Douglas ruft Online-Offensive aus

Der viel besungene Wind of Change – auch wenn es rund um die Stadthalle von Hagen am Dienstag eher windstill ist, in der durch und durch grünen Halle, bei der Hauptversammlung von Douglas, stehen die Zeichen auf Veränderung: die letzte Hauptversammlung als börsennotiertes Unternehmen. Voraussichtlich der letzte detaillierte Blick ins Eingemachte des Handelskonzerns.  

Im vergangenen Jahr, in der Gruga-Halle in Essen, hatte Konzernchef Henning Kreke noch sehr vage die Zukuftsperspektiven des Einzelhandelskonzerns skizziert und dabei einen Abschied von der Börse angedeutet, was allerdings „nicht zwingend“ sei. Über ein Jahr später hat Kreke längst Fakten geschaffen:
  • Der Handelskonzern mit seinen Douglas-Parfümerien, Christ-Schmuckgeschäften, Hussel-Confiserien und Thalia-Buchhandlungen verabschiedet sich von der Börse.
  • Neuer starker Anteilseigner ist der US-Finanzinvestor Advent International, der gemeinsam mit der Familie Kreke jetzt über 96% der Anteile kontrolliert.
  • Letzter Schritt vor dem „Delisting“, dem Abschied vom Börsenparkett, ist der Squeeze-Out, bei dem die Minderheitsaktionäre über eine Barabfindung herausgedrängt werden. Die Barabfindung wurde zuletzt von 37,64 Euro je Aktie auf 38 Euro erhöht.
Durch den Börsenrückzug werde das Unternehmen „schneller und flexibler“, erklärte Kreke bei seiner Rede auf der Hauptversammlung. Man könne mittel- und langfristig arbeiten, weil die Entscheidungen nicht mehr quartalsweise veröffentlicht werden müssen – 2012 hatte Kreke mit Blick auf das Douglas-Papier vor einer „volatilen Zirkusaktie“ gewarnt.
Handelslandschaft im Umbruch

Auch wenn sich Kreke in seiner Rede hauptsächlich der Barabfindung der restlichen Aktionäre widmete, malte der Konzernchef auch das Bild eines Unternehmens im Umbruch – und kündigte vor diesem Hintergrund eine „Online-Offensive“ an. Die gesamte Handelslandschaft ändere sich derzeit rasend schnell, hauptsächlich durch das Internet. Mit einer Online-Offensive solle Douglas zukunftsfähig aufgestellt und zu „einem der führenden, modernen und kompetenten Multichannel-Anbieter“ werden. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, für den man sich durch die Allianz mit Advent gut gerüstet sehe.

Als Vorbild für die Online-Strategie der Konzerntöchter beschrieb Kreke den Shop douglas.de, der über 30.000 Produkte umfasse und einen Umsatz von über 100 Mio Euro erwirtschafte – dies sei inzwischen die größte Douglas-Filiale.

Den gesamten Konzern auf den richtigen Online-Kurs bringen soll Nicholas Denissen. Der frühere Amazon-Manager, der das Medien-Geschäft des E-Commerce-Giganten in Deutschland verantwortete, ist seit dem Frühjahr 2013 E-Commerce-Vorstand bei Douglas.

Die Douglas-Gruppe hatte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2012/13 (1. Oktober 2012 bis 31. März 2013) beim Umsatz um 1,8% auf 1,95 Mrd Euro zugelegt. Auf Ergebnis-Seite wuchs das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um ein Viertel auf 181 Mio Euro (EBITDA-Marge: 9,3%).

Kommentare

1 Kommentar zu "Douglas ruft Online-Offensive aus"

  1. Douglas verabschiedet sich von der Börse – und was ist mit der Enkelgesellschaft BUCH.DE? Kaum vorstellbar, dass diese Gesellschaft börsenorientiert bleibt. Es wird also spannend, wie sich Advent mehr als 95% der Anteile beschaffen wird. Unter 10,– EUR wird da wohl nichts laufen.

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