Volker Oppmann: Wir brauchen ein gemeinnütziges System für den Literaturbetrieb

Das E-Book ist im Gegensatz zum Buch kein komplettes, sondern ein komplexes Produkt. Der Inhalt (Content) in Form des reinen Textes mag zwar der Gleiche sein, das den Text transportierende Produkt folgt in der digitalen Welt jedoch grundlegend anderen Regeln und Gesetzen, auf welche die Buchbranche (noch) nicht eingerichtet ist.

Auch die Rollenverteilung entlang der Wertschöpfungskette gerät zusehends aus den Fugen – zu Lasten der Verlage und des traditionellen Buchhandels. Und nicht zuletzt wird der Leser durch die Nutzung digitaler Angebote selbst zum Urheber – sei es unbewusst durch die Daten, die er durch sein Nutzerverhalten erzeugt, oder bewusst, indem er selbst Inhalte generiert, seien dies nun Anmerkungen, Rezensionen oder Empfehlungen.

Damit werden digitale Ökosysteme zwangsläufig zu gigantischen Bibliotheken, die neben den Texten der Autoren auch das Wissen der Leser in sich aufsaugen und so mehr und mehr Einfluss auf den gesamten Literaturbetrieb gewinnen.

1. Das E-Book ist im Gegensatz zum Buch keine komplettes, sondern ein komplexes Produkt

Ein gedrucktes Buch ist ein Komplett-Produkt, das Inhalt (Content) und Ausstattung in sich vereint und somit ohne weitere Hilfsmittel direkt konsumiert werden kann. Das Nutzererlebnis liegt über die Wahl der Ausstattung allein in der Hand der Verlage (hochwertiges Hardcover versus billiges Taschenbuch), wobei sich der gefühlte Wert eines Buches in erster Linie über seine Materialität bestimmt.

Ein E-Book (ePub) hingegen ist ein reines Container-Format, das aus nichts als dem reinen Inhalt (Content) besteht. Zum Lesen eines E-Books benötigt man ein geeignetes Endgerät sowie eine ausführende eReading-Software, die neben der Textdarstellung gemeinhin noch zwei weitere Grundfunktionen in sich vereint und so zugleich auch als Bibliotheksverwaltung sowie als Shop fungiert.

Alles, was der Kunde an „Ausstattung” eines E-Books wahrnimmt und erwartet (etwa Funktionen, mit denen man Text markieren, Notizen oder Lesezeichen erstellen und verwalten kann), sind nicht etwa Eigenschaften des E-Books, sondern Eigenschaften der ausführenden eReading-Software.

Das Nutzererlebnis bestimmt sich also in erster Linie aus dem Funktionsumfang der jeweiligen Software-Ausstattung, die in der Regel aus zwei Komponenten besteht: einer anwenderseitigen Komponente in Form einer eReading Software (kurz: App) sowie einer serverseitigen Komponente (kurz: Cloud) – das Übergangsstadium vom Online-Versandhandel zum rein digitalen E-Book-Geschäft in Form des Download-Handels durch die Vermittlung von Download-Links ist bereits heute nicht mehr konkurrenzfähig. Es handelt sich im wahrsten Sinne des Wortes um einen „Missing Link”.

Und letztlich spielt natürlich auch das Endgerät, auf dem die eReading-Software ausgeführt wird, eine Rolle, wobei der Unterschied im mobilen Bereich eher gradueller Natur ist und man aus einem ganzen Spektrum wählen kann – von deszidierten eReading-Geräten, die in Form von eInk zwar über eine spezielle Bildschirmtechnologie verfügen, ansonsten jedoch nur mit vergleichsweise leistungsschwachen Komponenten ausgestattet sind, bis hin zu “richtigen” Tablets (Kurzform von Tablet-PCs), seien es Mini-Tablets wie iPod touch oder iPhone, oder ihre größeren Verwandten wie iPad & Co.

