchen nach neuen Einnahmequellen, neuen Zielgruppen und neuen Möglichkeiten der Kundenbindung in bestehenden Zielgruppen. Deshalb verstärken sie bisherige Randaktivitäten, unter anderem indem bestehende Inhalte für eine Zweitverwertung neu konfektioniert werden.

Eignen sich diese Inhalte denn ohne Weiteres für eine Veröffentlichung als E-Book? 

In der Regel muss der Content, der für ein tagesaktuelles Medium erstellt worden ist, für eine Veröffentlichung im E-Book nachbearbeitet oder sogar völlig neu erstellt werden. Diese Transformation erfordert zumeist ebensoviel Aufwand wie die Aufbereitung solcher Inhalte für eine Veröffentlichung als gedrucktes Buch.

Wäre es für Buchverlage interessant, sich mit ihrem Buch-Know-how als Kooperationspartner für die Zeitungsverlage zu empfehlen? Nur in Ausnahmefällen. Es gibt ja nur eine Handvoll überregionaler Titel und die Masse der Veröffentlichungen in diesem Bereich kommt von den über 200 regionalen Tageszeitungsverlagen. Die sind als Partner auch nur für Buchverlage interessant, die eine regional begrenzte Kooperation anstreben.

Erwächst den Buchverlagen hier andererseits eine ernst zu nehmende Konkurrenz? 
Das bleibt abzuwarten. Die meisten E-Books der Presseverlage beziehen sich inhaltlich auf eine bestimmte Region bzw. werden über die Print- und Online-Angebote der Verlage in dieser Region vermarktet. Für die Buchverlage sind das allenfalls Nadelstiche, die sich in deren Verkaufs- und Bilanzzahlen nicht spürbar niederschlagen. Andererseits gibt es immer wieder Veröffentlichungen wie regionale Kochbücher, die richtig gut laufen.

Und die Zeitungsverlage haben auf dem digitalen Spielfeld sowieso einen Vorsprung vor den Buchverlagen …

Ja, aber nicht an den entscheidenden Stellen. Für den Vertrieb von E-Books, zumal auf nationaler Ebene, sind vor allem die digitalen Vertriebskanäle entscheidend und mit denen kennen sich die Buchverlage sicherlich besser aus als die Tageszeitungsanbieter. Allerdings darf man diesen Vorteil auch nicht überschätzen, denn insgesamt läuft im E-Book-Geschäft sehr vieles über Dienstleister, die die komplette Wertschöpfungskette von der Konvertierung bis zur Vermarktung anbieten. So einen Dienstleister kann natürlich auch ein Zeitungsverlag beauftragen.

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