Steht die digitale Revolution bevor?

Zwei Kräfte rütteln den englischsprachigen Buchmarkt durcheinander: Der an Bedeutung gewinnende Online-Handel mit gedruckten Büchern und die steigende Nachfrage nach E-Books. Die Folge: Immer mehr Buchhandlungen schließen. Doch auch in Deutschland stehen die Vorzeichen schlecht, analysiert der US-Unternehmensberater Mike Shatzkin den hiesigen Buchmarkt. Eine digitale Disruption bahne sich an.
Bisher galt der englischsprachige als der einzige Buchmarkt, bei dem die digitale Revolution so weit fortgeschritten ist, dass die Buchhandlungen reihenweise schließen müssen. Doch trotz der Buchpreisbindung werde Deutschland von den in den USA und in Großbritannien eingetroffenen Entwicklungen wahrscheinlich nicht verschont, meint Shatzkin.

Bei der Vorbereitung seiner Diskussion auf der Konferenz „Publishers Launch“ auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober hat er viele Indizien gesammelt, die darauf hindeuten, dass auch der deutsche Buchmarkt vor einer digitalen Wende stehe:

  • Immer mehr Buchhandlungen klagen über Umsatzrückgänge und müssen schließen.
  • „Amazon wächst wie Unkraut“ und dominiert den Online-Buchhandel: Nach buchreport-Berechnungen kontrolliert Amazon drei Viertel des Online-Buchhandels und 20% des Buchmarktes insgesamt.
  • Viele schätzen, dass die Online-Verkäufe von gedruckten Büchern 25% des deutschen Buchmarktes ausmachen.
  • Auch wenn der E-Book-Anteil insgesamt noch gering ist: Bei aktuellen Bestsellern und Frontlist-Titeln liegt er bereits bei 10 bis 20% (buchreport.de berichtete).
Damit seien alle Zutaten für eine Disruption beisammen, erklärt Shatzkin. Zwar könne man die Entwicklungen auf dem englischsprachigen Markt nicht eins zu eins auf den deutschen übertragen. Denn:
  • Die Preisbindung halte die Preise für gedruckte und digitale Bücher hoch (auch wenn die Selfpublisher und Amazon die Preise drücken).
  • Die genannten Entwicklungen treffen später ein – zu einem Zeitpunkt, an dem die Tablets bereits auf dem Markt und auch erschwinglich sind (als der Kindle in den USA herauskam, waren die multimedialen Geräte noch nicht auf dem Markt). 
Dennoch seien die Kräfte des digitalen Wandels stark und könnten sich letztlich durchsetzen, so Shatzkin.

Kommentare

2 Kommentare zu "Steht die digitale Revolution bevor?"

  1. Auch wenn ich es legitim finde, mit starken Worten auf Veränderungen oder auch “nur” eine Veranstaltung aufmerksam zu machen – ich frage mich (auch als vorgesehener Diskutant im Panel) die wievielte Disruption das jetzt wäre…
    Und Holger Ehlings Punkt aufgreifend fände ich es auch einmal ganz spannend, den Kollegen mit ihrem doch etwas US-zentrierten Weltblick darzustellen, dass es durchaus andere Sichtweisen und Marktsituationen gibt.

  2. Herr Shatzkin macht Werbung für seine Konferenz und käut die Zahlen wieder, die der Börsenverein im Juni präsentiert hat. “News”? Eher doch reklametechnisch aufgemotzte “Olds”, oder?
    Das “German Panel”, so sehr ich die Damen und Herren auch schätze, wird wenig sagen können, was für aufmerksame Marktbeobachter in Deutschland neu wäre.
    Der Rest der Konferenz – so jedenfalls die Erfahrung der Vergangenheit – bietet vor allem anglo-amerikanische Konferenztouristen, die den Eingeborenen erklären, wie man mit Messer und Gabel umzugehen hat.
    Das kostet dann 535 Euro für den Eintritt. Falls Sie mit dem Geld etwas anderes anfangen wollen, habe ich Ideen…

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