2. Die klassische Rollenverteilung von Autoren, Verlagen und Handel funktioniert nicht mehr

Die klassische Rollenverteilung sieht wie folgt aus:

Der Autor produziert Text, ist mithin verantwortlich für den Inhalt.
Der Verlag produziert auf Grundlage des Textes einen Konsumartikel und gestaltet damit das Nutzungserlebnis (neudeutsch: user experience).
Der Handel verschafft Zugang zu diesen Konsumartikeln und produziert seinerseits einKauferlebnis, wobei ein maßgeblicher Faktor die Qualität seiner Filterfunktion ist, also die Frage, inwieweit es dem Handel gelingt, seinen Kunden eine in deren Augen (subjektiv wahrgenommene) relevante Auswahl an Inhalten zu präsentieren.
Und schließlich gibt es – von der kommerziellen Vermarktung der Inhalte separiert – noch eine Reihe nach- bzw. nebengelagerter Instanzen wie z.B. die Bibliotheken, die Inhalte sammeln und ihre Bestände zugänglich machen oder wissenschaftliche Institutionen, welche Wissen über Inhalte sammeln und aufarbeiten sowie Studien zur Rezeption von Inhalten erstellen (Rezeptionsforschung).

In der digitalen Welt produziert der Autor zwar auch weiterhin Text, der Verlag hingegen vertreibt allenfalls noch ein halbes Produkt, da einem E-Book in Form von Containerformaten wie ePub, wie bereits oben erwähnt, komplett die Ausstattung fehlt, die nun Teil der ausführenden eReading-Software ist, welche in der Regel durch einen (Online-) Händler wie Amazon (Kindle bzw. Kindle App), Apple (iBooks) oder Kobo angeboten wird.

Die schlechte Nachricht für den Buchhandel: Lokale Anbieter – mit Ausnahme vielleicht der Filialisten wie Thalia, Hugendubel oder Weltbild – sind damit leider komplett aus dem Rennen, da sie E-Books lediglich zum Download anbieten, selbst jedoch nicht über eine eigene eReading-Software, geschweige denn eine serverseitige Infrastruktur verfügen.

Schlimmer noch: Durch den Verkauf (besser gesagt: die Vermittlung) von E-Book-Downloads schicken Händler ihre Kunden im Grunde direkt zur Konkurrenz, da der Kunde mit einer eBook-Datei allein ja nichts anfangen kann. Der Kunde sucht sich also eine entsprechende Software bzw. kauft sich ein Gerät (auf dem die Software breits vorinstalliert ist), in die aber bereits ein eigener Shop eingebaut ist, sodass der Kunde für den Erwerb neuer Inhalte die Applikation nicht mehr verlassen muss – das komplette digitale Angebot ist schließlich nur einen Klick entfernt.

Kunden, die dennoch den mühsamen Weg auf sich nehmen, den Rechner hochzufahren, einen Browser zu öffnen, einen Webshop anzusteuern, sich durch die gesamte Klickstrecke von der Startseite über die Detailseiten bis hin zum Warenkorb und dem finalen Checkout (Bezahlvorgang) zu bewegen, einen Download abzurufen, das E-Book herunterzuladen, das E-Book (manuell) auf ihr Gerät bzw. in die eReading-Software zu übertragen und sich am Ende auch noch bei Adobe für ein umständliches, externes DRM-Verfahren zu registrieren, dürften in Zukunft die klare Ausnahme sein.

Kunden sind wie Wasser. Sie nehmen stets den einfachsten Weg. Und sie kommen nicht wieder. Exodus Kunde = Exitus Handel.

Den Buchhändlern zum Trost: Den Verlagen geht es kaum besser. Das Spiel heißt „cut out the middleman”, wobei nicht nur Amazon durch eigene Verlags-Imprints oder Kindle Direct Publishing (KDP) am Stuhl der Verlage sägt, sondern sich nicht zuletzt durch die fehlende „Ausstattung” der E-Books vielleicht ohnehin die Frage stellt, ob “publishing” zumindest im Bereich der Publikumsverlage eventuell doch nur noch eine reine Funktion, jedoch kein eigenes Gewerbe mehr sein wird (vgl. hierzu das lesenswerte Blog von Mike Shatzkin The Shatzkin Files, Atomization: publishing as a function rather than an industry).

