Brockhaus for sale

Spätestens im Herbst 2012 gab es deutliche Krisensignale bei der Bertelsmann-Tochter Inmedia­one. Ein halbes Jahr später zieht der Medienkonzern die Reißleine: Das Direktvertriebsunternehmen und das Buchhandelsgeschäft des zugehörigen Verlags Wissenmedia werden schrittweise eingestellt. 300 Mitarbeiter sind vom Abschied betroffen. Die 2009 vom Bibliographischen Institut übernommene Marke Brockhaus will Bertelsmann möglicherweise lizenzieren. 

300 feste Mitarbeiter und 300 selbständige Handelsvertreter betroffen

Die Details zum Abschied:
  • Inmediaone wird die Aktivitäten in den kommenden 12 Monaten schrittweise einstellen. Als Erstes wird das Buchhandelsgeschäft von Wissenmedia Ende 2013 beendet – es wird also kein Frühjahrsprogramm 2014 mehr geben. 
  • Der operative Direktvertrieb endet spätestens Mitte 2014.
  • Ein kleiner Teil der Belegschaft soll in den kommenden Jahren die mit den Kunden eingegangenen Verpflichtungen erfüllen (u.a. Online-Aktualisierungen von Nachschlagewerken).
  • Die 300 betroffenen Mitarbeiter stammen aus der Zentrale in Gütersloh und von den Standorten von Wissenmedia in Gütersloh und München. Hinzu kommen rund 300 selbstständige Handelsvertreter, die ihre Aufträge verlieren.
  • Betriebsrat und Geschäftsführung sollen einen Sozialplan entwickeln; Mitarbeitern soll der Wechsel in die Bertelsmann Transfergesellschaft ermöglicht werden.
  • Personalien: Aus der dreiköpfigen Geschäftsführung sind Verlagsleiter und Marketinggeschäftsführer Christoph Hünermann und Strategie- und Vertriebsgeschäftsführer Steffen Böning ausgeschieden, alleiniger Chef ist jetzt Kurt Bisping, bislang kaufmännischer Geschäftsführer, der weiter an Fernando Carro berichtet.
  • Die Marke Brockhaus will Bertelsmann möglicherweise in der Branche weiterreichen.
Als Gründe für den Inmediaone-Rückbau nennt Bertelsmann die mangelnde wirtschaftliche Perspektive:
  • Es sei schwieriger und teurer geworden, Neukunden zu gewinnen.
  • An die bereits bestehenden Kunden habe man im Direktvertrieb nur noch begrenzt weiterhin Produkte in den nötigen Stückzahlen verkaufen können – das Informationsverhalten der Menschen habe sich grundsätzlich geändert.
  • Das zweite Standbein des Wissenmedia Verlags (der zu großen Teilen für den Direktvertrieb arbeitet), das parallel betriebene Buchhandelsgeschäft, sei zu klein, um alleine nachhaltig profitabel betrieben zu werden.
Krise von Inmediaone zeichnete sich schon 2012 deutlich ab

Rückblick: Inmediaone war im November 2011, nach deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgängen, unter dem Bertelsmann-Dach von Arvato zur sogenannten Corporate Investment-Sparte gewechselt. Die von Carro geleitete Einheit ist auch die neue Heimat des in den vergangenen Jahren radikal reduzierten Club-Geschäfts. Später wurde der Firmenwert von Inmediaone von 21 auf 8 Mio Euro reduziert. Im November 2012 berichtete buchreport.de, dass die Inmediaone-Vertreter neben zahlreichen Nachschlagewerken jetzt auch auch Skulpturen und serielle Kunstartikel (z.B. Grafikserien) anbieten, weil der Bedarf an Büchern bei den Kunden teilweise gedeckt sei. Weiterer Schritt: Das Geschäft des hauseigenen Faksimile Verlags sollte internationalisiert werden. Schon damals wurde die Suche nach neuen Geschäftsfeldern von einem Personalabbau flankiert, vorwiegend im administrativen Bereich.

Die Marke Brockhaus wurde 2009 vom Bibliographischen Institut an Wissenmedia verkauft. Im Zuge von Neuentwicklungen präsentierte Wissenmedia den einbändigen Brockhaus und den Kinderbrockhaus. Außerdem entwickelten die Gütersloher die Online-Lernportale Brockhaus Prescolaris und Brockhaus Scolaris für Kinder und Eltern. Größte Hoffnung: Brockhaus sollte zu einer Bildungsmarke ausgebaut werden und wurde etwa die Dachmarke der Wissenmedia-Wörterbücher (u.a. Wahrig).

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