Vertrauensfrage an die MVB

Von der Notwendigkeit einer Metadatenbank als Waffe im Kampf gegen den mächtigen Online-Riesen ist eine Mehrheit in der Branche überzeugt. Doch ist die MVB dafür der richtige Partner? 
Darüber wurde während der Buchtage in Berlin in der Fachausschusssitzung des Sortiments heftig diskutiert.
„Warum sollen wir der MVB die technische Kompetenz zutrauen, an der sie in den vergangenen Jahren wiederholt gescheitert ist?“, fragte eBuch-Vorstand Lorenz BorscheKNV-Chef Oliver Voerster betonte, dass der Aufbau einer validen und hochwertigen Datenbank eine hohe technische Kompetenz erfordere. 
Auch sei die Kostenkalkulation von MVB-Chef Ronald Schild zu kurz gedacht, so Voerster. Anders als von Schild prognostiziert, müsse man nicht einmalig einen siebenstelligen Betrag investieren, sondern, zumindest am Anfang, jedes Jahr erneut ein solches Investitionsvolumen stemmen, mahnte der Chef des im Datenbank seit Jahren aktiven Logistikriesen an.
Zudem kritisierte Borsche, dass die Börsenvereins-Wirtschaftstochter durch die geplante Integration der Vorschauen in der Metadatenbank erneut in Konkurrenz zu Mitgliedern des Verbands trete. „Es gibt seit vielen Jahren mit der eVorschau.de eine funktionierende elektronische Verlagsvorschau.“ Er schlug deshalb vor, das bereits bestehende Produkt zu integrieren, statt ein neues Konkurrenzprodukt aufzubauen. Schild erwiderte, dass er offen für Gespräche sei. „Wir sollten uns gegenüber Amazon nicht verzetteln und die Dinge doppelt und dreifach machen, sondern bestehende Systeme nutzen“, stimmte auch Voerster mit ein.

„Wir müssen uns fragen, wie lange wir gepennt haben“

Manfred Keiper (Andere Buchhandlung, Rostock) nahm Libri, KNV aber auch die Verlage in die Pflicht und forderte sie auf, ihre Lieferbarkeitsdaten zur Verfügung zu stellen: „Ich habe das Gefühl, es geht hier nur um Machtposition und Marktanteile und nicht um das Bedürfnis unserer Kunden nach guten Daten. Wir alle aber leben von den Kunden.“ Dafür erntete der Sortimenter viel Applaus von seinen Buchhandelskollegen.
Es könne nicht angehen, dass Amazon seit Jahren die Benchmarks der Branche setze, so Keiper: „Wir müssen uns fragen, wie lange wir gepennt haben. Ich fordere als unabhängiger Sortimenter, dass die Barsortimente dafür sorgen, dass wir die Metadatenbank zustande bekommen. Sonst haben uns Amazon oder Apple irgendwann vollkommen in der Tasche.“

VLB-Gebühren erneut auf den Prüfstand gestellt

Der Kasseler Buchhändler Jörg Robbert (Buchhandlung Bebelplatz) wiederholte seine bereits im buchreport-Blog und im Interview mit buchreport.express geäußerte Kritik an den neuen VLB-Gebühren: Anders als im vergangenen Jahr von Hermann-Arndt Riethmüller gefordert, seien die VLB-Gebühren immer noch viel zu teuer für das kleinere Sortiment. Die von der MVB kommunizierte Gebühr von 5 Euro im Monat verfälsche die Tatsachen, da zusätzlich die VLB-Jahresgebühren anfielen und die reduzierte Gebühr nur für die Online-Nutzung gelte. Thomas Wrensch, Vorsitzender der Sortimenter-Ausschusses, kündigte an, das Thema in der nächsten Vorstandsitzung aufs Tapet zu bringen.

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