Duden kippt die Sprachtechnologie

Das Bibliographische Institut zieht sich jetzt doch ganz vom Standort Mannheim zurück: Der nach dem Umbau des Unternehmens einzig verbliebene Bereich der Cornelsen-Gruppe in Mannheim wird geschlossen, bestätigt das Unternehmen auf Anfrage. 19 Mitarbeiter sind betroffen.
Das B2B-Geschäft mit Korrekturlösungen hat sich offenbar anders entwickelt als geplant: „Wir sind davon ausgegangen, dass die Korrektursoftware für Unternehmen ein Wachstumsbereich ist, mussten aber feststellen, dass der Bedarf nicht so groß ist, wie wir es eingeschätzt haben“, erklärt Unternehmenssprecher Klaus Holoch. Deshalb ziehe man jetzt die Konsequenz und gebe den Geschäftsbereich Sprachtechnologie auf. Den 19 Mitarbeitern wurden Auflösungsverträge angeboten.
Der für den Buchhandel relevante Produktbereich (allen voran der Rechtschreib-Duden) sei von der Schließung aber nicht betroffen. 

Kommentare

11 Kommentare zu "Duden kippt die Sprachtechnologie"

  1. Verdammt. Und wieder ärgere ich mich aufs Neue, dass die Entwicklung der Software eingestellt wurde. Zum Kotzen. Office Word ist die weltweit am häufigsten eingesetzte Bezahlsoftware. Und in Deutschland soll sich ein Korrektur-Plugin nicht rechnen? Die haben doch eine Schraube locker.

  2. Die neue „kundenfreundliche“ Vertriebsform des Bundels mit UNBEDINGTEM Buchkauf als Bedingung findet bereits Niederschlag in Konsumentenzeitschriften:

    http://www.konsument.at/cs/Sat

  3. Die Strategie von DUDEN ist unter jeder Kritik!
    Seit dem neuen Office funktioniert die alte Version (8.0!) nicht mehr. Man DARF sich natürlich die 9er Version im Bundle kaufen zu einem weit höheren Preis. Aber was brauche ich die Buchversionen ???
    Ich kaufe ja auch nicht die ganze Kuh wenn ich ein Glas Milch trinken möchte. Aber das ist den Duden-Leuten egal 🙁

  4. Das ist sehr schade, dass damit die beste Rechtschreib- und Grammatikprüfung für MS Office, LibreOffice, OpenOffice, Indesign etc. stirbt. Der Duden Korrektor hat in der Tat alle anderen Prüfprogramme hinter sich gelassen.

    ABER: Es gibt ganz klare Gründe, warum es kein „Wachstumsbereich“ war. Es gab sehr starke Klagen der Nutzer. Nehmen wir mal ein Beispiel: Die Duden-Rechtschreibprüfung 9.0 läuft auf keinem aktuellen LibreOffice oder OpenOffice. Darüber hinaus wird 64-Bit Linux nicht unterstützt, obwohl das schon lange Standard ist. SO kann man kein Geschäft machen!

  5. „Das Führungsduo Alexander Bob (Cornelsen) und Marion Winkenbach (Bibliographisches Institut) hat seit 2007 eine umfängliche Reihe unternehmerischer Fehleinschätzungen und -entscheidungen zu
    verantworten, durch die viel Geld versenkt und zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet wurden. Diese auf ganzer Linie gescheiterten Verlagsmanager
    sollten sich endlich neuen beruflichen Herausforderungen stellen.“

    „Diese auf ganzer Linie gescheiterten Verlagsmanager sollten sich endlich neuen beruflichen Herausforderungen stellen.“

    Diese Aussage (Antwort) klingt so „normal“, dass sie heute kaum mehr einer hinterfragt.

    Eine Frage sei dennoch gestattet:
    * in einem KonkurrenzSYSTEM (es gibt, gäbe auch andere Möglichkeiten die „Wirtschaft“ zu organisieren um zwei Bedürfnisse zu befriedigen: Produktion und Verteilung aller Güter, die wir alle weltweit „brauchen“ (haben wollen), welches per Definition Gewinner (und auf der anderen Seite was erzeugt: Gewinner oder Verlierer? [Erzeugt dieses System NUR GEWINNER?? oder größtenteils Verlierer??]) und Verlierer erzeugt, DESSEN REGELN also so gestrickt sind, dass es immer eine Vielzahl von Verlierern gibt (bis zum Neustart), in so einem System sollen sich also „Verantwortliche“ (WER GIBT IHNEN DIE VERANTWORTUNG?) „neuen Herausforderungen stellen“??

