Wir füllen eine Lücke

Der Berliner Verlag „Das Beben“ will die Novelle zurückbringen – im Digitalformat. Im buchreport-Startup-Check erläutert Mitgründerin Karla Schmidt (Foto) Idee und Konzept. Eine der größten Herausforderungen aus ihrer Sicht: die Feuilletons davon zu überzeugen, dass E-Book nicht mit „trivial“ gleichzusetzen ist. 

Ihr Konzept in 3 Sätzen: 

Wir bringen Novellen, also kurze, sprachlich und inhaltlich dichte Texte zeitgenössischer Autorinnen und Autoren auf den E-Book-Reader. Uns interessieren vor allem Texte, die in den Printverlagen leicht untergehen – Schräges und Eigenwilliges, Mischformen zwischen Literatur und Genre, vor allem aber Mitreißendes, das nach dem Lesen noch lange nachhallt. Beben-Bücher gibt es in allen gängigen Reader-Formaten, und sie werden ab 1. September auf unserer Homepage ohne Kopierschutz angeboten, damit Leser keinen Ärger mit der Verwaltung und Konvertierung haben.

Ihr Einstieg in die Branche: 

Wir sind fünf Verlagsgründer: Markolf Hoffmann, Jasper Nicolaisen, Simon Weinert, Jakob Schmidt und ich. Wir sind alle schon länger in der Branche unterwegs, als Autoren, Übersetzer, Verleger, Buchhändler. Ich habe ein paar Romane bei Publikumsverlagen veröffentlicht, hatte aber zunehmend das Bedürfnis, freier, unabhängiger von Genreschubladen zu schreiben, darum hat die Beben-Idee bei mir offene Türen eingerannt. Seit 2007 unterrichte ich angehende Autoren und habe für die Hamburger Akademie für Fernstudien zwei Fernlehrgänge entworfen, so dass ich mittlerweile über ein gefestigtes handwerkliches Wissen verfüge. Für das Beben werde ich vorwiegend als Lektorin arbeiten, weil mir das am meisten Freude macht – vielleicht auch, weil ich die andere Seite kenne, schließlich werde ich hin und wieder auch lektoriert.

Ihre erste morgendliche Tat im Büro:  

Sobald ich die Familie zur Schule und zur Arbeit aus dem Haus getrieben habe, gieße ich mir meinen zweiten Poot Kaffee ein und starte den PC, um mich mit meinen Kollegen im virtuellen Großraumbüro zu treffen. 

Ihr letztes Telefonat: 

Da ging es um die Formatierung für den Kobo. Der Kobo ist sozusagen die Diva unter den Readern, der braucht ziemlich viel Extrabehandlung, damit ein Buch darauf gut dargestellt wird. 

Ihr Geheimtipp für Existenzgründer: 

Kein Geheimtipp, aber für uns war eine wichtige Frage: Welche Rechtsform ist die richtige für das, was wir vorhaben? Da sollte man sich genau informieren und auch beraten lassen, selbst wenn es ein paar Euros kostet.

Ihre größten Stolpersteine: 

Ich sehe es zur Zeit vor allem als Herausforderung, die Feuilletons davon zu überzeugen, dass E-Book nicht mit „trivial“ gleichzusetzen ist. Es wird interessant sein zu sehen, wie schnell es uns gelingt, als Verlag für E-Books ernstgenommen zu werden, wie lange es dauert, bis auch ein elektronischer Text als „echtes Buch“ wahrgenommen wird. 

Da wir eine Lücke füllen, die die großen Printverlage zur Zeit nicht bedienen – nämlich die Novelle als intelligenten, packenden Text, der sich in einem Rutsch durchlesen lässt – bin ich ganz zuversichtlich, dass uns das bald gelingt.

Ihr peinlichster Tweet oder Facebook-Post:

Weder ein Tweet noch ein Post, denn wir sind ja erst ein paar Tage „da draußen“ aktiv. Aber ich habe im spätabendlichen Arbeitstran ein paar wichtige Emails von unserm Webspace gelöscht. Die Arbeit muss jetzt nochmal gemacht werden. Asche auf mein Haupt.

Was Google von Ihnen besser nicht wüsste:

Das geht Google natürlich nichts an. 😉

Ihr Unternehmen in 5 Jahren:  

Wir haben dann eine Backlist von dreißig bis vierzig Titeln, die nicht nur viel gelesen werden, sondern auch im Feuilleton Aufmerksamkeit erzeugen. Unsere Autoren sind uns treu und wir ihnen, weil wir uns gegenseitig mit aufgebaut haben und einfach gerne zusammen arbeiten, und wir haben eine stetig wachsende Fangemeinde, die unsere Bücher im Abo bezieht. 

Im buchreport Startup-Check bislang erschienen:

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