Phänomenaler Verlust

Eigentlich läuft derzeit alles gut bei Amazon. Die Aktie hat in diesem Monat mit fast 309 Dollar ein Rekord-Hoch erzielt (zum Vergleich: 2009 lag das Papier bei rund 50 Dollar). Apple wurde wegen konspirativer Preis-Erhöhung und -Bindung von E-Books verurteilt. Wären da nicht die Quartals-Zahlen, über die sich die Analysten einmal mehr wundern.

„Das ist schon phänomenal, dass ein Unternehmen mit fast 16 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust ausweisen kann“, zitiert das „Wall Street Journal“ einen Analysten. Erschwerend hinzu kommt: Amazon wies zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres Verluste aus (nach dem 3. Quartal 2012) – nach neun Jahren, in denen der Onliner stets oberhalb der Nulllinie blieb (unten ist ein 5-Jahres-Vergleich zu sehen)
Das Zahlenwerk für das 2. Quartal im Detail:
  • Der Umsatz liegt bei 15,7 Mrd Dollar, 22% über dem Vorjahreszeitraum.
  • Als Nettoverlust weist Amazon 7 Mio Dollar aus (Vorjahresquartal: +7 Mio Dollar). 
  • Operativer Gewinn: –26% auf 79 Mio Dollar.
  • Differenziert nach Absatzmärkten legt Amazon in Nordamerika deutlicher beim Umsatz zu (+30%) als international (+13%) – der deutsche Shop gehört zum „International“-Bereich von Amazon.
  • Außerhalb des Heimatmarktes verzeichnet Amazon sogar einen minimalen operativen Verlust.
  • Auch der regionale Vergleich der Warengruppen zeigt Unterschiede: In Nordamerika wächst das Medien-Geschäft (u.a. Bücher) von Amazon noch: +16% auf 2,2 Mrd Dollar. International ist es leicht rückläufig (–1% auf 2,2 Mrd Dollar). Amazon-Zahlen-Chef Tom Szkutak erklärte dazu, die meisten ausländischen Märkte seien erst „am Anfang der Konversion von Physisch zu Digital.
  • Dagegen wächst das Elektronik & Co-Geschäft (u.a. Computer, Spielwaren, Schuhe, Schmuck usw.) in beiden großen Amazon-Territorien: +31% (Nordamerika) bzw. 22% (International).       
In einer Pressemitteilung lobt Konzern-Chef Jeff Bezos (Foto) einmal mehr die Kindle-Familie. Im abgelaufenen Quartal seien Top-10-Artikel weltweit digitale Produkte gewesen: vom Kindle-Reader, Kindle-Tablet bis hin zu digitalen Inhalten.

AMZN Net Income Quarterly Chart

AMZN Net Income Quarterly data by YCharts

Kommentare

3 Kommentare zu "Phänomenaler Verlust"

  1. Da müsste man schon noch schauen, welche immensen Investitionen Amazon aus dem Cashflow tätigt, also ohne neue Kredite aufnehmen zu müssen. Wenn ich die Zahlen richtig interpretiere, bleiben da letztlich doch über 1 Mrd. Dollar hängen, nur geht das Geld sofort in die Marktausweitung. Zudem hatte AMZN Ende 2012 nur 3 Mrd. Dollar langfristige Verbindlichkeiten (hingegen 8 Mrd. Rücklagen auf dem Konto). So ruinös kann der Geschäftsaufbau also nicht sein, der dem Unternehmen für 2013 Umsätze von ca. 80 Mrd. Dollar beschert. Vergl. damit das kleinteilige E-Business-Konglomerat der Samwers, dass ständig bei seinen Investoren schneeballsystemartig neue Gelder locker machen muss, um überhaupt einmal auf ein gewisses Kampfgewicht zu kommen. AMZN ist quasi zu einem Bestandtteil der Netz-Infrastruktur geworden – für andere E-Businesses bleiben da immer nur Nischen, Zielgruppenangebote, Länderhoheiten oder Boutiquen-Geschäft. Insgesamt zeigt sich, dass das Netz den Aufbau von Monopolen beschleunigt, dass es im Gegensatz zur Ideologie, „im Netz brauchst du nur eine gute Idee“, Gewinner ganz klassich über Kapitaleinsatz produziert, und dass wir eventuell insgesamt in völlig kaputte Retail-Strukturen hineingeraten, mit denen verglichen die typische deutsche „Einkaufsmeile“ gerade zu vielfältig und kompetitiv gewirkt hat.

  2. Das gibt den FAZ Autoren Recht: Amazon führt einen aggressiven, kostenintensiven Krieg gegen die Buchbranche und jetzt sind die Nicht-Heimatmärkte dran. Hoffen wir, dass uns die Buchpreisbindung noch eine Weile erhalten bleibt, sonst dumpt Amazon sich auch in Deutschland auf noch höhere Marktanteile. Oder gehen vorher pleite. Schön wär’s – aber die Aktionäre machen diesen Kurs ja leider mit.

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