Wo bleibt Daniel Kehlmann?

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2013 beschäftigt das Feuilleton: Alle wundern sich über das Fehlen von Daniel Kehlmann und fragen sich, ob die Auslistung mit seinem Erfolg zusammenhängt. Bei den wenigen Feuilletonisten, die es gewagt haben, eine Prognose abzugeben, zeichnet sich ein klarer Favorit ab. 
Für „SPIEGEL ONLINE“ ist es eine Sensation, dass Kehlmann auf der Shortlist fehlt. Schließlich war er zuletzt fast omnipräsent; in den Medien und in den Buchhandlungen schien es nur noch darum zu gehen, die gern zitierte Szene aus der „Sesamstraße“ in den Schatten zu stellen: „Hey du, möchtest du ein F kaufen?“ Es spreche für die Unabhängigkeit der Jury, dass sie dem Wirbel um Kehlmann nicht erlegen sei. 
Clemens Meyer gilt als Favorit 
Gute Chancen auf den Sieg habe Clemens Meyer mit dem Roman „Im Stein“, der neben Kehlmann bereits aus der Liste der Longlist-Kandidaten herausstach, heißt es weiter bei „SPIEGEL ONLINE“.
Auch das „Hamburger Abendblatt“ (12.9.) erklärt Meyers zum Favoriten, auch weil Kehlmann ausgeschieden ist. Publikumsliebling sei dagegen Monika Zeiners‚ Debüt „Die Ordnung der Sterne über Como“.
Richard Kämmerlings erklärt das Fehlen von Kehlmann in der „Welt“ damit, dass die Jury ihm seinen Erfolg nicht verzeiht. „Offensichtlich begreift sich die Jury als Korrektiv gegen die Mechanismen des Literaturbetriebs, gegen vermeintlichen Hype und PR-Rummel“ und plädiere deshalb für das Nischige und Übersehene. Nur drei Bücher hätten seiner Meinung nach den Deutschen Buchpreis wirklich verdient: Marion PoschmannsDie Sonnenposition“, Terézia MorasDas Ungeheuer“ und (erneut) Clemens Meyers „Im Stein“. 
Schafft der Deutsche Buchpreis neue Bestseller-Autoren?
Gerrit Bartels fragt sich im „Tagesspiegel, ob die Titel der Shortlist wirklich besser sind als Kehlmanns „F“ und verweist ebenfalls auf seinen Erfolg: Seit Anbeginn sei der Deutsche Buchpreis ein Instrument, um Schriftsteller durchzusetzen, die noch keine Bestseller-Autoren sind. So sei es kein Wunder, dass die Bestseller von der Longlist auf der Shortlist fehlten. 
Für Lothar Müller stand es von Anfang an fest, dass bekannte Autoren wie Uwe Timm, Urs Widmer und Kehlmann ausgesiebt werden. „Zu Beginn als Marketinginstrument seines Auslobers, des Börsenvereins, beargwöhnt, hat der Deutsche Buchpreis immer wieder bekannte Namen ignoriert und  Bücher eher unbekannter Autoren auf die Shortlist gehoben“, schreibt er in der „Süddeutschen Zeitung“ (12.9.).

Kehlmann sei aber nicht nur aufgrund seines Erfolgs ausgelistet worden: Die Shortlist stehe „in auffälligem Kontrast zum leichthändigen Spiel mit Trug, Fälschung und Illusion, physischer und metaphysischer Zauberei, das Kehlmann betreibt. Sie versammelt Bücher, die sich in ihre Stoffe verkrallen und verbeißen und dabei mit oft grimmigem Humor die deutsche und europäische Nachwendewelt und Formen des Ich-Verlustes erkunden.“

Eine ausgewogene Auswahl
Felicitas von Lovenberg von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ fällt auf, dass die Liste um Ausgleich bemüht ist: „Drei der sechs Bücher stammen von Frauen, kein Verlag ist doppelt vertreten, kleine Verlage wie Schöffling und Blumenbar mischen sich munter mit Hanser, S. Fischer, Luchterhand und Suhrkamp.“

Die Jury habe sich für eine „literarisch höchst anspruchsvolle Shortlist“ entschieden: „Unter den sechs Kandidaten ist kein Buch, das sich einfach so „weglesen“ lässt, keines, dem man unmittelbare Bestsellertauglichkeit attestieren würde – dafür wird dann wohl auch in diesem Jahr erst die Auszeichnung selbst sorgen.“

Und was meinen Sie?

Wie finden Sie die Vorauswahl der Jury? Wer ist Ihr Favorit? Haben die Titel der Shortlist Bestsellerqualität? Stimmen Sie ab:

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