Auf einer Stufe mit Museen und Bibliotheken

Mit einem spektakulären Schlussplädoyer hat Klopotek-Direktor Helmut von Berg (65, Foto: ©Klopotek) am Dienstagabend in Berlin das diesjährige Publishers’ Forum beendet, bei dem buchreport als Medienpartner fungierte. An dem zum zehnten Mal ausgerichteten zweitägige Symposium über die Weiterentwicklung des Publishing im Zeichen der Digitalisierung, haben wieder zahlreiche Verlagsleute und Dienstleister aus dem In- und Ausland teilgenommen; parallel war am zweiten Tag die auf E-Book-Themen fokussierte TOC buchreport-Tagung angedockt.

Berg forderte, Verlage, die am Markt bestehen wollten, müssten dringend umdenken. Die Branche habe ihren Status des Besonderen eingebüßt und stünde heute auf einer Stufe mit Museen und Bibliotheken: „Wir haben es mit Lagerstätten zu tun, an denen etwas abgelegt wird.“ Publishing werde nicht die Domäne von Verlagshäusern bleiben.

„Kleinste Inhalte monetarisieren“

Wer den Content, der am Markt gefragt ist, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Form präsentieren möchte, müsse, so von Berg, „eine Flughöhe gewinnen, aus der die Details verschwinden“. Überleben würden diejenigen Medienunternehmen, „die gut vernetzt sind und eine Gruppe von Kreativen und Dienstleistern haben, auf die sie sich auf der Basis von Ausstiegsklauseln verlassen können“. Netzwerke seien „wirtschaftlich sinnvoll, überlebensnotwendig, weil ich als Verlag über bestimmte Kompetenzen nicht mehr verfüge.“

In diesem Zusammenhang appellierte er, dass „lange Vertragsverhandlungen und Ausschreibungen keinen Sinn mehr machen. Das muss man in bestimmten Rhythmen tun, danach aber möglichst lange an einem Pool von Partnern festhalten, da der Markt zu schnell geworden ist, um immer wieder neue Entscheidungen zu treffen.“

Als Hausaufgabe gab von Berg  den Teilnehmern des Publishers’ Forums mit auf den Weg, Prozesse noch exakter zu strukturieren, um im Alltag Zeit zu sparen und diese gesparten Stunden für strategische Arbeiten nutzen zu können. Außerdem ermögliche ein strikter Prozess, der in kleinste Einheiten heruntergebrochen werden kann, „kleinste Inhalteeinheiten ohne großen Aufwand zu monetarisieren“. Die Bedeutung der Produktion selbst nehme ab, „denn diese ist im Bereich content enrichment und targeting enthalten.“ Tätigkeiten, die früher kaum eine Rolle gespielt hätten, gehörten aber dazu und seien ungleich wichtiger als früher: „die Auffindbarkeit sichern, den Kundennutzen bestimmen, das Erdenken von Stukturen für Vertriebskanäle – und zwar schnell, denn sonst wendet sich der Leser an einen anderen Anbieter.”

Das 11. Publishers’ Forum will Klopotek am 5./6.  Mai 2014 in Berlin veranstalten, allerdings wohlmöglich an einem neuen, größeren Veranstaltungsort.

Kommentare

3 Kommentare zu "Auf einer Stufe mit Museen und Bibliotheken"

  1. Offensichtlich kann man am Ende dieses knapp halbstündigen Vortrages auch ganz andere Kernbotschaften vernommen haben, die dann als Headline zur Berichterstattung dienen. Man mag, laut Bericht, dem noch zustimmen, dass der Referent in seinem Vortrag dem Auditorium die Leviten für eine ganze Branche gelesen haben mag. Das trifft allerdings auf eine ganze Menge mehr von Botschaften und Botschaftern ebenfalls zu, die innerhalb der Digitalisierungsdebatte der Buchbranche davon sprechen, dass das Ziel von Arbeitsfluss und Arbeitsergebnis nicht mehr ein fertiges Produkt (früher wie heute „Buch“ genannt) sein wird, sondern ein Halbfertigprodukt (heute wie in Zukunft wohl „Content“ mit Zusätzen wie enriched, enhanced, enlarged genannt), dem ich erst dann, nach einer sehr aufwändigen Präproduktionsphase, als digital aufbereitetem und endgültig vorliegendem Content „das mitgebe, was ich weiß, damit der am Markt Erfolg hat“, so Helmut von Berg auf dem diesjährigen Publisher’s Forum.

