Mehr Leser als jeder andere Verlag

Von London in die USA, weiter nach Kanada, Australien, Neuseeland und über Indien nach Deutschland – des Bonusmeilen-Jägers Traum ist des Jetlaggers Albtraum: Markus Dohle (Fotomontage: buchreport.de), CEO der in der vergangenen Woche offiziell an den Start geschobenen Verlagsgruppe Penguin Random House (PRH), wird in den kommenden drei Wochen bei den Belegschaften der zahlreichen Töchter für das Zusammengehen der Bertelsmann– und Pearson-Buchtöchter werben und einen gemeinsamen „Spirit“ beschwören. Und dabei seine Vision der „ersten global agierenden Publikumsverlagsgruppe“ beschreiben.

Im Interview, erstveröffentlicht im buchreport.express 27/2013, beschreibt Dohle die Chancen und Risiken der Allianz und erklärt den globalen Ansatz der Verbindung.
Auf dem vorläufigen Logo der Verlagsgruppe sind der Pinguin und das Random House noch voneinander getrennt. Wie finden die Firmenteile zueinander?  
Das Logo signalisiert eine ehrliche Partnerschaft zwischen zwei ganz tollen Marken, zwei Unternehmen, die in einer sehr guten Verfassung sind, dies ist ein proaktiver und kein defensiver Schritt. Wir werden uns jetzt die Zeit nehmen, um die Unternehmen noch tiefgehender zu analysieren – was wir wegen der kartellrechtlichen Prüfung bislang nicht konnten – und zusammenzuführen. Mir sind dabei zwei Devisen wichtig: Qualität geht vor Geschwindigkeit. Und: Kein Grund zur Eile. Die Kollegen sollen nicht dabei gestört werden, ein gutes Weihnachtsgeschäft vorzubereiten.
Was überwiegt bei der Fusion: Die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten?
Wir haben eine starke gemeinsame Basis und ähnliche Werte und somit gute Voraussetzungen, die Unternehmen erfolgreich zu verheiraten: Beide Unternehmen sind eine Art Community kleiner und mittlerer Verlage, die jetzt zu einer größeren Community zusammenwachsen. Beide Unternehmen stehen für Exzellenz und Qualität, was die Inhalte und Prozesse betrifft. Und beide Firmen stehen für Internationalität.
Werden am Ende der Fusion 250 Imprints und über 10000 Mitarbeiter bleiben?
Das Ziel ist, aus zwei plus zwei fünf und nicht drei zu machen. Wir wollen ganz dezidiert gemeinsam wachsen, und zwar sowohl in den Kernmärkten als auch den Wachstumsregionen. Auf keinen Fall sollen unsere kreativen Zellen konsolidiert werden, das würde ein Wachstum verhindern. Natürlich müssen wir uns mögliche Synergien anschauen, aber wie sich das bei der Mitarbeiterzahl niederschlägt, das kann ich heute noch nicht sagen.
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat das Prinzip der Dezentralität in Frage gestellt. Internetfirmen wie Facebook würden auch zentral geführt. Werden Sie auch umdenken müssen? 
Mir kommt es auf ein gutes Gleichgewicht von Zentralität und Dezentralität an, und das ist nicht neu für mich. Ich habe schon vorher die größte Publikumsverlagsgruppe gesteuert, bei der diese Aufgabe gleich aussah. Die 250 Imprints verfolgen die unternehmerische Aufgabe, Bestseller zu verlegen und für Vielfalt auf dem Markt zu sorgen. Wir werden versuchen, diese kreativen, dezentralen Zellen mit zentralen Systemen zu stärken.
In der Infrastruktur, bei IT, Warenlager und Abrechnungssystemen, gilt Penguin als eng angebunden an die Pearson-Mutter. Wie geht es da weiter?
Penguin ist tatsächlich stark in die Systemlandschaft von Pearson integriert. Das Ziel ist hier, die Penguin-Infrastruktur auf unsere Plattform zu holen, damit wir unsere Prozesse gemeinsam  steuern können. 
Sie charakterisieren PRH als erste global agierende Publikumsverlagsgruppe. Wo sehen Sie Chancen?
Die große Chance besteht darin, einerseits in lokalen Märkten wie Indien, China oder Lateinamerika deutlich zu wachsen. Andererseits wollen wir die internationale Distribution unserer spanischen und englischen Inhalte im physischen und digitalen Format ausweiten. Die großen E-Book-Anbieter wie Amazon, Google oder Apple rollen ihr Geschäft immer stärker international aus, was uns ermöglicht, mitzuwachsen, und das ohne ein großes Risiko einzugehen. 
Worin liegen dann die Risiken?
Die bestehen darin, dass wir die kurzfristigen Wachstumsimpulse für die Gruppe überschätzen könnten. Wir müssen eine Waage finden zwischen der digitalen Transformation in den Kernmärkten und dem Wachstum in den Schwellenländern. Das wird die große Kunst sein.
Sie haben in den vergangenen Jahren verstärkt Weltrechte zu Bestsellern eingekauft. Werden Sie dies mit PRH ausbauen?
Grundsätzlich gibt es im Buchgeschäft starke lokale Märkte, aber durch globales Marketing, Social Media und den Social Buzz, der um die Welt geht, sind globale Publishing-Phänomene heute zahlreicher als vor 20 Jahren. Hier findet eine Globalisierung durch Digitalisierung statt, auf die wir uns einstellen und deren Chancen wir verstärkt für unsere Autoren und Agenten nutzen  möchten. Sie möchten wir überzeugen, dass Penguin Random House sie mit mehr Lesern zusammenbringen kann als jeder andere Verlag.
Werden Sie stärker auch deutsche Autoren in die englischen Märkte bringen?
Durchaus. In den vergangenen Jahren haben wir bereits verstärkt Geschäfte unter den Verlagen eingefädelt, sei es mit der Verlagsgruppe Random House oder Random House Mondadori. Wir begrüßen es, wenn sich die Lektoren noch stärker miteinander austauschen.   

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