Bauschen Sie Piraterie auf, Herr Leonardy?

Piraterie sei ein Problem vor Somalia, sagt Sascha Lobo. Wird das Thema aufgebauscht?
Nein, der Bereich der Medienpiraterie ist auch im Buchsektor gespenstisch groß, wenn man sich allein anschaut, dass auf Download-Plattformen Tausende Bücher in Paketen heruntergeladen werden können. 
Sehen Sie Unterschiede zwischen den Medienbranchen?
Das Problem ist im E-Book-Bereich ähnlich gelagert wie in anderen Medienbereichen, wo Online-Vollsortimenter alles verramschen, was in eine Datei gepackt werden kann. Es gibt noch nicht so viele spezialisierte E-Book-Anbieter; das wird sich aber ändern. Es gab in der Vergangenheit schon mit library.nu einen Anbieter, der vom Netz genommen wurde, mit zivilrechtlichen Mitteln.
Warum setzen Sie auf strafrechtliche Verfolgung?
Ist der Täter bekannt, kann man ihm zivilrechtlich viel schneller das Handwerk legen. Weil sich die Betreiber oft aber verbergen, machen wir die Vorermittlungen, und Kripo sowie Staatsanwaltschaft übernehmen die weiteren Schritte. Das Urheberrecht wird bei der Justiz meistens depriorisiert. Wir haben auch deshalb ein anderes Standing als Anwaltskanzleien, weil wir für ganze Branchen tätig sind und nicht nur für einzelne Rechteinhaber. Und weil wir nicht darauf aus sind, Profite mit unserer Verfolgung der illegalen Anbieter zu erzielen, sondern als Non-Profit-Verein im Interesse der gesamten Kreativ-Branche arbeiten. 
Schadet Ihnen das schlechte Image der Abmahnanwälte?
Die Diskussion ist überhitzt und verkürzt. Es wird immer über die Anwälte debattiert, die losmarschierten, um sich selber die Taschen vollzumachen. Andererseits ist es doch legitim, dass sich die Rechteinhaber per Abmahnung wehren, und dabei geht es um die Frage des richtigen Maßes. In der Piraterieverfolgung gibt es komplementäre Ansätze, die alle wichtig sind. 
Haben Verlage bessere oder schlechtere Karten als andere Branchen?
Branchenpolitisch haben sie insofern eine bessere Ausgangsposition, als dass man ihnen nicht vorwerfen kann, dass sie nicht von Anfang an selbst attraktive Online-Angebote gemacht hätten. Das wurde der Musikindustrie traditionell vorgeworfen – „Napster hat es euch vorgemacht“. Die Bereitschaft der Politik, hier zu unterstützen, ist aber genauso schlecht wie in der Musikbranche. Es tut sich einfach nichts im Justizministerium, was man am Warnhinweismodell sehen kann, das wir mit dem Börsenverein fordern. Warnhinweise wären eine wesentliche Option, um den Druck aus der öffentlichen Debatte zu nehmen. Aber wir diskutieren seit fast fünf Jahren mit den Ministerien – und sind nicht weitergekommen.
Also hoffen Sie auf einen Regierungswechsel?
Auch mit einer anderen Koalition wird das Warnhinweismodell nicht kommen, weil es auch bei den übrigen Parteien nicht beliebt ist. Es wird von bestimmten Gruppen immer wieder der Irrtum befeuert, dass Datenpakete überwacht und allen in die Emails geschaut werden sollen. Angesichts dieser Orwell-Phantasie ist es schwierig, die Diskussion zu versachlichen.
Die Fragen stellte Daniel Lenz

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