Wie können Nonbooks helfen, Bücher zu verkaufen, Frau Niestrath?

In Zeiten des Online-Handels müssen stationäre Geschäfte ein attraktives Angebot schaffen, weiß Beraterin Angelika Niestrath (Foto). Wie sich Sortimente mithilfe von Nonbooks ein Gesicht geben können, erklärt sie im buchreport-Praxistipp rechtzeitig zur Wohn- und Geschenkemesse Tendence, die am 24. August in Frankfurt beginnt:

Wer in Zukunft erfolgreich stationären Einzelhandel betreiben will, besonders wenn er so stark von Online-Konkurrenz betroffen ist wie im Buchhandel, braucht ein Angebot, das attraktiv genug ist, um die Kunden möglichst oft vom Bildschirm weg und in die Innenstadt zu locken – und das sie für diese Mühe auch belohnt, möglichst jedesmal. Zielkäufer, die ein bestimmtes Produkt möglichst schnell und günstig erwerben wollen, kaufen online. Wer in die Stadt kommt, sucht das Besondere, das Individuelle, und nicht zuletzt das Einkaufserlebnis an sich.

Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, braucht es Sortimente, die in ansprechendem Ambiente mit einer persönlichen Warenauswahl immer wieder überraschen, inspirieren und überzeugen können – kurz: Sortimente mit Gesicht. Ausgesuchte Papeterie, Geschenke & Co. unterstützen das in idealer Weise:

  • Gesicht zeigen, möglichst auf den ersten Blick: Bücher sehen für viele Menschen zunächst einmal überall gleich aus. Das Besondere eines individuell ausgewählten Buchsortiments erschließt sich ihnen frühestens auf den zweiten Blick – wenn sie die Klappentexte lesen oder eine persönliche Beratung bekommen. Sinnvoll und kreativ zwischen den Büchern platzierte Papeterie oder Wohnaccessoires dagegen springen sofort ins Auge, machen Stimmung, signalisieren ein spannendes, außergewöhnliches Angebot und laden zum Entdecken ein.
  • Inszenieren „wie zuhause“: Das funktioniert nicht nur auf Thementischen, sondern auch in den klassischen Abteilungen der Buchhandlung: In der Belletristik deuten Leselampen, Lesebrillen und anderes Zubehör stilvollen Lesegenuss an; zwischen den Biographien machen Fotoalben, Tagebücher oder schönes Schreibgerät Lust, sich mit der eigenen Biographie zu beschäftigen. Notizbücher, Grußkarten und Geschenkpapier mit floralen Motiven locken bei den Gartenbüchern … Wo immer  funktionale Produktkategorien zugunsten von inhaltlichen und emotionalen Zusammenhängen aufgehoben werden, enstehen Gefühle, Begehrlichkeiten – und Geschenkideen.
  • Kreativ und individuell präsentieren: Geschenkvorschläge machen Sie auch, wenn Sie ein Taschenbuch zusammen mit Seidenpapier und farblich passender Schleife in einer offenen Geschenkschachtel (z.B. Standardgröße für DVD) auf dem Tisch präsentieren oder zum Backbuch drei Keksausstecher in ein farblich abgestimmtes Organzasäckchen stecken. So entstehen ohne großen Aufwand geschenkfertige „konfektionierte Produkte“, die es genau so nur bei Ihnen gibt.
  • Vereinzeln und veredeln: In einem Pappdisplay mit 24 gleichen Artikeln kann man keine Entdeckungen machen. Die selben Produkte in einer schönen Schale arrangiert, womöglich jeweils mit einem hübschen Geschenkanhänger aufgewertet, kommen völlig anders daher – und der Kunde hat das beglückende Gefühl, etwas ganz Besonderes gefunden zu haben. Dieses schöne Gefühl zu erzeugen, ist die zusätzliche Mühe wert!
  • Besonderes suchen: Genau wie Ihr Buchsortiment soll auch das Nonbooksortiment nicht nur von der Stange sein. Das Salz in der Suppe sind Produkte, zu denen Sie eine Geschichte erzählen können – zum Beispiel über ihre interessante Herkunft, eine persönliche Begegnung mit dem Hersteller oder eine überraschende Verbindung zur Literatur … All das verleiht dem Produkt eine besondere Bedeutung, an die der Kunde sich erinnern wird – und die er weiterverschenken kann. Solche Produkte findet man auf Messen und vor allem, indem man mit offenen Augen für Entdeckungen durch die Geschäfte geht, wo immer man gerade ist.
  • Mit Nonbooks verführen – mit Buchhandelsqualitäten überzeugen: Rustikale Keramikteller, Olivenholzlöffel und Lavendelkerzen lösen auf den ersten Blick Sehnsucht nach einem provenzalischen Sommerabend aus; das besondere Etwas, das nur die Buchhandlung bieten kann, ensteht durch die Kombination mit den passenden Bildbänden, Kochbüchern oder Romanen. Gemeinsam erzählen sie eine überzeugende Geschichte. Und Geschichten sind das Kernprodukt, genau wie Originalität, Wissen, Poesie, Sinn und viele andere Qualitäten, für die Bücher und Buchhandlungen stehen. Diese Qualitäten machen den Unterschied zwischen einem Teller aus dem Kaufhaus und einem von Ihrem Provence-Tisch: Bücher und Nonbooks illustrieren und verkaufen sich gegenseitig.

