Beiboot droht zu kentern

Der Gesellschafter-Zoff beim Suhrkamp Verlag findet ein prominentes Opfer. Der Insel Verlag hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Nach Recherchen der „Berliner Morgenpost“ hat der Insel Verlag bereits am 3. Juni beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Insolvenzantrag gestellt und die Eigenverwaltung beantragt. Die für das Verfahren zuständige Richterin habe auf Anfrage erklärt, sie prüfe den Antrag und warte auf ein  Sachverständigengutachten.
Der Schritt kommt nicht überraschend, nachdem der Suhrkamp-Generalbevollmächtige Frank Kebekus Ende Mai, nach dem Antrag von Suhrkamp auf das Schutzschirmverfahren, gegenüber der „Wirtschaftswoche“ erklärt hatte: „Ich kann mir vorstellen, dass wir noch das ein oder andere zusätzliche Insolvenzverfahren einleiten müssen.“ 
Zwischen den Unternehmen unter dem Suhrkamp-Dach (Insel-Verlag, Deutscher Klassiker Verlag, Jüdischer Verlag und Verlag der Weltreligionen) gebe es enge wirtschaftliche Verflechtungen. Kebekus versicherte damals: „Aber die Suhrkamp-Beiboote werden sicherlich nicht untergehen.“
Aus Sicht der „Berliner Morgenpost“ ist die Entwicklung beim Insel Verlag dennoch ein „höchst dramatischer Vorgang und eine historische Zäsur“ – hier gehe es um den „ureigensten Kern deutscher Literaturgeschichte“. Das Blatt verweist außerdem auf ein Interview mit Ulla Unseld-Berkéwicz, die noch im Januar in der „Zeit“ nicht nur versichert habe, dass Suhrkamp „praktisch schuldenfrei“ sei, sondern auch, dass der Insel Verlag zweistellige Zuwachsraten verzeichne.
Warum also die Insolvenz? Insel sei zwar formal eigenständig, de facto aber immer nur ein Suhrkamp-Anhängsel, ohne eigene Mitarbeiter oder Rücklagen, gewesen. Und jetzt habe Suhrkamp kurzfristig kurzfristig eine Forderung von 1,8 Mio Euro erhoben, die von der Tochter nicht beglichen werden könne.

Am selben Tag, an dem die „Morgenpost“ die Nachricht zum Insolvenzantrag bei Insel veröffentlichte, wurde der „Suhrkamp Tag“ begangen. Einige Buchhändler folgten dem Aufruf der Berliner Buchbox, am 1. Juli die „Eigenständigkeit und Leidenschaft“ des Verlages zu feiern, und zeigten sich mit eigens dafür dekorierten Schaufenstern (das Foto zeigt die Buchhandlung am Rathaus in Hagen) solidarisch.

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