Indies machen gegen Amazon-Affiliates mobil

Vor Monaten wurde hierzulande (besonders auf Facebook) darüber diskutiert, dass Verlage ihre Leser von der Webseite direkt zu Amazon schicken. In Großbritannien stehen jetzt Autoren aus demselben Grund unter Rechtfertigungsdruck. Vorwurf: Der Buchhandel werde dadurch geschwächt.
Wie der „Bookseller“ berichtet, hatte sich der Buchhändler Keith Smith (Warwick & Kenilworth Bookshops) in einem Gastkommentar darüber beschwert, dass Autoren wie Joanne Harris, Hugh Fearnley-Whittingstall, Alison Weir und Julia Donaldson von ihrer Webseite direkt zu Amazon verlinken; Kate Morton, Ian Rankin, Tom Holland und Patrick Ness verwiesen zu Amazon und stationären Buchketten. „Als jemand, der zwei unabhängige Buchläden besitzt, ärgere ich mich über solche Autoren, die unabsichtlich oder mit Absicht, Amazon, WH Smith oder Waterstones unterstützen und denen der unabhängige Buchhandel total egal ist. Viele davon würden gleichzeitig sagen, dass sie sich ein Leben ohne den lokalen Buchhändler nicht vorstellen könnten. Aber aus Worten müssen Taten werden, wenn sie einen Unterschied machen sollen“, zitiert der „Bookseller“ den Sortimenter.
Die Reaktionen der vom „Bookseller“ angesprochenen Autoren und Verlage sind unterschiedlich. Während auf der Webseite von Ian Rankin künftig auch die unabhängigen Buchhändler zu finden sein sollen, verteidigt Alison Weir ihre Amazon- und Filialisten-Links: Die Verlage setzten nun einmal große Mengen über Amazon, WH Smith, Waterstones und die Supermärkte ab, während Amazon Affiliate-Erlöse an die Autoren zahlen. „Autoren müssen über die Runden kommen, und Amazon sorgt für einen großen Teil der Umsätze, was den unabhängigen Buchhändlern traurigerweise nicht gelingt.“ Gleichwohl sei sie bereit, weitere Verlinkungen zu Indies aufzunehmen. Weir spricht sich außerdem für einen faireren Wettbewerb aus, der durch eine größere Steuerlast für Amazon entstehen solle.

Der Buchhändler Keith Smith attackiert nicht zum ersten Mal Amazon. Im Frühjahr reichte der 63-Jährige eine Petition ein, nach der Amazon Gewerbesteuern in Großbritannien zahlen solle. Mit Erfolg: Smith trug eine Box mit 150.000 Unterschriften (Foto) zur Downing Street 10,  zum Sitz des Premierministers.

Kommentare

7 Kommentare zu "Indies machen gegen Amazon-Affiliates mobil"

  1. Patricia Koelle | 26. Juni 2013 um 15:54 | Antworten

    Ich bin Autorin, seit Jahren bei einem Kleinverlag. Ich verlinke zum Verlag oder zu Amazon, aber niemals zu einer Buchhandlung. Warum? Weil Buchhandlungen auf Anfragen und Angebote von unbekannten Autoren bei Kleinverlagen noch nicht einmal eine höfliche Absage schicken sondern erst gar nicht antworten.

  2. Leider gibt es für Erotik, außer für 3-4 Autorinnen, keine unabhängige Kette, die meine Bücher regelmäßig anbietet. Dann kommt hinzu, dass ich nicht nur regional verkaufen möchte, sondern deutschlandweit. Ergo: Amazon.
    Aveleen Avide

  3. Natürlich kann man die Buchhändler verstehen. Die Autoren allerdings auch: Sie möchten, dass ihre Bücher gekauft werden. Sie haben im großen Datenstrom für einen Moment die Aufmerksamkeit eines Menschen erreicht und wollen diese in einen Kauf umsetzen; sie möchten die Spontankäufer fangen. Und dazu gehört ein Link zu einem Shop, damit mit zwei Klicks (wenn der Kunde dort bereits einen Account hat, was umso wahrscheinlicher ist, je größer der Anbieter ist) gekauft werden kann.