    Was sollen diese „Verantwortlichen“ an anderer Stelle/neue Herausforderung tun?? WOHLGEMERKT „woanders“ GELTEN DIE GLEICHEN REGELN???

  6. Das Führungsduo Alexander Bob (Cornelsen) und Marion Winkenbach (Bibliographisches Institut) hat seit 2007 eine umfängliche Reihe unternehmerischer Fehleinschätzungen und
    -entscheidungen zu verantworten, durch die viel Geld versenkt und zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet wurden. Diese auf ganzer Linie gescheiterten Verlagsmanager sollten sich endlich neuen beruflichen Herausforderungen stellen.

    • Ein kleiner Nachtrag sei gestattet:

      Motto: „Menschen kritisieren (Manager), welche „die Regeln“ nicht gut genug umsetzen, ABER DIE REGELN ALS GOTT GEGEBEN BETRACHTEN?“

      [Wobei ich selbstverständlich die Manager auch keinesfalls loben will!!!]

      ES GEHT EINFACH IMMER WIEDER UM DIE REGELN…

      Alle bisherigen Kommentare haben den Tenor, dass das Management an der Misere „schuld“ sei.

      Eines vorab: Es geht nicht „gegen die Menschen“, die die bisherigen Kommentare geschrieben haben: (ES GEHT UM DAS REFLEKTIEREN / HINTERFRAGEN DER REGELN (damit meine ich keineswegs „Politik“, sondern einfach nur die Regeln, die in allen Lebensbereichen quer durch die globale Gesellschaft „gelten“))

      „Wie soll eine Geschäftsführung, die von der digitalen Welt nicht den blassesten Schimmer hat, beurteilen, ob es dafür einen Markt gibt? Sie
      hat es ja nie richtig versucht „

      „Eine lange Skandalgeschichte! Erst hat man das Lexikon gegen die Wand gefahren, wegen geballter Idiotie des Managements und nun soll wohl auch
      noch der Duden erwürgt werden …“

      „Das Führungsduo Alexander Bob (Cornelsen) und Marion Winkenbach (Bibliographisches Institut) hat seit 2007 eine umfängliche Reihe unternehmerischer Fehleinschätzungen und -entscheidungen zu verantworten“…

      Meine Freundin ist selbst von diesen „FEHLENTSCHEIDUNGEN“ betroffen (und ich damit indirekt).

      Aber was wäre, wenn nun die „KOMPETENTESTEN“ (wer soll das sein?) Manager „kämen“, machen die auf immer und ewig alles richtig und alles ist gut, BRAUCHEN WIR BEI GLEICHBLEIBENDEN (BESCH….!) REGELN EINFACH BESSERE „VERANTWORTLICHE“?

      (WOBEI DIE REGELN ÜBER DIE MENSCHEN GESTELLT WERDEN???)

      Was, wenn Mutter Therese, der Papst ins Management kämen (und zudem noch über ein allumfassendes „Wissen“ verfügen würden), was könnten diese dann UNTER DEN GLEICHEN KONKURRENZREGELN TUN??

      IMMER GEWINNEN?? <- GEHT DAS IN EINEM KONKURRENZSYSTEM??

      Ich hoffe die folgenden Hinweise werden nicht „wegzensiert“ es geht auch wie gesagt KEINESWEGS UM POLITIK bei meinem Kommentar, es geht mir um die Regeln, denen WIR UNS UNTERWERFEN (UND DIE „WIR“ (die Masse?) WIE ICH MEINE NICHT ANSATZWEISE HINTERFRAGEN!!):

      HInweise:

      * gerade für Menschen, die im Bildungsbereich tätig sind -> Buch: „Verdummt nochmal“ von John Taylor Gatto (langähriger Lehrer)