    So wie ich den Vortragenden verstanden habe sieht er die Zukunft der Verlage im Zuge der Veränderungen durch die Digitalisierung u. a. in der Nähe musealer oder bibliotheksmäßiger Umgebung eintauchen – ein Vergleich der manchem (re)präsentativen, pädagogischen und publizistischem Können eben diese Einrichtungen in der Vermittlung von Information, Wissen, Unterhaltung und auch der vielkanaligen Vernetzung in der Bedarfsdeckung von Tradition, Zukunftszuwendung , Bildung und Kultur bei weitem nicht (mehr) gerecht wird und was wohl für manches Verlagsprofil eine Aufwertung wäre.

    Erste Aufgabe der Verlage wird, gemäß „spektakulärem Schlußwort des Klopothek-Direktors“ wohl sein, Content zu finden (durch Algorithmen), Content bereitzustellen (durch Aufbereitung) und dann Content auffindbar zu machen (durch die Beigabe im Hintergrund wirkender Metadaten). Die zweite Aufgabe wird es (ab dann) sein, diesen Content zur Vermarktung nutzbar zu machen. Und damit beginnt nach der aufwändigen und kostspieligen Präproduktionsphase die eigentliche Produktion, in dem dieser Content in eine monetarisierbare Marktform oder deren mehrere gebracht wird. Und ab dann gewinnt in einer dritten Stufe die Kundenorientierung, der Customer Service, die Leistungsbereitschaft und auch der Willen und die Fähigkeit zum Service die Vorhand.

    Und alles das zusammengenommen wird wohl ein Verlag herkömmlicher Strukturen durch ganz andere (enriched, enhanced, enlarged )Kompetenzanforderungen gar nicht mehr alleine stemmen können. Es wird eine „Diversifikation von Geschäftsmodellen und organisatorischen Einheiten“ geben. Und das ist für mich die Kernbotschaft dieses Referats: „Verlagshäuser werden zerfallen, oder auch nicht. Jedenfalls werden sie nicht mehr diese riesigen Einheiten sein als Oberhirte aller Prozesse um Content ins Ziel zu bringen und werthaltige Nutzung zu erzeugen.“

    Damit ist nicht gesagt „Verlage werden verfallen“. Was sie sein werden, sie werden vermutlich spezialisierte Kompetenzzentren sein als Knotenpunkt in einem Netzwerk zwischen Autor und Leser, um den sich weiterhin ständig ändernden Erwartungen aller „Buchwelt“ –Anspruchsgruppen (Stakeholder) vom Manuskript bis zur Makulatur mit den Fortschritten der Informationstechnologie zu begegnen. Der ganze Beitrag unter http://antiquariatszeitung.de/

  2. Helmut von Berg | 26. April 2013 um 13:11 | Antworten

    Bevor man kommentiert, sollte man sicher sein, dass man von zutreffenden Voraussetzungen ausgeht.

  3. Dorothea Redeker | 25. April 2013 um 15:54 | Antworten

    Der ständige Appell hat die Veränderungsbereitschaft der Verlage mag ja richtig sein, aber bitte doch mit passenden Vergleichen. Viele Museen und Bibliotheken sind schon lange keine „Lagerstätten“ mehr- sie orientieren sich an den Interessen ihrer Besucher, haben ihre Vermittlungsrolle erkannt und tolle Angebote aufgebaut, im Veranstaltungsbereich, in der Museumspädagogik, aber auch beim unmittelbaren Erleben der Ausstellungen.

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