    Da das Internet nun einmal keine lokale Angelegenheit ist und die Besucher einer Seite sonstwo sitzen können, kann kein lokaler Shop einfach verlinkt werden (maximal ein nationaler, also amazon.co.uk, amazon.de usw.).

    Damit der lokale Buchhandel so erreich werden kann, müsste die Seite des Autoren ermitteln, wo der Seitenbesucher sich befindet und welche die nächsterreichbaren lokalen Buchläden mit Internetshop sind. Ersteres bedeutete Ausschnüffeln des Seitenbesuchers, worüber dieser vielleicht nicht so erfreut ist. Letzteres bedeutete für den Autoren erheblichen Aufwand beim Posten (kein simpler Link) und den Zugang zu einer Datenbank mit lokalen Buchhändlern.

    Und dann müsste es auch noch den Bruchteil des Verkaufspreises geben, wie er bei Amazons Affiliate Link herausspringt. Das müsste auf der Seite des kleinen Buchhändlers implementiert sein, und der müsste auch eine Software haben, die automatisch in regelmäßigen Zeitabständen diese minimalen Gewinne an die Autoren ausschüttet. Das alles natürlich zu einem Preis, den auch jeder Kleinbetrieb stemmen kann.

    Schwierig, wenn nicht unmöglich. Oder jedenfalls nicht, solange das nicht von einem Dachverband der Buchhändler umgesetzt wird.

    • Im Gegenteil: sogar sehr einfach, wenn sich ein zentraler Anbieter dessen annimmt. Im Moment könnte ich auf ebook.de und Co nur via Affiliwelt verlinken und das ist so umständlich, dass es an Masochismus grenzt. Eine einfache Linkgenerierung mit der Möglichkeit, verkaufte Bücher einem bestimmten Buchhändler gutschreiben zu lassen und eine zentrale Gutschrift an den Verlinkenden ist weder schwierig noch unmöglich. Es gibt Plattformen, die bieten so etwas schon an, es müsste das Rad also nicht neu erfunden, sondern nur ein wenig angepasst werden. ich habe allerdings den Eindruck, als seien der Buchhandelsbranche und dem Börsenverein die potentiellen Links von Autoren und Bloggern völlig egal (Anfragen zur Schaffung einfacherer und besserer Affiliate-Link-Möglichkeiten wurden mir sinngemäß mit „uns egal!“ beantwortet). Solange das so bleibt habe ich erstens kein Mitleid und verlinke zweitens weiterhin zu Amazon. Ich hab’s versucht. Ehrlich.

      • Jörg Hopfgarten | 25. Juni 2013 um 11:52 | Antworten

        Die Erfahrungen mit dem Versuch, Affiliate-Links zumindest zu anderen Ketten zu erstellen habe ich vor drei Jahren auch gemacht. Von kleineren Sortimentern ganz zu schweigen. Seitdem steht bei mir, wenn ich mal ein Buch im Blog habe, sinngemäß: „Kauft beim Buchhändler eures Vertrauens oder wenn es unbedingt sein muss auch bei amazon [LINK]“. Sehr frustrierend, zumal ich die Links auch nicht primär für’s Geldverdienen setze – ich habe in drei Jahren noch keine Auszahlung bekommen – sondern als Service für Leser und Verlage. Aber zu sagen „Macht es halt ganz ohne Affiliate“ finde ich gegenüber den Bloggern arrogant..

      • Das habe ich doch gemeint mit „Dachverband“: Es kann kein Einzelkämpfer hinbekommen, weder auf der Seite der Buchhändler noch auf der der Autoren.

        Jemand muss das zentral in die Hand nehmen, damit es für alle Seiten ganz einfach umzusetzen und bezahlbar ist. Wenn Buchhandelsbranche und Börsenverein sich dafür, wie Sie schreiben, nicht interessieren, dann halt ein privater Anbieter. Und wenn der nicht, dann wird es halt der Anbieter mit dem großen A bleiben.

        • Amazon hat es halt in die Hand genommen und fertig. Die deutsche Buchbranche ist da halt ein wenig langsamer…

          Gut Ding muss Weile haben 🙂

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