Digitales im Einkaufswagen

Der Buchabsatz über die nichtbuchhändlerischen Verkaufswege, besonders auf Lebensmittel-Großflächen, legt zu, und zwar mit aktueller Ware plus Bestell­option in der Breite (buchreport berichtete). In den Buchnebenmärkten wird aber nicht nur Gedrucktes forciert, sondern auch der stationäre Verkauf und die Verschenkmöglichkeit von E-Books in Form von POSA-Karten (steht für am Point of Sale aktivierte Produkte). 
Zumindest werden jetzt von Prepaid-Anbietern, die Downloads wie Mobil­telefon-Aufladung, Games, Software, Musik u.ä. für den stationären Handel als Karte „verpacken“, offensiver E-Books angeboten – über die bereits länger angebotenen Apple– und Amazon-Gutscheine hinaus. Der sich selbst als führenden Distributor bezeichnende ContentCard hat den von Bertelsmann und Holtzbrinck betriebenen E-Book-Vermieter Skoobe und jetzt ganz frisch den Libri-Shop Ebook.de ins Portfolio aufgenommen.
Im „Lebensmittelzeitung“-Supplement „Nonfood“ wird aktuell massiv für die POSA-Cards getrommelt, unter Hinweis auf die dynamische E-Book-Entwicklung in den USA. Das Szenario: „Der SB-Handel läuft Gefahr, in absehbarer Zeit den Buchmarkt zu verlieren“ und das bei den „ansehnlichen Margen“. Der Handel solle deshalb den Digitaltrend mit Verkaufswänden aus POSA-Cards und weiteren Produkten bedienen, die per Bonausdruck gekauft werden. Für diesen etwas umständlichen Download-Einkauf sehen die Anbieter bei den Endkunden folgende Motive: Man wolle anonym einkaufen und seine Kreditkartennummer nicht im Internet verwenden. Vor allem aber wird darauf verwiesen, dass drei Viertel der Deutschen gar keine Kreditkarte haben.

Im Buchhandel gibt es bereits seit 2012 E-Book-Karten

Auch der deutsche Buchhandel setzt auf E-Book-Karten: Seit 2012 bietet Buchgroßhändler Umbreit die vom Start-up Epidu entwickelten eBook Cards an. Dabei erwirbt der Kunde eine Karte mit einem Code für einen bestimmten Buchtitel. Mit Eingabe des Codes auf Ebookcards.de erhält der Kunde einen Link fürs Herunterladen. Die Zwischenbilanz: 

  • Derzeit nehmen Umbreit zufolge 355 Buchhandlungen am Projekt teil.
  • Pro Monat werden „mehrere Hundert“ Downloads über den Kartenverkauf generiert, Tendenz steigend.
  • Epidu sieht auch in Wiederholungskäufen eine wachsende Akzeptanz.
  • Deutlich erhöhte Umsätze im Weihnachtsgeschäft zeigten, dass das E-Book durch die Karten geschenkfähig wird.  
Als Schwachpunkt sieht Epidu-Marketingchef Cao Hung Nguyen, dass den meisten Endkunden nicht bewusst sei, dass man E-Books im stationären Handel kaufen kann. Eine groß angelegte Werbekampagne sei nicht finanzierbar; hier müssten die Buchhändler selbst offensiver werden.

Kommentare

2 Kommentare zu "Digitales im Einkaufswagen"

  1. 355 Buchhandlungen haben ‚mehrere Hundert‘ Downloads pro Monat generiert – Tendenz steigend. Na ja, wo soll die Tendenz auch sonst hingehen!? Unten ist ja kein Platz mehr …

  2. Wir werden völlig neue Arten des Buchverkaufs erleben in der Zukunft: Man lädt an einem öffentlichen Terminal (im Supermarkt, am Bahnhof, im Kaufhaus oder sonst wo) mit einer E-Book-Karte schnell ein oder mehrere E-Books herunter und „füllt“ sich auf diese Weise seinen E-Book-Reader fürs Wochenende „auf“ …

    Wenn dann noch in den Geschäften entsprechend geworben wird („Wer heute am E-Book-Terminal Titel XY herunterlädt, kriegt X % Rabatt …“), dann wird das den Verkauf anheizen.
    In den Augen der allermeisten Käufer ist das Buch schon längst kein „Kulturgut“ mehr – wie der Börsenverein im Hinblick auf die antiquierte und obsolete Preisbindung immer wieder behauptet – nein, es ist ein „Konsumgut“ geworden, das man konsumiert wie eine Flasche Wein oder ein Kino-Ticket. Von daher: weg mit der blödsinnigen Preisbindung, die wir vor allem im E-Book-Markt rein gar nicht gebrauchen können!!

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