Wenn die Erotik fehlt

Nach deutlichen Zuwächsen im Print- und Digital-Format kehrt bei den US-Publikums-Verlagen allmählich Ernüchterung ein. Auffällig sind die inzwischen sinkenden E-Book-Erlöse.
Auf Basis einer Umfrage unter rund 1200 Verlagen (nur Publikumsverlage, keine Fachverlage) hat der Verband AAP für die ersten sechs Monate des Jahres für das Allgemeine Programm („Trade“) einen Rückgang um 7% auf 2,8 Mrd Dollar ermittelt. Auch bei der bisherigen digitalen Lokomotive, dem E-Book, gab es Einbußen: –5% auf 731 Mio Dollar.
Wie „Publishers Lunch“ mit Blick auf die AAP-Zahlen berichtet, sanken die E-Erlöse seit drei Monaten in Folge. Im Mai sei der Umsatz mit E-Books um 15% auf 118 Mio Dollar gesunken. Im Juni lag das Minus bei 13% auf 120 Mio Dollar.

Auch in Großbritannien verlief das erste Halbjahr mau. Der Print-Buchmarkt schrumpfte von Januar bis Juni umsatzmäßig um fast 7%. Auf dem digitalen Markt wird aktuell mit einem Resultat auf Vorjahresniveau gerechnet.

Sowohl in den USA als auch Großbritannien dürfte die Sonderkonjunktur durch die „Fifty Shades“-Trilogie 2012 den Ausschlag dafür geben, dass in diesem Jahr die Zahlen nicht so gut aussehen.

Kommentare

2 Kommentare zu "Wenn die Erotik fehlt"

  1. „Erotik fehlt“
    Es ist doch eigenartig, dass wenn die „Erotik“ im Buchbereich und auch im digitalen Sektor „fehlt“, oder weniger angeboten wird, dass dann der Umsatz zusammensinkt.
    Da kann man eigentlich nur sagen: „Wohin sind unsere kulturellen Werte gekommen?“
    Oswald Spengler schrieb das bezeichnende Werk mit dem vielsagenden und markanten Titel: „Der Untergang des Abendlandes.“
    Ja, wo ist denn die gute Literatur und Dichtung geblieben, oder sind eine Vielzahl von Menschen von Medien abhängig, die nur noch „Erotik“ zeigen und dazu noch im Druckbereich vertreiben?
    Es sollte da ein Umdenken dieser Verlage und Medienhäuser kommen, die solche Dinge bereits jahrelang anbieten und weiter offerieren.
    So bekommt jetzt sozusagen die große Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg durch Umsatzeinbrüche dies zu spüren.
    (Weiter will ich dies jetzt nicht erwähnen).
    Es muss aber möglich sein, dass Menschen wieder lernen und wissen, was eigentlich kulturelle Werte sind.

    Das Leben und Dasein der Menschen und Völker sollte nicht weiterhin durch Medien in der Weise gesteuert und manipuliert werden, dass dadurch eine vielseitige Abhängigkeit in manchen Bereichen entsteht.
    Auch die große Medienlandschaft ist letztendlich dahingehend verantwortlich, wie sich in naher Zukunft Kultur entwickeln kann.
    Insgesamt gesehen wäre es fatal, wenn weiterhin die „Erotik“ noch mehr ausgebaut würde, um Umsätze anzukurbeln.
    Es fehlt mehr Sinnfindung in vielen Lebensbereichen und es gilt da neue Akzente zu setzen.
    Eltern, Schulen und die Gesellschaft sind für heranwachsende junge Menschen verantwortlich.
    Und es darf nicht sein, dass nur „Erotik“ das Mittel zum Zweck eines Umsatzes weltweit sein soll.
    Ein Nachdenken in diesen Fragen sollte möglich werden.

  2. So weit ist es gekommen: Jetzt wird schon einer Porno-Schmonzette hinterhergejammert.
    Freilich könnten die Ursachen für den Umsatzrückgang auch ganz andere sein. Ich habe eine starke Ahnung, dass die Leute nicht ruckartig mangels Erotik weniger lesen, zumal sie inzwischen gut mit Tablets ausgestattet sind. Nur das Bezahlen lassen sie halt aus – ist ja auch ganz einfach. Schaut sich denn nie mal jemand die Download-Zahlen auf Piratenportalen an? Übrigens viele inzwischen auch mit Mobile-Schnittstellen.
    Noch ’n Tip: Mal russische Verleger fragen. Zweistellige Umsatzrückgänge kennen die bestens.

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