Showrooming ist wie eine Epidemie

In einer Studie hat die Booksellers Association (BA) ermittelt, dass fast zwei Drittel der Briten Bücher im Buchhandel anschauen, um sie dann günstiger im Netz zu kaufen. Im Interview erklärt Meryl Halls, wie die Sortimenter auf den Trend reagieren sollten.
Halls ist bei der Booksellers Association für Marketing und Mitgliederbetreuung zuständig. Sie hat die neue Verbraucherstudie des britischen Buchhändlerverbandes organisiert.
„Showrooming“ hat aus Buchhändlersicht das Zeug zum Unwort des Jahres. Überrascht es Sie, wie viele Käufer sich im Buchhandel informieren, um anschließend online zu bestellen?
Nein, auch wenn wir mit diesen hohen 63,5% nicht gerechnet hatten. Wir wussten aber von unseren Mitgliedern, dass Showrooming immer häufiger und ganz ungeniert praktiziert wird. Es handelt sich aber keineswegs um ein buchhandelsspezifisches Phänomen. Showrooming breitet sich in Großbritannien wie eine Epidemie überall im stationären Einzelhandel aus und wird zunehmend zu einem Problem. Die Studie hat uns endlich eine Zahl an die Hand gegeben, mit der wir unsere Lobbyarbeit auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene einen Gang hochschalten können. Die Botschaft, dass Online-Händler gegenüber dem klassischen Einzelhandel Vorteile haben, weil sie weder hohe Ladenmieten noch steigende Parkgebühren und Abgaben tangieren, muss endlich auf politischer Ebene ankommen, von der Gemeindeverwaltung bis zur Regierung.
Dass die Kunden den Buchhandel immer noch als erste Adresse sehen, um sich über neue Bücher zu informieren, ist gut für die Moral, bringt aber kein Geld in die Kasse. Was rät die BA ihren Mitgliedern?
Sie müssen die physische Buchhandelserfahrung zu einem besonderen Erlebnis gestalten. Die Liste an Ideen ist lang: Ein Café, um den Aufenthalt zu verlängern, Nonbook-Angebote, die das Buch ergänzen, Kundenbindungsprogramme, Veranstaltungen. Das extra bisschen Service und aktives Einbringen in die Nachbarschaft schafft loyale Kunden. Nur im Laden zu stehen und auf Käufer zu warten, reicht schon lange nicht mehr. Buchhändler müssen gezielt auf die Menschen zugehen und sich bemerkbar machen. Dann wird es auch viel mehr Beispiele von Kunden geben, von denen uns in letzter Zeit wiederholt berichtet wurde. Jene, die mit einer Bücherliste in den Laden kommen, die sie online abgefragt haben und dann explizit im Buchhandel bestellen.
Auch über die BA-Studie ist in den Medien weitläufig berichtet worden. Glauben Sie, dass  Schlagzeilen das Einkaufsverhalten von Konsumenten beeinflussen können?
Die Studie allein kann es gewiss nicht, aber sie und andere Aktivitäten geben dem Verband und den Buchhändlern mehr Autorität, wenn es zum Beispiel um das Thema Showrooming geht. Und mit jedem Gespräch verbessern sich die Chancen, dass Verbraucher beginnen, über den Status der High Street nachzudenken, dass es auch in ihrer Hand liegt, was aus dem Einzelhandel und den Einkaufsmöglichkeiten in ihrem Umfeld wird.
Im September läuft in Großbritannien die Branchenkampagne „Books Are My Bag“ an. Wie weit ist die Planung?
Der Startschuss fällt am 14. September, zum einen als Werbekampagne in der High Street mit den Einkaufstaschen in unübersehbarem Orange und parallel als PR-Event mit vielen Prominenten, die sich für den Buchhandel starkmachen. Mit diesem Mix dürfte „Books Are My Bags“ für reichlich Schlagzeilen in den Printmedien gut sein. Die Botschaft ist simpel, Bücher sind cool, und am besten kauft man sie im Buchhandel.

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