      * Charles Eisenstein, ein Vortrag aus dem Literaturhaus München (Ende 2012), KEINE „Politik“, einfach nur Gesellschaftsbetrachtung:

      * Franz Hörmann (Tenor: der „Schuld“begriff gehört abgeschafft), ebanfalls kein „politisches“ Video, sondern Analyse der Regeln:

      Fazit: was bei den Kommentaren, Diskussionen auffällt (mir):

      * WIR HABEN REGELN FÜR UNSERE KOMPLETTE GESELLSCHAFT, die irgendwann von Menschen gemacht wurden, aber

      * anstatt uns die geltenden Regeln (galten die schon „immer“, werden die auch weiterhin immer gelten? (Ein Blick in die Vergangeheit genügt, um zu sehen: nichts bleibt, wie es war, AUS GUTEN GRÜNDEN!!)) näher anzusehen, „kritisieren“ wir (wobei solch eine „Kritik“ mehr einem AUTOMATISCHEN, AUSWENDIG GELERNTEN „runterbeten“ gleichkommt [AUCH HIER GEHT ES BITTE NICHT, GEGEN DIE MENSCHEN, die die zitierten Kommentare geschrieben haben, SONDERN GEGEN DIE KOMMENTARE SELBST]) die Menschen, sprich Manager, „Verantwortlichen“, dass sie die Regeln „NICHT GUT GENUG UMSETZEN“…..

      Freundliche Grüße
      Rolf F.

      • Mit Verlaub, hier sträubt sich keiner gegen Veränderungen oder nicht eingehaltene Regeln. Worum geht es denn? Man kann von einem Management erwarten, dass es Visionen hat. Auch das gehört zur Arbeitsplatzsicherung, nämlich Perspektiven aufzuzeigen und die Traditionsmarke Duden in die Zukunft zu führen. Für solche – ich meine – realistischen Ziele wird das Management auch besser bezahlt. In diesem Falle hat das Bibliographische Institut aber eine Führung, die eben in der Vergangenheit verharrt und beratungsresistent ist für dringend notwendige Veränderungen. Wenn die Führung ohne Not ihre Korrektursoftware kostenlos auf ihrer Homepage platziert, dann lacht sich doch der Nutzer ins Fäustchen vor so viel Unvermögen und Dummheit. Warum sollte er sie noch kaufen? Das sind einfach kapitale Fehler und wie man (intern) weiß, ist der Bedarf an dieser Software, sprich, die Zugriffe auf die kostenlose Nutzung, riesig. Wenn ein Manager eines anderen Unternehmens sich solche Klöpse leistet, hätte er sich zu Recht längst einen anderen Job suchen müssen. Den Duden als Korrektur- und Integrationssoftware in den Märkten zu etablieren, ist die einzige Chance und die hätte schon vor Jahren ernsthaft angegangen werden müssen. Dazu muss man aber wissen, wie man „Software“ und wohlgemerkt auch „Kunde“ schreibt. Man muss sich mit den Spielregeln eines Marktes auseinandersetzen, die ganz anders sind als die eines Verlagsgeschäftes. Wenn dies nicht erkannt, sollte man den Mut haben, dieses sehr anspruchsvolle Geschäft in Hände zu geben, die von der Materie mehr verstehen. Statt dessen fährt der Verlag dieses Geschäft laienhaft an die Wand – mit nicht absehbaren Konsequenzen. Wieso gelingt anderen Traditionsmarken der Sprung in die Zukunft? Vernünftiges Schreiben ist auch eine Frage der Kultur und Sprache wird sich weiterhin wandeln. Woran werden wir uns künftig orientieren? An der Beliebigkeit der Schreibweisen? Nehmen Sie sich mal Ihren eigenen Kommentar und ihre schwer zu durchschauenden Schachtelsätze und Ihre Semantik hier zu Herzen, dann verstehen Sie meine Bedenken. Seit über 130 Jahren haben wir in puncto Sprache mit dem Duden ein verlässliches Standardwerk und das wird heute und zukünftig in digitaler Form benötigt. Ich erwarte von einer Verlagsspitze, dass sie ihre Geschäftsentwicklung mit diesem Ziel verbinden kann. Tut sie aber nicht, da sie dieser Herausforderung auch nur ansatzweise nicht gewachsen ist. Was wir hier erleben ist eine unternehmerische Bankrotterklärung. Und Kritik daran darf erlaubt sein.

