Durch die Metadatenbank droht eine Monopolstruktur

Mit der Metadatenbank tritt die MVB erneut in Konkurrenz zu Mitgliedsunternehmen. Zum Ärger der Zwischenbuchhändler: „Der Bogen ist ziemlich gespannt und droht zu brechen“, erklärt KNV-Chef Oliver Voerster (Foto) im Interview mit buchreport. Die Börsenvereins-Wirtschaftstochter sollte sich auf ihre Dienstleisterfunktion besinnen – statt zu versuchen, die gesamte Branche von ihr abhängig zu machen. 

© Sabine Felber / Literaturtest

Wie stehen Sie zum Metadatenbank-Projekt der MVB? 
Generell ist eine Verbesserung der Daten sinnvoll. Jedoch sollte die MVB als Tochter unseres Berufsverbandes darauf achten, dass man nicht den Wettbewerb zu einigen Mitgliedsunternehmen weiter verschärft und ausweitet. Immer mehr Unternehmen, von groß bis klein, sehen das immer kritischer. Hier ist in einigen Fällen der Bogen ziemlich gespannt und droht zu brechen. 
Wenn die MVB mit der Metadatenbank versucht, eine zentrale Datenbank aufzubauen, die alle nutzen sollen, würde die ganze Branche in die Abhängigkeit einer Monopolstruktur geraten. Heute haben wir zumindest drei Alternativen, die meistgenutzten beiden Datenbanken der großen Barsortimente und das VLB. 
Statt auf den Aufbau einer zentralen Datenbank sollte die MVB sich darauf fokussieren, die Datenqualität der Titel endlich zu verbessern, die von den Barsortimenten nicht geführt werden und hier mit den Datenlieferanten eine bessere und engere Zusammenarbeit absichern. Auch der Aufbau einer Rezensionsdatenbank, die von allen Buchhändlern gespeist wird, ist interessant. 
Auf jeden Fall wäre es sinnvoll, alle Informationen und Datentöpfe den im Buchhandel etablierten Systemen zur Verfügung zu stellen und dort die Daten passend einzubinden. Die Funktion des Berufsverbandes sollte in einer Dienstleistungsfunktion liegen und nicht in einer Wettbewerbsfunktion mit Monopolcharakter durch eine zentrale Datenbank.
Was müsste passieren, damit Sie Ihre Daten an die MVB liefern?
Das hängt ganz davon ab, wie sich die MVB weiter positioniert. Wenn die MVB eine passende Rolle als Dienstleister einhält, können wir uns eine enge Kooperation vorstellen. Wenn die MVB aber versucht, uns in eine Abhängigkeit einer zentralen Datenbank zu zwingen, wird eine enge Zusammenarbeit schwer möglich sein. 
Unsere gesamten Umsätze hängen von einer reibungslos funktionierenden Datenbank ab, die damit zu unserem Kerngeschäft gehört. Wir können es uns, wie viele andere Unternehmen, nicht leisten, uns in die Abhängigkeit eines Berufsverbandes und einer Monopolstruktur zu begeben.  
Unterschätzt die MVB die Kosten des Projekts? Welche Kosten sind Ihrer Meinung nach realistisch? 
Das hängt stark davon ab, was man machen und verbessern will. Die von Ronald Schild vorgestellten Ziele sind sehr umfangreich und werden sehr hohe Kosten erzeugen, die in der bisherigen Haushaltsplanung des Börsenvereins und der Wirtschaftstöchter nicht entsprechend eingeplant sind. Mit der Beitragserhöhung von 3% über 3 Jahre hat man sich hier aber Luft verschafft, von der die meisten Mitgliedsunternehmen nur träumen können.
Hat die MVB die notwendige technische Kompetenz? 
Die heutige Kompetenz ist nicht ausreichend und müsste ausgebaut werden. Hier müssen die Systeme weiterentwickelt, zugekauft und Personal deutlich aufgestockt werden. Eine konkrete Planung der Aufwände kann hierzu noch nicht vorliegen, da die Ziele und Aufgaben noch nicht endgültig definiert und verabschiedet sind. 
Das Thema elektronische Verlagsvorschau hat je auch bei Sortimentern und Verlegern zu Diskussionen und Ablehnung geführt, da hier schon Systeme bestehen und für eine solche Entwicklung der Auftrag fehlt. Es ist inzwischen schon auffällig, dass sich die Dynamik der MVB immer wieder über den eigentlichen Auftrag der Ausschüsse und des Vorstands hinaus entwickelt und damit zu Irritationen führt.
Wären Sie dafür, das Projekt auszuschreiben? 
Eine Ausschreibung halte ich nicht für notwendig. Sinnvoll wäre aber eine sinnvolle Aufgabenteilung und Abstimmung mit Mitgliedsunternehmen, um zu vermeiden, dass unnötig doppelt gearbeitet wird und das Konkurrenzverhältnis weiter verschärft wird.
Die Fragen stellte Lucy Mindnich