Hier ist die englische Bezeichnung „publishing” in der Tat präziser als das deutsche „Verlagswesen”, da es auf die Funktion eines Verlages verweist, nicht auf die Konvention des „Vorlegens” im Sinne einer Vorfinanzierung.

3. Der Nutzer als Urheber

Die Auswirkungen der Digitalisierung treffen aber auch den Leser, der durch die Nutzung dieser Cloud-basierten E-Book-Angebote selbst zum Urheber wird, sei es unbewusst durch den reinen Umstand, dass er die Software überhaupt nutzt – jede Nutzung generiert schließlich automatisch Nutzerdaten, welche von der Software protokolliert und ausgewertet werden (Nutzerprofile) – oder (hoffentlich) bewusst, indem der Nutzer Textstellen markiert, Anmerkungen, Empfehlungen und Rezensionen verfasst und diese letzten Endes vielleicht sogar mit seinen Freunden bzw. der breiten Öffentlichkeit teilt (Social Reading).

Darin steckt viel Potenzial, wenn man die Technologie für einen guten Zweck nutzt. Allein die Möglichkeiten, die sich auftun, wenn eine Gruppe von Menschen gemeinsam über einen Text arbeiten kann, sei es nun zum reinen Privatvergnügen z.B. in Form eines „Lesezirkels” (im Sinne von „Circles” = Kreise à la Google+ oder Diaspora), der sich über die neuesten Krimis oder Gartenbücher austauscht, im professionellen Bereich, wenn Autoren gemeinsam mit ihrem Lektor, ihrem Hausverlag sowie ihrem Agenten ein neues Buch vorbereiten, institutionelle Nutzer, beispielweise an Universitäten im Rahmen von Editionsprojekten oder wissenschaftlichen Arbeiten bis hin zu Sekundärliteratur, oder an Schulen, wo Lehrer (oder auch die Schüler selbst) eine Lerngruppe einrichten können, um gemeinsam an der Schullektüre zu arbeiten.

Egal, um welche Art von Gruppe es sich handelt: Ein(e) jede(r) kann die Anmerkungen und Kommentare der anderen einsehen und / oder sich über ein Chat-Protokolle direkt mit den anderen über den Text austauschen. Möchte man einen Text zitieren, wird dieser über die Copy & Paste-Funktion nicht nur in den eigenen Text (z.B. einen Wiki-Eintrag, eine Hausarbeit oder eine Dissertation) eingefügt, sondern zugleich eine Fußnote in korrekter Zitationsweise samt Backlink zum referenzierten Quelltext erzeugt, sodass man (bzw. ein anderer Leser) über das Zitat auch gleich zur zitierten Textquelle springen kann.

Oder aber Sie lassen sich als Leser über die Suchfunktion sämtliche Anmerkungen und / oder markierte Textstellen zu einem speziellen Thema zusammenstellen – seien es ihre eigene Anmerkungen aus ‘zig Jahren Leseerfahrung (die Sie unter Umständen längst vergessen haben und insofern nie wiederfinden würden) oder die Anmerkungen anderer Leser. Nur um einige wenige Möglichkeiten zu nennen.

Kurz gesagt: Wir kommunizieren mit anderen über Bücher also zunehmend durch Bücher, und das wohlgemerkt nicht als Autoren, sondern als Leser!

Neben dem unverkennbaren Potenzial steckt genau hier aber zugleich auch die größte Gefahr, da sämtliche digitale Ökosysteme, die genau das bereits heute (!) leisten können, komlett in der Hand von Internet-Giganten wie Apple oder Amazon liegen, die ihrerseits auf proprietäre, d.h. geschlossene Systeme setzen.

Mit ein wenig Glück kann ich als Kunde zwar meine bei Anbieter X „gekauften” (besser gesagt: lizenzierten) E-Books zu Anbieter Y mitnehmen, aber nur um den Preis, dass ich meine gesamten persönlichen Daten, Anmerkungen, Notizen, etc. pp. bei diesem Anbieter zurücklassen muss. Und je intensiver ich die „Ausstattung” meines präferierten Systems nutze, desto personalisierter wird meine eigene Bibliothek und desto schwerer fällt es mir, mich dem Sog eines solchen Ökosystems zu entziehen – es wird zu einem regelrechten schwarzen Loch, das mit einer größeren Masse an Daten und (befreundeten) Nutzern eine immer größere Anziehungskraft entfaltet und alles in sich hineinsaugt.

