Belegschaft wird eingelullt

Weltbild-Betriebsratschef Peter Fitz vor den Mitarbeitern der Betriebsratsversammlung (Foto: Verdi).

Nach den jüngsten Hiobsbotschaften, nach denen bei Weltbild Hunderte von Arbeitsplätzen gefährdet sein sollen, hat die Geschäftsführung (das Foto zeigt Carel Halff, li., und Martin Beer, © Weltbild) heute bei der Betriebsversammlung versucht, die Mitarbeiter zu beruhigen. Laut Verdi kamen rund 1100 Mitarbeiter zur Versammlung.

Zentrale Botschaften: Man habe die Rückendeckung des Aufsichtsrats. Und: Der Fortbestand von Weltbild sei sicher.

Aus Sicht der Geschäftsführung ist die Zukunft von Weltbild gesichert. „Aus den aktuellen Gesprächen zur Refinanzierung der Verlagsgruppe, die in den Medien für Schlagzeilen gesorgt haben, sollte man keine Aufgeregtheiten ableiten“, heißt es in einer Stellungnahme der Geschäftsführung. Und: „Solche Verhandlungen brauchen Zeit, Ruhe und Sorgfalt.“ 
Einmal mehr räumte das Unternehmen ein,dass die aktuelle Umbausituation in diesem und im nächsten Jahr zu „geplanten Verlusten“ führe – ab dem übernächsten Jahr würden wieder dauerhaft positive Ergebnisse erwartet. Die Filialen würden auf eine „ergänzende Funktion für das Online- und Digitalgeschäft“ ausgerichtet. Die hohen Anlaufinvestitionen in das Digitalgeschäft führten erst zeitversetzt zu entsprechenden Gewinnen. „Diese Parallelität von Rückbau und Neuaufbau stellt in ihrer Dimension eine enorme Anstrengung dar.“ 
Die Erneuerung des Geschäftsmodells sei bereits zu einem großen Teil erfolgt. Mitte des Jahres habe man das Unternehmen erfolgreich auf eine vollständig neue IT umgestellt – gemeint ist die Einführung von SAP. Außerdem habe das neue Lager den Betrieb aufgenommen. „Mit diesen Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe verfügt das Unternehmen über die technischen Voraussetzungen für ein zukunftsgerichtetes Online- und Digitalgeschäft, das von Katalog und Filialen weiterhin flankiert wird“, versichert die Chefetage.
Zu Fragen zur künftigen Eigentümerstruktur und Unternehmensform nahm das Unternehmen keine Stellung, erklärte aber, dass die Ausrichtung des Verlages als Wirtschaftsunternehmen in der Rechtsform einer GmbH nicht zur Diskussion stehe.
Weltbild skizzierte außerdem die eigene Zukunftsstrategie. Kernbestandteile seien
  • die „Profilierung der Marke Weltbild durch Standpunkt, Inszenierung, Aktualität und Auswahl“. 
  • Umbau zum Online- und Digitalgeschäft. 
  • Kernkompetenz des Unternehmens seien Bücher/E-Books bzw. Medien. 

Gewerkschaft kritisiert „nebulöse“ Ausführungen

Die Gewerkschaft Verdi zeigt sich nach der Betriebsversammlung enttäuscht. Trotz präziser Fragen der Betriebsräte und der Belegschaft habe sich Geschäftsführer Carel Halff nur „nebulös“ geäußert. Konkrete Zahlen seien auch auf mehrfache Nachfrage nicht zu erfahren gewesen. „Die Geschäftsführung spielt die Konsequenzen des Umbau-Prozesses gezielt herunter und versucht die Belegschaft einzulullen“, moniert Timm Boßmann, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe.

Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz forderte, dass Weltbild den Umbau ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen müsse. Auf der Suche nach dem „Wie“ wolle der Betriebsrat die Mitarbeiter einbinden.

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck appellierte in diesem Kontext an die Verantwortung der kirchlichen Eigentümer: „Wir erwarten den klaren Auftrag der Bischöfe an die Geschäftsführung, den Umbau ohne Personalopfer zu bewerkstelligen.“ Die Kirche habe Jahrzehnte lang gut verdient, jetzt müsse man auch in schwierigen Zeiten zu den Beschäftigten stehen.

Mehr zum Thema im Dossier von buchreport.de

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