Mehr Bodenhaftung

Die CDU/CSU hatte Informationsbedarf. Am 24. April wurde auf der Frak­tionsebene des Bundestags die offenbar gar nicht provokativ, sondern ernst gemeinte Frage gestellt: „Das Gedruckte – nur noch etwas für Nostalgiker?“ Auf dem Podium saßen Autoren, Verleger und Buchhändler; im Publikum fußballabstinente Kulturfreunde, Mitglieder und -arbeiter des Börsenvereins  sowie Parteiangehörige aus CDU und CSU. Vom Zuhörer aus rechts außen auf dem Podium quälte sich der 66-jährige Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder durch den Abend. 
Die Politik hatte einen Teppich ausgerollt und Honnefelder, der die Branche seit sieben Jahren fasanenhaft repräsentiert, ist gestolpert. Das hätte nicht passieren dürfen, nicht dem Vorsteher, nicht im Reichstag, nicht, nachdem oft beklagt worden ist, dass die Branche mit ihren Anliegen schwer durchdringe.
Passiert ist es, weil der zweite Diplomat des Börsenvereins, Alexander Skipis, den amtsmüden Honnefelder an diesem lauen Frühlingsabend nicht vertreten konnte oder wollte. Skipis war in ähnlicher Mission, aber an anderem Ort unterwegs: Ihn soll die SPD zu einem Hintergrundgespräch gebeten haben. 
Der 24. April hat gezeigt, woran der Buchhandel krankt: Er muss die Lobbyarbeit professionalisieren. Die Automatenaufsteller sind besser; sie bekommen ihre Deals durch. Kann es angehen, dass Verleger von Spielhallenbesitzern lernen müssen? Haben sie sich zu lange in intellektuellen Zirkeln verschanzt? 
Was die Branche jetzt braucht und wohl auch bekommt, ist ein Vorsteher, der die Menschen kennt und ohne Berührungsängste mit ihnen redet, einen Buchhändler, einen, der auch mal am Samstag um 12 Uhr an der Kasse steht.

Kommentare

1 Kommentar zu "Mehr Bodenhaftung"

  1. Manuel Bonik | 3. Mai 2013 um 13:12 | Antworten

    Gut wäre auch noch, wenn eine Lobby, so ihr denn Gehör geschenkt wird, vernünftige Ziele hätte. Ich konnte an diesem Abend, der leider keine Publikumsrunde hatte, das Kichern gelegentlich nur schwer unterdrücken. Nicht, weil Honnefelder einen ein wenig bekifften Eindruck machte. Sicher nicht, weil man jetzt die Themen Buchpreisbindung und Ebook-Mehrwertsteuer in die Agenda gewuppt hat.

    Aber endlich standen da die Politiker Kretschmer, Krings und Wöhrl auf der Bühne und bettelten fast um Vorschläge der Buchbranche, wie sie ihr denn helfen können, ohne eine Antwort zu bekommen. Und Kretschmer sagte dann noch, dass sie sich jetzt für Warnhinweise auf Piratenseiten einsetzen wollen – sorry, ist bei uns in der Firma ein running gag. Ist natürlich kompletter Unfug. Da konnte der Eindruck nicht ausbleiben, dass sich hier Blinde und Lahme über Zehnkampf unterhalten.
    Aber das Buffet war ok.

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