Auf dem Rücken der Autoren?

Seit Jahren drängen Agenten wie Robert Gottlieb (Trident Media, USA) die Verlage, höhere E-Book-Tantiemen an die Autoren auszuzahlen. Und drohen angesichts der wachsenden Marktmacht insbesondere von Amazon damit, direkte Deals mit den Onlinern abzuschließen. In Großbritannien hat HaperCollins mit einer Präsentation vor Investoren Öl ins Feuer der Debatte gegossen. 

Demnach verdienen Verlage, anders als bisher behauptet, an E-Books sogar mehr als an Hardcover-Ausgaben – ganz im Gegensatz zu den Autoren. Die am Beispiel eines neu erschienenen Frontlist-Titels vorgelegten Zahlen (aufgegriffen von „Publishers Lunch“): 

  • An einer für 27,99 Dollar angebotenen Hardcover-Ausgabe verdient der Verlag 5,67 Dollar. An den Autor werden 4,20 Dollar ausgeschüttet.
  • Bei einem für 14,99 Dollar angebotenen E-Book bleiben für den Verlag unterm Strich 7,87 Dollar, für der Autor nur 2,62 Dollar.
  • Bei der digitalen Ausgabe verdient der Verlag also 2,20 Dollar mehr, der Autor dagegen bekommt 1,58 Dollar weniger. Hintergrund: Von einer Hardcover-Ausgabe erhält der Autor 30% der Verlagseinnahmen, von einem E-Book nur 25%. Auch in Deutschland erhalten Autoren oft 25% der E-Book-Umsätze. 

Berücksichtigt werden muss allerdings, dass die stark vereinfachte Kalkulation vor Investoren abgehalten wurde, um den Eindruck erwecken, dass HarperCollins für eine digitale Zukunft gut gerüstet sei und wachsende Profite vorlegen könne. Folgende Faktoren blieben in der Rechnung unberücksichtigt: 
  • HarperCollins ordnet Kosten wie Vorschuss, Satz, Design und Proof für ein Buch – wie die meisten Verlage – der gedruckten Ausgabe zu, da auf diese ein Großteil der Umsätze entfällt. Das E-Book wird also als Bonus ohne Zusatzkosten betrachtet. Würde man die wahren Kosten berücksichtigen, sähe die Rechnung ganz anders aus, merkt ein Leser im „Bookseller“-Blog „Futurebook an.
  • In Ländern, wo höhere Steuern für E-Books gelten, müssten auch diese mit eingerechnet werden, heißt es im „Bookseller“. In Deutschland gilt für E-Books der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19%, für gedruckte Bücher dagegen nur 7%. 
  • Die Kalkulation kann nicht auf günstigere Paperback- oder Taschenbuch-Originalausgaben übertragen werden. 
Autoren und Agenten drohen mit der Selfpublishing-Option
Bei allen Unschärfen: Autoren und Agenten reagierten empört. Diese Zahlen veranschaulichten sehr deutlich, dass die niedrigen Herstellungskosten der Digitalausgaben, anders als von Verlagen behauptet, den geringeren E-Book-Preis nicht nur ausgleichen, kritisiert der Agent Brian DeFiore. Weil sie das Geld von den Autoren abzweigten, verdienten Verlage an digitalen Ausgaben sogar mehr. 

Selbst wenn Verlage den Autoren für E-Books dieselben Tantiemen zahlen würden wie für Hardcover-Ausgaben, würden sie immer noch 6,28 Dollar und damit 60 Dollar-Cent mehr verdienen, so DeFiore weiter. 

Eine gefährliche Strategie der Verlage, verweist Autor Nick Harkaway warnend auf die Selfpublishing-Optionen der Autoren. Mit ihren „unfairen Konditionen“ würden die Verlage sicherlich einige Autoren dazu treiben, ihre E-Books auf eigene Faust herauszubringen – zum Schaden der Verlage.

Es sei an der Zeit, die E-Book-Tantiemen für Autoren angemessen zu gestalten, fordert Harkaway. Denn: „Ein Stück vom Kuchen des Autors zu nehmen, ist weder eine langfristige Antwort noch eine akzeptable.“

Kommentare

5 Kommentare zu "Auf dem Rücken der Autoren?"

  1. Alexander Nastasi | 2. August 2013 um 8:12 | Antworten

    Beim E-Book muss einfließen das es nicht hergestellt wird (kein Drucken, kein Versand, keine Lagerung) daher müssen E-Books auch deutlich günstiger werden. Ein guter Kompromiss wäre doch (bei gleichen Preis) die identische Provision für Geduckt / Ebook dem Autoren auszuzahlen. So hätte er Marketing und Gewinn.

    Alexander Nastasi
    Heidelberger Autor
    http://www.alexandernastasi.de

  2. Heinold senior | 3. Juli 2013 um 9:57 | Antworten

    Das Rätselraten um die Kalkulation von E-Books ist rasch beendet,
    wenn man eine klassische Deckungsbeitragsrechnung erstellt und die Positionen für gedruckte und für digitale Bücher miteinander vergleicht. Die E-Book-Expertin Nina Kreutzfeldt und ich haben das getan. Das Ergebnis veröffentichen wir in der Fachzeitschrift für Autorinnen und Autoren „Federwelt“ im Uschtrin Verlag München in der Ausgabe 101, die Anfang August 2013 erscheint.

    Wolfgang Ehrhardt Heinold, Ex-Berater und Fachautor für das Verlagswesen

  3. Die Berechnung ist reines Marketing für Investoren und hat mit der Wirklichkeit NICHTS zu tun. Herstellkosten = 0 und weglassen von Marketing und Distribution? Kann gar nicht passen. Auch das komplette Umlegen aller Kosten auf die Print-Ausgabe(n) … . Die Tantiemen sind völlig überzogen – 25% (oder gar 30) vom Print bekommen die allerwenigsten Bestseller-Autoren, jeder normale Autor sitzt doch zwischen 6 und 15%. Im eBook geht es auch für „normale“ Autoren auf 25% und das ist dann eine echte Steigerung – die aber auch schon so bezahlt wird.
    Da hat HarperCollins niemandem einen Gefallen mit dieser Verzerrung getan.

  4. Thorsten Nesch | 27. Juni 2013 um 7:25 | Antworten

    so gerne ich für höhere honorare im ebook bereich bin, diese kalkulation kann kaum als solche bezeichnet werden.
    die herstellungskosten sind beim buch viel zu niedrig und beim ebook sogar 0. der kostenpunkt werbung wurde gar nicht angesetzt!
    der hinweis, bei welcher auflage oder verkaufte posten, diese … uhm … zahlensammlung gilt, wäre hilfreich gewesen. (ein bestseller kann es ja nicht sein bei 0 werbung)

  5. Holger Ehling | 26. Juni 2013 um 14:12 | Antworten

    Wie schon im Beitrag angesprochen, ist die Kalkulation von HarperCollins zutiefst unseriös. Der Posten „Manufacturing Costs“ wird mit 0 angesetzt – das ist natürlich Quatsch. Zudem ist die Aussage, dass Autoren beim Hardcover 30 Prozent des Verlagserlöses (=12-15% Ladenpreis) kassieren, ziemlich abwegig – auch in den USA sind die Honorarsätze im Schnitt auf dem Niveau wie bei uns, was in etwa 15-20 Prozent des Verlagserlöses (=7-10% Ladenpreis) entsprechen würde.
    Richtig ist aber, dass Verlage ihre Leistungen für Autoren seit Jahren beständig zurückschrauben; unterhalb der Bestseller-Ebene besteht da inzwischen deutlicher Rechtfertigungsbedarf.

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