Investition gegen den Trend

Ein positives Signal in schwierigen Zeiten: Die Mayersche will in diesem Sommer 50 neue Ausbildungsplätze anbieten. Der Einzelhandelsverband beklagt das Niveau der Azubi-Stellen-Bewerber.
„Gerade in Zeiten der wachsenden Konkurrenz durch den globalisierten Internethandel halten wir es für wichtig, in den Nachwuchs zu investieren“, lässt sich  Hartmut Dahlhaus, Personalleiter der Mayerschen Buchhandlung, in einer Pressemitteilung zitieren. Derzeit absolvierten rund 100 junge Menschen eine Ausbildung bei der Mayerschen, die ihrem Nachwuchs mitunter viel Freiheiten lässt: In Essen-Rüttenscheid schalteten und walteten die angehenden Buchhändler den gesamten Mai in der „Azubi-Filiale“. Der westdeutsche Filialist verweist in diesem Kontext auf die eigene Buy-local-Kampagne: „Wenn unsere Kunden merken, dass sie mit Ihrem Einkauf beim Einzelhändler vor Ort auch die eigene Stadt und die Ausbildungschancen ihrer Kinder sichern, hat sich diese Kampagne bereits gelohnt. Die Voraussetzungen dafür schaffen wir vor allem auch durch die Möglichkeit zur Ausbildung und deren hohe Qualität.“

Die Zahlen der Mayersche erscheinen umso positiver vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Ausbildungsverträge im Buchhandel im vergangenen Jahr dramatisch eingebrochen war: Während der Schnitt über alle Einzelhandels-Sparten hinweg bei minus 5,7% lag, gab es im Sortiment rund ein Drittel weniger Verträge.

Klage über Defizite bei Azubi-Anwärtern

Der Einzelhandelsverband HDE meldet, dass die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungs-Stellen steigt. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigten, dass bei der Ausbildung für Kaufleute im Einzelhandel rund 14.300 unbesetzten Stellen über 17.000 nicht vermittelte Bewerber gegenüber stehen. Bei den Verkäufern seien es fast 11.000 offene Stellen für noch knapp 15.700 Bewerber. „Leider haben junge Leute zu oft noch falsche Vorstellungen von den Berufsbildern, den Anforderungen und Chancen im Handel. Außerdem gibt es nach wie vor noch Defizite in der schulischen Bildung, zu häufig fehlen einfache Grundkenntnisse – etwa im Rechnen, ohne die eine Ausbildung im Handel einfach nicht gut gemeistert werden kann“, klagt HDE- Geschäftsführer Wilfried Malcher.
Insgesamt bilde der Einzelhandel in Deutschland rund 160.000 junge Leute in mehr als 30 Lehrberufen aus. Die Ausbildungsquote der Branche liege mit knapp 8% über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft.

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