Zeigefinger wischt auch über Natur und Tiere

Die rasante Entwicklung der digitalen Technologien öffnet den Ratgeberverlagen neue Optionen. Nachdem es Reiseführer und Kochbücher vorgemacht haben, halten Apps, E-Books und crossmediale Verknüpfungsmittel wie QR-Codes auch in den Warengruppen Natur, Tiere und Garten Einzug. Alle Verlage, die buchreport zum Landlust-Schwerpunkt befragt hat, experimentieren mittlerweile mit digitalen Formaten, lehnen sich dabei aber unterschiedlich weit aus dem Fenster. Einige Beispiele:
  • Gräfe und Unzer hat 2012 zu seinen neuen Naturführern zeitgleich Apps zum Thema entwickelt.
  • Stocker hat gerade seine ersten beiden Apps auf den Markt gebracht (über Lockjagd auf Schwarzwild und eine Bestimmungs-App für heimische Wassertiere).
  • Callwey begleitet seinen für April geplanten „Gartenreiseführer Norddeutschland“  mit einer App, die im iTunes Store 4,99 Euro kosten wird.
  • In Stuttgart bereitet sich Pferdebuch-Spezialist MüllerRüschlikon ohne Einzelheiten zu nennen darauf vor, demnächst „gezielt“ E-Book-Projekte umzusetzen.
  • BLV ist im Herbst 2012 mit den ersten 15 E-Books gestartet und legt im Frühjahr weitere 15 Titel nach.
Der digitalaffine Ulmer Verlag bietet bereits mehr als 400 Titel parallel auch als E-Book an.
Checkliste mit Sinnfragen
Die Unsicherheit, die technischen Optionen inhaltlich angemessen zu nutzen, ist aber nach wie vor groß. Der Kosmos Verlag etwa, der bereits ein breit gefächertes Sortiment sowohl von E-Books als auch von Apps quer durch alle Programmschwerpunkte hat, engagiert sich auf der digitalen Schiene erst nach intensiven Marktbeobachtungen. Almuth Sieben, Kosmos-Programmleiterin Ratgeber/Naturführer/Sachbuch: „Je nach Zielgruppe untersuchen wir genau den Bedarf, das Nutzer- und das Kaufverhalten.“ Eine Checkliste hilft der Redaktion bei der Entscheidung, in welche Ausgabeform der Inhalt sinnvoll und zielgruppengerecht gebracht wird:
  • Wo und wie werden die Inhalte benötigt und genutzt?
  • Möchte der Nutzer das Thema digital aufbereitet haben?
  • Ist es überhaupt ein Online-Thema?
  • Lässt sich das Thema klassisch im Print darstellen (didaktischer Ansatz) oder wäre eine Interaktion besser?
Bei der neuen Reihe „Mein Garten/Mein Tier“ gibt es zum Beispiel durch den Einsatz von QR-Codes eine Verknüpfung von On- und Offline. Sieben: „Der Leser bekommt zusätzliche Informationen digital, alle entscheidenden Basisinformation sind aber im gedruckten Buch enthalten.“ 

Das „Große Kosmos Jagdlexikon“ wiederum gibt es sowohl gedruckt als auch als E-Book. „Denn auf den Jagdsitz möchte man kein schweres Buch mitnehmen.“ Wichtig ist bei solchen Projekten auch die Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern, sagt Sieben. Beim Jagdlexikon zum Beispiel ist es die in Europa führende Zeitschrift „Wild & Hund“.

Wegen der rasanten Entwicklung der technischen Möglichkeiten durch immer neue und anwenderfreundlichere Generationen von Smartphones und Tablets müssen die Verlage ständig nachjustieren. „Perfekt auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkte werden immer wichtiger“, betont Nadja Harzdorf, Verlagsleiterin von Gräfe und Unze für den Bereich Garten, Heimtier und Natur. „Mit den Naturführer-Apps haben wir sehr erfolgreich auf das veränderte Nutzungsverhalten der Zielgruppe reagiert, die in der freien Natur zunehmend mobil unterwegs ist.“
Überall wird digital experimentiert
Wie die meisten Ratgeberverlage befindet sich auch Dorling Kindersley mitten in der digitalen Experimentierphase. Erste Erfahrungen mit Apps und E-Books hat der Verlag u.a. im Reiseführerbereich bereits gesammelt, jetzt rücken zunehmend die anderen Schwerpunkte in den Blickpunkt. Dabei sein ist alles, sagt Verlagsleiterin Monika Schlitzer. „Selbst wenn das digitale Geschäft noch über Jahre nur ein Mini-Umsatzbringer sein wird, darf man es nicht ignorieren. Wir überlegen natürlich sehr genau, welche Themen sich eignen, aber es ergeben sich zweifellos spannende Möglichkeiten.“
Der deutsche Ableger des in aller Welt aktiven britischen Sachbuchverlags Dorling Kindersley hat ein Ass im Ärmel, um das ihn viele beneiden: Die Konzernmutter in London gehörte zu den Vorreitern im digitalen Geschäft und verfügt nicht nur über jede Menge technisches Know-how, sondern auch über einen in dieser Form wohl einmaligen Datenpool, der gezielt auf Multipublishing ausgelegt ist. „Das primäre Produkt ist immer das Buch, aber die Inhalte können jederzeit auf den verschiedensten Plattformen genutzt werden“, erklärt Schlitzer. 
Aus diesem Content-Pool ist in London zum Beispiel die Landlust-Frühjahrsnovität „Jahreszeitenküche“ hervorgegangen, die im April erscheint. Entwickelt wurde der 496-Seiten-Band mit seinen 1000 Rezepten zwar an der Themse, aber mit entsprechendem Input aus München für den deutschen Markt maßgeschneidert. Ein praktisches Zusatzfeature ist der QR-Code neben den Rezepten, mit dem die Zutatenliste direkt aufs Android-Smartphone geladen werden kann. Noch etwas komfortabler ist die App zum Buch, die iPhone-Nutzer im iTunes-Store kostenlos herunterladen können: Sie bietet u.a. die Möglichkeit, die Zutaten abzuhaken und die Einkaufsliste per SMS oder E-Mail weiterzuschicken.
Weitere Hybridprojekte, also Bücher „mit Zusatzfunktionalität und Anwendernutzen“, werden bei Dorling Kindersley laufend geprüft. Bei der Kombination Natur und E-Books ist der Verlag schon einen Schritt weiter: Im Oktober sind die ersten digitalen Bücher nur für das iPad herausgekommen. Aus dem 2011 veröffentlichten Standardwerk „Die Natur“ wurden die Einzelkapitel Insekten, Reptilien und Amphibien, Säugetiere herausgenommen, in Zusammenarbeit mit Apple speziell für das iPad aufbereitet  und als „DK Multi-Touch iBook“ zum Einzelpreis von 2,99 Euro im App-Store eingestellt. Die Seiten wurden zwar neu layoutet, lehnen sich aber ganz bewusst an die Buchvorlage an. Zu den Features gehören Hörbeispiele von Tierlauten, interaktive Bildergalerien mit Detailfotos und Filme von spezifischen tierischen Verhaltensweisen.

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