      • Mit Verlaub, hier geht es nicht um einfache Kritik, weil Manager Regeln nicht umsetzen. Wenn eine unfähige Führung nicht in der Lage ist, wie man eine Traditionsmarke für die Zukunft auf die Beine stellt, dann ist Kritik daran durchaus erlaubt. Eben dieses Management verharrt in der Vergangenheit und ist, milde gesagt, resistent gegen Veränderungen, die sich schon lange abzeichnen. Warum gelingt anderen Marken der Turnaround? Weil sie Perspektiven haben und den Mut, diese umzusetzen. Und das sichert nebenbei auch Arbeitsplätze. Wer aber das eigene Versagen auf andere schiebt (notfalls ist es der Markt) und nicht die notwendigen Schritte einleitet um den Duden dahin zu bringen, wo er seine einzige Überlebenschance hat, der sollte dies erkennen und das Geschäft in Hände legen, die von dieser Materie etwas verstehen. Die nachhaltige Entwicklung von Korrekturlösungen und die Spielregeln im B2B-Umfeld erfordern ein anderes Vorgehen und einen längeren Atem. Das alles hat man jahrelang „vor die Hunde“ gehen lassen und nicht erkannt, welch wichtiges Geschäft und welche Herausforderungen hier angegangen werden müsste. Daher sind die hier geäußerten Forderungen mehr als nachvollziehbar. Diese Verlagsspitze fährt den Laden komplett gegen die Wand. Wer ohne Not seine Software noch kostenlos auf seine Homepage stellt, darf sich nicht wundern, wenn er keine zahlenden Abnehmer findet. Ein amateurhafter Anfängerfehler! Wo, wenn nicht am Duden, wird sich eine digitalisierte Welt künftig orientieren, wenn es um Grammatik, Ausdruck, Formulierung und Wandel der Sprache geht? Wer diese Chance nicht erkennt und sein unternehmerisches Handeln danach ausrichtet, ist schlicht überfordert. Und deshalb schmerzt es umso mehr, dass der Duden, diese Sprachinstanz seit über 130 Jahren, seinen Weg in die Zukunft nicht finden kann, weil ein unfähiges (und hochbezahltes) Management nicht erkennt, was es da gerade zerstört.

  7. Wie soll eine Geschäftsführung, die von der digitalen Welt nicht den blassesten Schimmer hat, beurteilen, ob es dafür einen Markt gibt? Sie hat es ja nie richtig versucht und sich dem Trend der Digitalisierung konsequent (oder aus Unwissen?) verweigert. Selbstverständlich ist ein Markt für Korrektursoftware vorhanden. Um einen Markt zu erschließen, bedarf es unternehmerischer Weitsicht, Investition, Verständnis, Mut und Durchhaltevermögen. Eigenschaften, die man bei diesem Management vergeblich sucht. Die einzige „Leistung“ dieser Dilettanten ist das Zerschlagen einer Traditionsmarke und das Vernichten hunderter Arbeitsplätze von langjährigen und hochkompetenten Mitarbeitern. Bleibt also die Printausgabe das Medium der Zukunft? Ein Offenbarungseid, mit dem sich die Verlagsspitze selbst entlarvt. Nein, nicht der Markt ist das Problem …

  8. Eine lange Skandalgeschichte! Erst hat man das Lexikon gegen die Wand gefahren, wegen geballter Idiotie des Managements und nun soll wohl auch noch der Duden erwürgt werden – was in 200 Jahren aufgebaut wurde, macht eine kleine Gruppe von selbstverliebten Managern in 10 Jahren kaputt! Es wird Zeit daß DER deutsche Verlag verstaatlicht wird und die Produktion der Muß-Werke wieder aufgenommen wird. Eine Kulturnation ohne Brockhaus und Duden ist schlicht nicht denkbar. Hätte man den 24 Bändigen Brockhaus für 300 anstatt 2500 € verkauft, wären 1000 mal mehr Werke abgesetzt worden und hätte man den digitalen Großen Brockhaus für 30 € angeboten, würde es dem Verlag jetzt gut gehen!

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