Aber selbst wenn ich mir dessen bewusst und den persönlichen Preis dafür zu zahlen bereit bin, kann ich bei Anbietern wie insbesondere Apple und Amazon noch nicht einmal „meine” vermeintlich gekauften E-Books mitnehmen – vergleiche hierzu die aktuelle Studie von Christoph Bläsi und Franz Rothlauf zur Interoperabilität von E-Books, die ganz richtig die Schlussfolgerung zieht, dass Leser in „ihrem” E-Book-Ökosystem eingeschlossen werden. Barrierefreiheit sieht ganz klar anders aus.

Und wenn ich als Nutzer schon meine persönlichen Daten, meine (selbst generierten) Inhalte, meine Informationen und mein Wissen mit der Öffentlichkeit teile, möchte ich auch, dass diese auch tatsächlich der Allgemeinheit zugute kommen und nicht etwa nur auf den Börsenwert eines einzelnen Unternehmen einzahlen, das sich am Ende eventuell noch per AGB die Nutzungsrechte an meinen Inhalten hat einräumen lassen, um meine Daten seinerseits weiterzuvermarkten.

4. Meta-Bibliotheken als Gedächtnis der Menschheit, die neben den Texten der Autoren auch das Wissen der Leser in sich aufsaugen

Allein anhand der oben geschilderten Beispiele wird klar, dass eine auf Cloud– und Social Reading-Technologien basierende digitale Bibliothek weit mehr als die Summe ihrer Teile ist. Ohnehin möchte ich lieber von „Bibliotheken” als von „Shops” sprechen, da eine Etikettierung digitaler Ökosysteme als „Shop” in die Irre führt, indem sie die Aufmerksamkeit auf die reine Bezahl-Funktion lenkt, die aber nicht das Wesentliche ist.

Bereits die herkömmliche Unterscheidung zwischen Shop und Bibliothek ist in der digitalen Welt vollkommen obsolet, da der Unterschied aus Nutzersicht lediglich ein gradueller ist: E-Books sindimmaterielle Güter, die man weder kaufen noch besitzen kann. Der Leser erwirbt lediglich einNutzungsrecht an einem Inhalt, d.h. eine Lizenz, sodass sich der Zugang zu Inhalten lediglich über den Umfang der eingeräumten Nutzungsrechte unterscheidet (dauerhaftes Nutzungsrecht = gefühlter „Kauf” in einem „Shop” versus zeitlich begrenztes Nutzungsrecht = gefühlte „Leihe” in einer „Bibliothek”).

Wie weiter oben bereits mehrfach angedeutet, erschöpft sich der Einflussbereich der E-Book-Plattformen auch nicht länger nur auf die Funktion, ein Kauferlebnis zu gestalten sowie einen Bezahlvorgang abzuwickeln, sie gestalten über die Ausstattung ihre eReading-Software vielmehr auch ganz maßgeblich die Nutzererfahrung ihrer Kunden.

Hier wird die Software zum klaren Wettbewerbsvorteil bzw. Wettbewerbsnachteil für all jene, die keine oder nur über minder ausgestattete eReading-Software verfügen: Die Inhalte kosten dank Buchpreisbindung nämlich überall das gleiche, nur dass der eine Anbieter – im übertragenen Sinne – ausschließlich hochwertig ausgestatte „Hardcover” im Angebot hat, während der andere Anbieter lediglich über billige Second Hand-Ware (ich sage nur: Download-Vermittlung) in Form von angegrauten Taschenbüchern verfügt.