Eine ausführliche Analyse zur Metadatenbank finden Sie im aktuellen buchreport.express 26/2013 (hier zu bestellen)

Kommentare

4 Kommentare zu "Durch die Metadatenbank droht eine Monopolstruktur"

  1. Manuel Bonik | 1. Juli 2013 um 0:42 | Antworten

    Die MVB wird da einmal mehr eine Riesen- (= teure, sinnlose) Nummer daraus machen, obwohl die Aufgabenstellung relativ trivial ist (ja!). Ich verstehe, dass die deutsche Buchbranche darauf steht, von durchgedrehten Amateuren und technischen Totalversagern verkohlt zu werden, befindet sich halt in Dekadenz. Oje!

    Mitleid haben wir da nicht im Angebot. Aber 50 Prozent günstiger schon.

    KNV: Um es mit Frank Zappa zu sagen: „Jazz is not dead, it only smells funny.“

  2. Burkhard Schirdewahn | 29. Juni 2013 um 1:25 | Antworten

    In welcher Weinstube Oliver Voerster zur Dichtkunst gefunden hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben: „Generell ist eine Verbesserung der Daten sinnvoll.“

    Wer hätte das gedacht. Aber statt im eigenen Laden die sich seit rund 10 Jahren stetig verschlechternde Daten-Qualität für Buchhändler (Online-Daten für die WWS; Daten für die KNV-white-label-shops) und für Endverbraucher (Nutzer von buchkatalog.de) zu verbessern, wird die sinnvolle Verbands-Initiative „Metadatenbank“ zum Konkurrenz-Popanz aufgeblasen und schwäbisch bekämpft.-

    KNV ist Online schon längst zur Konkurrenz der ehemaligen Handelspartner geworden: als Sortimenter freue ich mich deshalb über die Initiative, das VLB+ zu verbessern & zur guten Datenbasis für alle Marktteilnehmer zu machen.-

  3. Oh ja, die neue Metadatenbank könnte sehr wohl die Abhängigkeit der Händler von den Barsortimentern verringern.

    Eine tagesaktuelle Referenzmetadatenbank mit angereicherten Titeldaten gibt es aber nicht kostenlos, Metadaten sind ihren Preis wert, ‚unverfälschte Daten‘ sind eine Illusion: die Verlage und Autoren sollten ihre, ‚die richtigen Titeldaten‘ kennen, melden Sie dann aber nicht. Beispiele für fehlerhafte, unvollständige Titeldaten gibt es ohne Ende, tagesaktuell unter http://www.buchhandel.de

    Hilfestellungen durch Schulung der Verlage scheint die Idee zu sein.

  4. Was durch eine Metadatenbank tatsächlich „drohen“ könnte, ist der Verlust eines Geschäftsmodells für wenige Branchenteilnehmer (Barsortimente und VlB) und der Zugang zu erstklassigem und kostenlosem Datenmaterial für viele Branchenteilnehmer (Händler).

    Wie sieht es denn heute aus? Ein Verlag bemüht sich, die besten und verkaufsrelevantesten Metadaten zusammenzustellen und meldet diese per ONIX an das VlB, die Barsortimente, Amazon, etc…

    Das VlB kassiert vom Verlag für die Annahme der Daten eine erkleckliche Summe und kassiert später vom Handel erneut für diese Daten. Auch die Barsortimente lassen sich die Verlagsdaten vom Handel bezahlen. Als Begründung für dieses Geschäftsmodell wird angeführt, die Verlagsdaten würden „angereichert“ und „veredelt“. Unterm Strich kursieren dann verschiedene „Dialekte“ einer Titelmeldung durch die Branche, wo doch die ursprüngliche Verlagsmeldung so eindeutig war.

    Eine Metadatenbank für die Branche sollte unverfälschte Daten sammeln. Nur Verlag oder Autor selbst kennen die richtigen Metadaten zu einem Titel. Wer seinen Titel verkaufen möchte, hat ein ursächliches Interesse daran, die besten Daten mitzuliefern.

    Eine Metadatenbank sollte ein Sammelbecken sein, bei dem das Befüllen (durch Verlage) und Entnehmen (durch Händler) kostenlos ist.

    Eine Metadatenbank braucht keine zusätzlich einzustellenden „Redakteure“ – weder bei den Barsortimenten noch bei der MVB.

    Eine Metadatenbank braucht einen neutralen Server-Speicherplatz und Hilfestellungen für die datenliefernden Verlage/Autoren – hier ist die MVB ganz klar gefragt als Branchendienstleister.

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