Gefährdete Berufsschulklassen

Auch der Mediacampus in Seckbach muss sich rechnen: Damit die Zahlen der Aus- und Weiterbildungseinrichtung des Börsenvereins stimmen, braucht Geschäftsführerin Monika Kolb-Klausch, in Personalunion Bildungs­direktorin des Verbandes, eine möglichst hohe Auslastung. Bei sukzessive schrumpfenden Ausbildungszahlen im Buchhandel kein leichtes Geschäft. Kolb-Klausch hat jetzt mit der Mayerschen Buchhandlung, Primus in Nordrhein-Westfalen, ein Filialistenschwergewicht akquiriert.

Bislang hatte die Mayersche vom Mediacampus Hochschulabsolventen als Volontäre per E-Learning und Blockunterricht schulen lassen, jetzt werden ab September auch die 50 neuen Auszubildenden ihren Berufsschulpart am Mediacampus absolvieren – versuchsweise, heißt es bei der Mayerschen, die sich davon als Vorteil gute Planbarkeit und ein standardisiertes Ausbildungsniveau gegenüber dezentralen Ausbildungsklassen verspricht. Auch Thalia lässt bereits seit 2006 alle Auszubildenden in eigenen Klassen in Seckbach unterrichten.

Staatliche Berufsschulstandorte bluten langsam aus

An den staatlichen Berufsschulen in Köln und Düsseldorf löst diese Entwicklung große Besorgnis aus. „Die Entscheidung der Mayerschen, alle Auszubilden nur noch in der Berufsersatzschule des Börsenvereins beschulen zu lassen, wird zu einer weiteren Verschärfung für die staatlichen Berufsschul-Standorte Köln, Düsseldorf und Dortmund führen. Wir können froh sein, wenn wir überhaupt noch eine Buchhändlerklasse zusammenbekommen“, kommentiert Peter Cremer, Bildungsgangleiter Buchhandel am Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln, die Lage. Der Lehrer, der 2011 als Sachverständiger in der Rahmenlehrplankommission der Kultusminister der Länder am Prozess der Neuordnung des Berufsbildes Buchhändlerin/Buchhändler beteiligt war, malt ein düsteres Bild und warnt vor irreparablen strukturellen Schäden am Ausbildungssystem, falls die Bereitschaft auszubilden weiter sinkt und die Konzentrationsprozesse in Seckbach weiter zunehmen.

Cremer hält „die flächendeckende Ausbildung ohne Kursgebühren auf fachlich höchstem Niveau“ für akut gefährdet. Wegen der Ausbildungszurückhaltung mussten bereits Berufsschulklassen an den Standorten Bielefeld, Herne und Münster geschlossen werden. „Da es der Rahmenlehrplan ausdrücklich so vorsieht, wird die Zuweisung des buchhändlerischen Nachwuchses zu Einzelhandelsklassen zunehmend wahrscheinlich, falls die Zahl der Ausbildungsverhältnisse weiter abnimmt“, argumentiert Cremer. 

Mehr zum Thema im buchreport.express 18/2013 (hier zu bestellen).

Kommentare

1 Kommentar zu "Gefährdete Berufsschulklassen"

  1. Milena. Riehl | 13. Mai 2013 um 16:18 | Antworten

    ‚Die flächendeckende Ausbildung ohne Kursgebühr‘ ist akut gefährdet. Interessant wäre die Info was Mayer, Thali und Osiander für den einzelnen Azubi in Seckbach aufwenden? Oder ist es ein Abkommen zwischen der zweifelsohne rührigen Frau Kolb Klausch mit den ausbildenden Flagschiffunternehmen? Bezahlt as einzelne Sortiment um’s Eck einen gleichen Satz?

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