Wenn also alle die gleichen Inhalte zu den gleichen Preisen haben, bestimmt allein die Qualität der Ausstattung das Angebot und damit die Nachfrage. Vor allem aber sind jene Anbieter weit mehr als nur „Shops” – sie sind gigantische Bibliotheken, die neben den reinen Buchinhalten Kundendaten samt dem Wissen der Nutzer in sich aufsaugen und den Zugang zu all diesen Inhalten kontrollieren – damit kontrollieren sie letzten Endes aber nicht nur das Buch als Wirtschaftsgut, sondern auch das Buch in seiner Form als Kulturgut, da sich ein jeder, der in Zukunft am Literaturbetrieb in digitaler Form teilhaben möchte, zwangsläufig innerhalb eines dieser Ökosystems aufhalten muss.

Man kann aber nicht nur aus Sicht der Nutzer, sondern auch aus der Sicht des Textes völlig zu Recht von „digitalen Ökosystemen” sprechen, da der Text im wahrsten Sinne des Wortes im System „lebt”. Jedes E-Book (ePub) besteht schließlich aus HTML-Code, der durch einen modifizierten Web-Browser in Form einer eReading-Software auf dem Bildschirm des jeweiligen Endgerätes dargestellt wird.

Die E-Books in einer Cloud-basierten digitalen Bibliothek sind jedoch keine isolierten Text-Container mehr, sondern verknüpfte (verlinkte) Dokumente, die in direkter Beziehung zu anderen Dokumenten stehen, um die sich zusätzlich Myriaden von Metadaten und Meta-Texten gruppieren.

Sie müssen sich eine solche Bibliothek wie ein neuronales Netzwerk vorstellen, das nicht nur durch die Bildung neuer Nervenzellen (E-Books) wächst, sondern auch zusätzlich durch eine immer schneller voranschreitende synaptische Verknüpfung = Verlinkung dieser Knotenpunkte, welche die Bibliothek überhaupt erst leistungsfähig, all das in ihr gebündelete Wissen überhaupt erst nutzbar machen.

Damit tangieren solche Bibliotheken letzten Endes auch Bereiche, die in der physischen Welt in der Regel außerhalb des Wirtschaftskreislaufs liegen und – von Marktforschungsinstituten einmal abgesehen – ehedem öffentlichen Institutionen wie insbesondere den Hochschulen vorbehalten waren, indem sie (vgl. oben unter Punkt 2) Wissen über Inhalte sammeln und aufarbeiten sowie indem sie aüßerst detaillierte Rezeptionsstudien erstellen, da die Software stets sehr genau mitprotokolliert, was ich gerade lese und vor allem wie ich es lese.

5. Wir benötigen ein gemeinnütziges (Betriebs-) System für den Literaturbetrieb

Wir erleben in kommunikativer Hinsicht gerade hautnah den Sprung auf eine nächsthöhere Stufe der Evolution. Als mir selbst irgendwann einmal klar geworden ist, was die Digitalisierung für das Buch bedeutet und worauf die Entwicklung hinausläuft, war mir im Grunde auch egal, wer das digitale Rennen gewinnen würde – Apple, Amazon, die Tolino-Allianz oder auch das ambitionierte Startup um die Ecke, da alle miteinander das gleiche Grundproblem haben:

Es sind „normale” Unternehmen in Form von Kapitalgesellschaften, die als solche in erster Linie den Interessen ihrer jeweiligen Eigentümer verpflichtet sein müssen und denen im digitalen Bereich durch die damit einhergehende Verschiebung der Rollen und Funktionen im Literaturbetrieb eine Verantwortung zufällt, von der ich nicht sehe, wie sie diese einlösen sollten.

Eine Lösung für dieses Dilemma sehe ich persönlich nur außerhalb eines am Kapitalmarkt orientierten Unternehmens, weshalb ich mich entschlossen habe, textunes/Thalia zu verlassen, um eine gemeinnützige Organisation aufzubauen, da das Buch in seiner Eigenschaft als Kulturgut meines Erachtens nicht in die Hand einiger weniger Wirtschaftsunternehmen gehört, bei denen man niemals sicher sein kann, welchen Interessen sie tatsächlich verpflichtet sind und wem sie in fünf Jahren gehören.

