Amazon ist ein Feld-Wald-Wiesen-Anbieter

Die Ehe mit dem deutschen Filialisten-Primus ist noch nicht ganz vollzogen – die Kartellbehörden aus Deutschland und Österreich müssen noch ihre Beurteilung zum Joint Venture der Douglas-Tochter mit Orell Füssli abgeben. Doch in der Schweiz wird längst an einer gemeinsamen Strategie gefeilt, die das Joint Venture insbesondere gegenüber Amazon stärken soll. Unklar ist noch, welchen Namen das Paar trägt. Klar ist aber: Die Verzahnung von Offline und Online soll ausgespielt werden.

Michel Kunz (Foto), CEO der Muttergesellschaft Orell Füssli, hat in der „Handelszeitung“ erklärt, man werde sich davor hüten, „ein Abklatsch von Amazon zu werden“. Die eigene Stärke liege in der „Nähe zum Schweizer Konsumenten und damit im Sortiment“. Man werde zwar im Preiskampf mitmischen, weil Internetkunden  preissensitiver seien. „Doch können wir die Preise nicht beliebig senken“.
Von der Strategie von Amazon – die Amerikaner haben laut OF in der Schweiz einen Marktanteil von 20% – ist Kunz nicht überzeugt: „Früher war Amazon auf den Buchhandel und die Musik fokussiert. Heute ist das Unternehmen zunehmend ein Feld-Wald-und-Wiesen-Anbieter, wodurch sich die Marke verwässert.“ Da erkennt der Orell-Füssli-Chef Vorteile: „Wenn die Aktionäre irgendwann einmal mehr Profit verlangen, könnte sich das zu unseren Gunsten auswirken. Dann muss Amazon entweder mit den Kosten runter oder die Preise erhöhen.“

Kunden können E-Books im Geschäft herunterladen

Die von Kunz hervorgehobene Kundennähe will OF besonders durch die Verknüpfung des On- und Offline-Angebots erreichen. Dazu hat das Unternehmen in dieser Woche einen neuen E-Book-Service vorgestellt: Kunden können E-Books direkt im Laden kaufen und auf Lesegeräte herunterladen – laut OF ist man damit die erste Buchhandlung, in der das möglich sei. Dies verschaffe dem Unternehmen einen „Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Online-Playern“.
In der Praxis sollen die Kunden die E-Books an der Kasse bezahlen können, im Anschluss daran stünden die Titel sofort im persönlichen Kundenkonto zum Download bereit. Dies sei besonders praktisch für Kunden, die auf den Einsatz der Kreditkarte verzichten wollten. Das WLAN in den Filialen könne kostenlos genutzt werden.
Das Angebot richte sich an die wachsende Anzahl von Kunden, die digital lesen wollten, sich aber selber nicht um den Kauf kümmern oder die sich persönlich beraten lassen wollten.
CEO Kunz hat im Interview mit der „Handelszeitung“ auch Signale in Richtung Thalia geschickt. In den kommenden Wochen steht laut Kunz eine Diskussion darüber an, wie die gemeinsamen 35 Filialen und der Internetauftritt heißen und aussehen sollten. Kunz werde sich dabei für den Erhalt der Marke Orell Füssli im Buchhandel einsetzen: „Ich werde nicht zulassen, dass die Marke Orell Füssli verschwindet.“ Die Marke sei stärker in der Bevölkerung verankert als Thalia. 
Weitere Ausblicke von Kunz zur Allianz:
  • Es werde keine Schließung im großen Stil geben.
  • Man habe eine „Ertragserwartung, die in der Summe der beiden Partner klar höher ist als bisher“. 
  • Nicht im ersten Jahr – in dem investiert werde –, aber in den Folgejahren erwarte man eine „deutlich bessere Rendite“ als bisher.

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