Kompilieren und zweitverwerten

Auf dem digitalen Buchmarkt entsteht ein neuer Wettbewerb von Buch- und Zeitungsverlagen. Nach Medienhäusern wie dem SPIEGEL, Axel Springer, der „FAZ“, Gruner+Jahr, der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Zeit“ stellt auch Dumont Schauberg (u.a. Titel wie „Berliner Zeitung“, „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Hamburger Morgenpost“) ein E-Book-Programm vor. Ob Buchverlage oder Presse-Häuser perspektivisch die Nase vorn haben, ist umstritten. 

Der Dortmunder E-Book-Dienstleister Readbox übernimmt die Herstellung und Auslieferung der digitalen Bücher von Dumont Schauberg und berät das Unternehmen bei Programmplanung, Prozessgestaltung und Marketing, meldet Readbox. Im Fokus steht demnach die Verwertung vorhandener, thematisch zusammengehöriger Artikel aus Zeitungstiteln. Beispiele sind Artikel-Kompilationen lokaler Themen wie ein 1. FC Köln-E-Book („Wir waren klar besser“) vom „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Berlin bei Nacht“ von der „Berliner Zeitung“ und „Unser Hamburg“ mit Texten zur Stadtgeschichte Hamburgs.
„Der boomende E-Book-Markt ist eine interessante Facette unserer Paid-Content-Strategie und bietet Möglichkeiten, dem Leser neue und innovative Formate anzubieten“, erklärt Ismene Poulakos, Leiterin des Innovationsmanagements bei Dumont Schauberg. 
Die wachsende Konkurrenz der Buch- und Presseverlage hat buchreport in den vergangenen Monaten wiederholt untersucht. Einzelne Einschätzungen:
Höheres Tempo: Sandra Kreft, Verlagsleiterin Magazine und Neue Geschäftsfelder bei der „Zeit“, erklärte im Interview auf die Frage, wer Vorteile auf dem E-Markt besitzt, dass man als Zeitungsverlag gewohnt sei, „sehr aktualitätsbezogen und schnell zu produzieren, wir haben den Vorteil auch kürzere Informationseinheiten passgenau und schnell zusammenstellen zu können“. Mit „Subcompact Publishing“-Formaten (hier mehr zum Begriff) für kurze Leseintervalle (z.B. bei der Fahrt zur Arbeit) biete die „Zeit“ den Lesern „echten Mehrwert“.

Erfahrene Vermarktung: Hugh McGuire, kanadischer Unternehmer, der mit „Pressbooks“ ein einfach zu bedienendes Publishing-Werkzeug entwickelt hat, meint in einem Video-Interview mit buchreport.de, dass die Buchverlage schlechtere Voraussetzungen hätten: Die Magazin-Verleger hätten – anders als die Buchverlage, deren Vertrieb bis vor wenigen Jahren primär auf den sttaionären Buchhandel fokussiert war – frühzeitig einen direkten Kontakt zum Leser im Internet aufgebaut und ihre Geschäftsmodelle darauf ausgerichtet.

Bessere Geschichten: In einem Panorama-Interview zur E-Book-Strategie von Random House sagte Werbeleiter Detlef Horn, man sei „stark darin, Geschichten zu erzählen“. Frank Sambeth, Chef der Verlagsgruppe Random House, erklärte: „Im Endeffekt kommt es bei der Frage, wer am Markt erfolgreich ist, auf die Autoren und Inhalte sowie ihre bestmögliche Vermarktung und Verbreitung an.“ Und: „Die Erstellung und Vermarktung von Buchinhalten ist schon immer unser Kerngeschäft, in dem wir gut sind.“

Fotomontage: buchreport.de

Kommentare

1 Kommentar zu "Kompilieren und zweitverwerten"

  1. Liebe Buchverlagskollegen,

    ohne neue Denkweisen hinsichtlich digitaler Erlös- und Vermarktungskonzepte, nützen euch eure „starken Geschichten“ im digitalen Universum rein gar nichts. Denn der digitale Nutzer funktioniert bekanntlich anders als derjenige, der gern Seiten aus Papier umblättert. Kauft euch Verlagskaufleute aus Zeitungsverlagen und Online-Marketing-Manager ein, anstatt 500-Euro-Volontäre, und verabschiedet euch von eurer antiquierten Autoren-Anbeterei, denn nicht der Autor ist King, sondern die Kohle, die man mit ihm verdient. Die Buchverlagsgeschichte hat oft genug gezeigt, dass gerade die, die antiquiertes Denken über Bord geworfen und gegen alle Widerstände revolutioniert haben am Ende am erfolgreichsten waren.

    Beste Grüße aus dem digitalen Universum!
    Die Buch Marie

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