Mehr zum Thema:

  • „Sortiment mit Gesicht – Wie Nonbooks helfen, Bücher zu verkaufen“ Vortrag und Diskussion auf der Frankfurter Buchmesse 2013, Forum „Geschenke Live!“ Mittwoch 09.10. und Donnerstag 10.10. jeweils um 11:00 Uhr, kostenlos und ohne Voranmeldung. www.nonbook.de
  • Eine gleichnamige Publikation erscheint zur Buchmesse 2013 in der Informationsreihe des Sortimenter-Ausschusses, kostenlos für Mitglieder des Börsenvereins. www.boersenverein.de
  • „Mr. Books & Ms. Paper“ – Sonderschau auf der Frankfurter Paperworld vom 25. – 28.01.2014. Ein innovativer Concept Store zeigt Bücher und Nonbooks in individuellen Inszenierungen. Vortrag/Führung durch die Ausstellung täglich um 11:30 und 14:00 Uhr. www.messefrankfurt.paperworld.com

Angelika Niestrath
sammelte Erfahrungen in Sortiment und Verlagen, u.a. im Nonbook-Vertrieb, bevor sie sich mit Projekten und Agenturleistungen rund um die Themen Buch/Nonbook und Messe selbständig machte. Sie ist Organisatorin des Nonbookbereichs auf der Frankfurter Buchmesse und weiterer Messeprojekte (u.a. Paperworld: Mr. Books & Ms .Paper), betreibt die Internetplattform nonbook.de und gibt einen regelmäßigen Nonbook-Newsletter für Buchhändler heraus. Darüberhinaus ist sie als Beraterin, Autorin und Produktentwicklerin tätig.

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Kommentare

3 Kommentare zu "Wie können Nonbooks helfen, Bücher zu verkaufen, Frau Niestrath?"

  1. Peter-Uwe Sperber | 26. August 2013 um 13:14 | Antworten

    Was sind das für Kommentare ? Und auch schlecht gehört, Herr Möller – da werden Filialen geschlossen oder verkleinert. Kunden benötigen ein Geschenk, haben keine Idee und gehen Gottseidank in ihre Buchhandlung … mein Anspruch > ich möchte das Geld von möglichst Vielen, die vorbei gehen, also gehören da schon mal Super-Fenster-Dekorationen dazu, für alle, die offene Augen haben. Übrigens, zu diesen Themen gibt es jede Menge Bücher zur Selbsterkenntnis von Deko, Kundenfang bis … steht halt nicht – mit Verlaub – Diogenes oder Hanser drauf. Vielleicht mögen sie ja aber keine Umsatzsteigerung ?
    PS hasse ich auch als langjähriger Vertreter den Kernspruch „dafür habe ich keine Kunden“.

  2. „In der Belletristik deuten Leselampen, Lesebrillen und anderes Zubehör stilvollen Lesegenuss an; zwischen den Biographien machen Fotoalben, Tagebücher oder schönes Schreibgerät Lust, sich mit der eigenen Biographie zu beschäftigen.“ Genau – und bei den Kalendern kippen wir ne halbe Tonne Schnee im Winter dazu, bei der Mütterliteratur den olfaktorischen Verstärker „vollgeschissene Windel“ und bei der Erotik den halben Sexshop. Mann – in Mannheim gab es mal das Medienhaus PRINZ. Der Magnet da war ein phänomenales, riesiges Sortiment, mit sehr ausgefallenen Büchern aus aller Welt. Da biste ausm Lesen und Schmökern gar nicht mehr rausgekommen… Guter Buchhandel sollte Bücher da haben, massig, denn das kann Online nicht bieten: blättern, blätter, blättern.

  3. Stefan Möller | 23. August 2013 um 10:56 | Antworten

    Mit dieser Plunderisierung des Buchhandels haben ja Thalia und Hugendubel riesige Erfolge gefeiert; wie man so hört, eröffnen die ja eine neue Filiale nach der anderen.

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