Zusammenfassung:

Das E-Book ist im Gegensatz zum Buch kein komplettes, sondern ein komplexes Produkt
Die klassische Rollenverteilung von Autoren, Verlagen und Handel funktioniert nicht mehr
Der Nutzer wird im digitalen Bereich selbst zum Urheber
Meta-Bibliotheken entwicklen sich zum Gedächtnis der Menschheit, da sie neben den Texten der Autoren auch das Wissen der Nutzer in sich aufsaugen
Fazit: Wir brauchen ein gemeinnütziges System für den Literaturbetrieb
Meine ganz persönliche Schlussfolgerung:

Wir brauchen ein gemeinnütziges System für den Literaturbetrieb, das als übergreifender Marktplatz für Text-Inhalte Wert schöpft, indem es die direkte Interaktion zwischen Privatpersonen, Branchenteilnehmern (wie insbesondere Buchhandlungen und Verlagen) sowie öffentlichen Institutionen (wie insbesondere Universitäten und Bibliotheken) über eine gemeinsame technische Infrastruktur mit einer zentralen, vernetzten Bibliothek ermöglicht.

Als gemeinnützige Institution setzt ein solches System auf Kooperation statt auf Verdrängung und macht die Expertise der einzelnen Interessengruppen rund um das Buch produktiv, indem es den jeweiligen Nutzergruppen die nötigen Werkzeuge in Form von Software (SaaS = Software as a Service) zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe sie die eigene Rolle im Literaturbetrieb noch besser ausfüllen können als zuvor – zur Förderung einer vielfältigen, unabhängigen Schriftkultur.

Meine Vision: Eine freie Wissensgesellschaft, in der jeder Wissensarbeiter dank eines gemeinnützigen Literatur/betrieb/s/systems zugleich eine verlässliche Grundlage für das eigene wirtschaftliche Auskommen hat.
Unsere Mission: Der Aufbau einer digitalen Universalbibliothek, die das Wissen in den Dienst der Allgemeinheit stellt und Texte via SaaS universell nutzbar macht.
In einem ersten kleinen Schritt haben wir vor Kurzem – dem demokratischen Grundgedanken folgend – einen Förderverein gegründet, um eine geeignete Basis für die Start-Aktivitäten von LOG.OS zu haben, die in erster Linie aus Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising bestehen.

Unser erstes Etappenziel besteht darin, genügend Kapital einzusammeln, um damit den eigentlichen organisatorischen Kern in Form einer Stiftung errichten zu können, die ihr Stiftungskapital wiederum in eine noch zu gründende, gemeinnützige GmbH investiert.

Die Aufgaben der zu errichtenden LOG.OS Stiftung liegen

in der dauerhaften Sicherung der Neutralitätder gGmbH als 100%ige Eigentümerin, wozu per Stiftungssatzung ein Verkauf von Anteilen an der gGmbH kategorisch ausgeschlossen wird,
der Finanzierung der gGmbH durch professionelles Fundraising sowie
der Funktion als Aufsichts- und Kontrollorgan der gGmbH, um einen satzungsgemäßen operativen Betrieb sicherzustellen, der allein auf das Allgemeinwohl ausgerichtet ist.
Die Aufgaben der zu gründenden LOG.OS gGmbH bestehen

in der Umsetzung ihres durch die Stiftung formulierten Auftrags,
im operativen Betrieb der LOG.OS Plattform sowie
in der kontinuierlichen Innovation, um ihren Kunden = Nutzern maximalen Nutzen zu stiften.
LOG.OS steht sinnbildlich für ein zentrales Betriebssystem (OS = operating system) des (geschriebenen) Wortes (griech. »lógos«).

Es würde mich sehr freuen, wenn sich viele durch die Idee hinter LOG.OS persönlich angesprochen fühlen und den Wunsch verspüren würden, uns zu unterstützen – sei es durch konstruktive Kritik, tatkräftige Mitarbeit oder natürlich durch finanzielle Unterstützung, da wir über die nächsten Jahre einen entsprechend hohen Investitionsbedarf haben.

U.A.w.g. und spread the word!

Volker Oppmann, Gründer von LOG.OS.

Weitere Artikel zum Thema finden Sie im Channel von log.os

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