Keine Mehrheit für Boklov

Die Wahlniederlage von Ministerpräsident Jens Stoltenberg und seiner Rot-Rot-Grünen-Koalition am Montag schlägt auch unter Norwegens Verlagen und Buchhändlern Wellen. Obwohl das siegreiche Bündnis aus Konservativen und Rechtspopulisten voraussichtlich erst in einigen Wochen amtlich bestätigt wird, zeichnet sich ab, dass das eigentlich für 2014 geplante Preisbindungsgesetz („Boklov“) nicht umgesetzt wird.

Dass sich das skandinavische Land gänzlich aus der Preisbindung verabschiedet, ist aber unwahrscheinlich, sagt Kristenn Einarsson, der Direktor des norwegischen Verlegerverbandes. Er hat seine Hausaufgaben gemacht und ist im Vorfeld der Wahlen bei allen Parteien vorstellig geworden. „Drei der vier künftigen Koalitionspartner wollen die Preisbindung in ihrer jetzigen Form behalten.“

Die norwegische Preisbindung ist seit Jahren durch eine (im Vergleich zur deutschen Regelung) großzügige Branchenvereinbarung festgeschrieben. Danach darf der Buchhandel Bücher bis zum 1. Mai des Folgejahres nach Erscheinen mit einem Rabatt von maximal 12,5% auf den Ladenpreis verkaufen. Einarssons Problem: Die Vereinbarung läuft Ende nächsten Jahres aus. 
Auch in Dänemark würden Verleger und Buchhändler die 2011 abgeschaffte Preisbindung lieber heute als morgen reinstallieren. Doch daraus wird wohl nichts: Erst kürzlich hat die dänische Regierung einen entsprechenden Vorstoß abgewiesen und folgte damit der Argumentation des Kartellamts, dass feste Buchpreise für den Konsumenten nachteilig sind. Derweil geht das Buchhandelssterben im Nachbarland weiter: Seit Jahresbeginn haben 32 Sortimenter geschlossen.

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