Bücher ohne Barrieren

Amazon senkt die Barrieren seiner E-Book-Angebote: Blinde und Sehbehinderte können sich ab sofort über eine Sprachsteuerung oder Braille-Tastatur durch die Kindle Reading App für iOS navigieren. Die Apps für weitere Lesegeräte sollen bald folgen.
Amazon nutzt die VoiceOver-Technologie von Apple, mit der Blinde und Sehbehinderte ihr Gerät mittels Tastatur und Spracheingabe steuern können. Auf der Kindle-App für das iPad und iPhone können Blinde und Sehbehinderte ab sofort folgende Funktionen nutzen:
  • Vorlesefunktion der rund 1,8 Mio im Kindle-Shop verfügbaren E-Books (kontinuierlich, Zeichen-für-Zeichen-, Wort-für-Wort, Zeile für Zeile, vorwärts oder rückwärts im Text)
  • Nahtlose Navigation durch die Bibliothek oder innerhalb der E-Books
  • Sortierung der Bücher nach Autor oder Titel
  • Suche nach einem Buch in der Bibliothek oder innerhalb eines E-Books
  • Hinzufügen und Löschen von Notizen, Lesezeichen und Highlights
  • Teilen auf Facebook und Twitter
  • Nachschlagen von Charakteren, Orten und weiteren Hintergrundinformationen (X-Ray)
  • Nachschlagen von Wörtern im Wörterbuch und im Online-Lexikon Wikipedia
  • Ändern von Schriftart, Schriftgröße, Hintergrundfarbe, Rand und Helligkeit
  • Möglichkeit, eine Braille-Tastatur zu nutzen
Auch die weiteren Apps und Geräte von Amazon sollen in Kürze angepasst werden. Bereits im Dezember 2012 hatte das Unternehmen angekündigt, das hauseigene Tablet „Kindle Fire“ barrierefrei zu machen.
Amazon reagiert damit auf die Kritik von Blinden und Sehbehinderten: Die National Federation of Blind hatte seit Einführung des Kindle moniert, dass die Menüführung der Lesegeräte so gestaltet sei, dass Blinde den E-Book-Reader ohne Hilfe nicht nutzen könnten. Zuletzt haben im Dezember 2012 knapp 100 Blinde vor dem Amazon-Hauptgebäude protestiert. Ihre Kritik: Amazon dränge in die Klassenräume und grenze damit Blinde und Sehbehinderte aus, die die Lesegeräte nicht richtig nutzen können.

Die Anpassung der Reading App für iOS begrüßt die Interessensvertretung der Blinden als „wichtigen Schritt“, mahnte aber an, dass die Software noch weiter verbessert werden müsste. Amazon sollte jetzt auch seine hauseigenen Kindle-Geräte anpassen und diese künftig direkt bei Erscheinen und nicht erst im Nachhinein barrierefrei machen. 

Kommentare

2 Kommentare zu "Bücher ohne Barrieren"

  1. Es wurde ja auch längst Zeit. Und voraus hat Amazon anderen gar nichts. iBooks ist schon ewig barrierefrei nutzbar. Es war viel Druck notwendig, damit Amazon sich mal bequemt hat. Hier mehr zu den Accessibility-Funktionen auf iOS-Geräten: http://kuubus.de

  2. Tja, wieder etwas, dass Amazon der Konkurenz voraus hat.

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