3 Mio Steuern, 4 Mrd Umsatz

In Deutschland droht Amazon aktuell ein wochenlanger Streik von Beschäftigten in Bad Hersfeld und Leipzig (hier mehr). In Großbritannien sorgt die Steuer-Praxis des Onliners einmal mehr für Schlagzeilen.

Nach einem Bericht des „Guardian“ hat Amazon UK im vergangenen Jahr gerade einmal 3,2 Mio Pfund an Steuern gezahlt, und das bei einem Umsatz von 4,2 Mrd Pfund auf der Insel. Das Steueraufkommen liege nur geringfügig höher als die staatlichen Zuschüsse, die Amazon kassiert habe (2,5 Mio Pfund).

Statt der 4,2 Mrd Pfund habe Amazon jedoch nur einen Umsatz von 320 Mio Pfund für 2012 gemeldet. Hintergrund: Das Europa-Geschäft von Amazon wird größtenteils über Luxemburg gesteuert. Die Amazon-Bilanzmeldungen sind allerdings nicht konsistent. In einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC aus dem Februar 2013 hatte Amazon den Umsatz in Großbritannien mit eben jenen 4,2 Mrd Pfund (rund 4,7 Mrd Euro) angegeben (buchreport.de berichtete).
Laut Guardian beschäftigte Amazon UK Ende 2012 fast 4200 Mitarbeiter sowie mehrere Tausend Leiharbeiter. 

Das Blatt zitiert einen Labour-Abgeordneten mit der Forderung, dass die britische Steuerbehörde mit einem „feinzahnigen Kamm“ durch die Steuer-Praxis von Amazon gehen solle.

USA: Senat verabschiedet „Amazon Tax“

Auch in den USA rückt Amazon durch sein aggressives Geschäftsgebaren und die eigene Steuerpolitik in die Kritik, auch wenn der Beschwerde-Chor – im Vergleich zu Deutschland – (noch) piano singt. Gefahr droht Jeff Bezos vor allem aus der Politik: In der vergangenen Woche hatte der Senat mit großer Mehrheit einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der Online-Händler zwingen soll, eine Sales Tax (Umsatzsteuer) auf getätigte Verkäufe zu erheben.

Der „Marketplace Fairness Act“ muss noch das Repräsentantenhaus passieren, die Lobbyarbeit hat bereits begonnen. Auch die American Booksellers Association macht mobil: CEO Oren Teicher hat alle Mitglieder aufgefordert, in ihren Wahlkreisen aktiv für die (im Volksmund so genannte) „Amazon Tax“ Stimmung zu machen. 
Widerstand aus dem Weißen Haus ist nicht zu erwarten: Präsident Barack Obama hat kürzlich seine Zustimmung signalisiert. Zwar gibt es inzwischen US-Bundesstaaten mit eigener gesetzlicher Regelung und in vielen anderen Staaten wird daran gearbeitet, doch eine gesetzliche Vorlage aus Washington würde Amazon keinen Spielraum mehr lassen.

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