Ketten für den Zerstörer

Aurélie Filippetti setzt ihren Feldzug gegen Amazon fort. Die französische Kulturministerin will den Online-Shop gesetzlich daran hindern, Bücher-Käufern sowohl den erlaubten 5%-Rabatt als auch eine kostenlose Belieferung anzubieten. 
„Wir brauchen ein Gesetz, also werden wir ein Fenster in der Gesetzgebung suchen, um eines einzuführen“, zitiert Reuters aus einem Interview der Ministerin mit BFM News Television.
Filipetti hatte zuletzt Anfang Juni bei einem Buchhändler-Treffen in Bordeaux gegen den Online-Marktführer Amazon gewettert, der die nationalen Buchläden zerstöre: „Jeder von uns hat genug von den Amazon-Praktiken, den Markt mit Dumping-Preisen zu unterwandern, um sie wieder anzuheben, wenn es eine Quasi-Monopolstellung gibt“. 
Im Handel dürfte Filipettis Vorstoß gut ankommen. Reuters zitiert einen Sprecher des Sortimenter-Verbands SLF, der vermutet, dass die Kombination aus 5% Rabatt und portofreie Lieferung dazu führt, dass Amazon die Bücher mit einem Verlust verkauft – dies sei unmöglich für einen traditionellen Buchhändler, welcher Größe auch immer.
Auch Christine de Mazières, Generalsekretärin des französischen Verlegerverbands SNE, hatte sich zuletzt im Interview mit buchreport kritisch zu Amazon geäußert: „Wir glauben, dass es dem Markt schadet, wenn ein Händler zu dominant wird, und das ist bei Amazon der Fall. Zudem respektiert das Unternehmen die Spielregeln nicht: Es umgeht beispielsweise mit seinem Gebrauchtbuchgeschäft die Preisbindung. Wir spüren eine deutliche Aggressivität vonseiten des Online-Riesen, der keine Verlage und keine Händler mehr zu brauchen glaubt. Daher müssen wir versuchen, diese Marktmacht im Rahmen zu halten – aus wirtschaftlichen, aber auch aus kulturellen Gründen, um die editorische Vielfalt du erhalten.“

Kommentare

4 Kommentare zu "Ketten für den Zerstörer"

  1. Petra van Cronenburg | 24. Juni 2013 um 18:33 | Antworten

    Hoffentlich vergisst die Ministerin dann nicht, auch der FNAC die Rabatte und kostenlosen Lieferungen untersagen, denn Ketten wie die FNAC waren es lange vor Amazon, die zuerst den unabhängigen Buchhandel zerstörten. So weit zerstörten, dass der Staat fördernd mit einem eigenen Subventionsprogramm einschritt: Ein Qualitätslabel, Werbeverbund und Steuererleichterungen für die Buchhändler – was hat’s geholfen?
    Da war auch einmal diese Idee, Amazon mit einer eigenen nationalen Plattform namens 1001libraires Konkurrenz zu bieten. Groß war das international platzierte Werbegetöse: Elektronisches Verkaufen auch für den kleinsten unabhängigen Buchhändler, angeblich so bequem wie bei Amazon.
    Hochsubventioniert! Und dann: Steuergelder und die Einlagen von Buchhändlern voll in den Sand gesetzt. Denn die Plattform funktionierte von Anfang an nicht wirklich und verschwand ebenso schnell, wie sie kam, heimlich still und leise. Man stelle sich vor, Amazon würde sich so etwas leisten, was für ein Aufschrei!
    So viele Möglichkeiten, so viele Chancen in Frankreich vertan. Und jetzt sind Land und Bevölkerung so pleite, dass Bücher im Land – ohnehin sehr viel teurer als in anderen Ländern – kaum noch zu bezahlen sind. Ob das wirklich ein Gesetz alles rausreißen kann, was seit Jahren falsch läuft? In einem Land, in dem Amazon noch nicht einmal die Marktmacht hat wie anderswo?

    • fuereinebuchkultur | 25. Juni 2013 um 11:45 | Antworten

      ich kenne Petra von Cronenberg nicht, und ich will ihr nicht unterstellen, dass sie für Amazon Partei ergreift, aber sehn wir das doch einmal nüchtern. Der Erfolg von Amazon im Bereich Buch resultiert letztlich aus Rabatten und der kostenlosen Lieferung von Büchern. Irgendwer muss diese Lieferung aber bezahlen. Amazon tut es jedenfalls nicht. Auf diese Weise schadet Amazon dem Handel (was das Ziel ist), baut ein Monopol auf und wird dann (wie das üblicherweise so ist) die Preise erhöhen. Es ist deshalb zu begrüßen, wenn die französische Regierung nach gesetzlichen Möglichkeiten sucht, um gegen solche monopolistischen Praktiken vorzugehen. Leider schaut unsere Bundesregierung da einfach zu, wie eine ganze Branche den Bach runtergeht. Wenn dann auch noch Google alle Bücher digital (raubkopiert) einstellt, ist es auch vorbei mit den Autoren. Dann gibt es keine Verlage und keine Autoren mehr, es sei denn sie arbeiten dann für einen Hungerlohn direkt für Amazon oder Google

      • Petra van Cronenburg | 25. Juni 2013 um 12:30 | Antworten

        Die Frau van (mit a) Cronenburg (mit u) ist eine in Frankreich lebende Buchschaffende, die ein wenig die Verhältnisse dort kennt und im Buchreport auch schon über 1001libraires berichtet hatte. 😉
        Verhältnisse etwa, dass auch die FNAC – und nicht nur die – diese Rabatte an Kunden gibt und kostenlos liefert. Übrigens sind diese Rabatte, mit denen man so ein ganz klein bißchen an der Buchpreisbindung kratzen kann, erst vom französischen Staat erlaubt worden, weil Bücher in Frankreich extrem teuer sind. Wäre es nicht viel konsequenter, die Rabattmarge allgemein abzuschaffen? Die den unabhängigen Buchhändlern schon zu schaffen machte, als es Amazon im Land noch gar nicht gab?

        Mein Problem ist, dass man jetzt Amazon zu einem willkommenen und passenden Buhmann aufbaut, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Von den eigenen Versäumnissen. Frankreichs Probleme (sicher nicht parallel mit Deutschland zu vergleichen) liegen tiefer, sind älter. Und hätte man nicht mit diesem Kamikaze-Unternehmen der 1001libraires Gelder des unabhängigen Buchhandels lustig verpulvert, ginge es diesem durchaus ein Stück besser. Aber da hatte man die Buchhändler auch heiß gemacht, es diene ja nur dem Kampf gegen Amazon! Wie freudig haben sie da bezahlt!

        Darum geht es mir: Beim Reizwort Amazon, so gerechtfertigt Kritik am Unternehmen ist, nicht sofort blind mitjubeln, sondern überlegen: Cui bono … was nutzt dem unabhängigen Buchhandel wirklich?

        Abgesehen davon, dass der Kampf gegen Amazon auch mal zurückschlagen kann. Viele Verlage und Autoren existieren inzwischen nur noch dank Amazon, weil sie nur noch da komplett sichtbar sind. Wenn erst mal die Verlage und Autoren wegsterben, was verkaufen die Buchhandlungen dann, Räucherstäbchen?

      • Amazon verkauft auch nur, was die Verlage herausbringen – ich sehe da keine Gefahr eines Monopols.

        Ansonsten ist es wie beim Essen – jeder bestimmt selbst, was und wo er kauft. Einmischung des Staates hat noch nie funktioniert, schon gar nicht in Frankreich, siehe Renault etc.
        Der Buchhandel ist wie viele andere Märkte in einem revolutionären Wandel begriffen (ebooks), da kann man sich gegen stemmen, wird aber irgendwann Geschichte sein. Man sollte auch nicht vergessen, dass die ebooks Autoren eine Chance geben, im Selbstverlag zu veröffentlichen, die nie einen Verleger gefunden hätten.

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