Verlage müssen den Reset-Button drücken

Diskutierten über die Auswirkungen der Digitalisierung in den Verlagen (v.li.): buchreport-Moderator Rüdiger Wischenbart, Helmut Pesch, Joerg Pfuhl und Tom Erben.

Gibt es einen „Clash der Kulturen“? – dies war eine der Leitfragen der Diskussionsrunde zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Programmgestaltung und sonstige Strukturen der Verlage auf der TOC buchreport. Die Bandbreite der Antworten reicht von „eher nein“ bis „Verlage müssen den Reset-Button bei der E-Book-Revolution drücken“.

Dass sich Verlage mit klassischen Tugenden – so etwa der Fokussierung aufs Lesen (statt auf multimediale Imhalte) – im E-Book-Zeitaler positionieren können, davon zeigte sich Tom Erben, Marketing-Chef im Aufbau Verlag, überzeugt. Mit den E-Books seien keine neuen Produkte entstanden, wohl aber eine neue Kommunikation mit dem Leser und neue Möglichkeiten im Marketing. 
Der frühere Chef der Verlagsgruppe Random House, Joerg Pfuhl, erklärte, in den Verlagen werde noch sehr traditionell gedacht – E-Books seien oft nur ein weiteres Format. Dies sei „zu kurz gesprungen“. Der Chef der Stiftung Lesen und Aufsichtsrat der Edel AG verwies auf kürzere E-Book-Formate, auf die Firmen wie Byliner oder Atavist spezialisiert sind. Pfuhls Ratschlag an die Verleger: Sie müssten bei der E-Book-Revolution den „Reset-Button“ drücken und sich organisatorisch neu aufstellen – es müsse in den Verlagen Mitarbeiter geben, die ausschließlich für den digitalen Bereich zuständig seien.
Helmut Pesch aus der Lübbe-Digitalsparte Bastei Entertainment gab einen Einblick in die digitale Werkstatt des Verlags. Dort habe es durchaus einige Irrtümer gegeben – etwa beim Pricing von E-Books. Die Kölner setzen dennoch alles daran, an die eigene Serienromane-Tradition im digitalen Zeitalter anzuknüpfen, auch wenn die Kosten hoch sind. Für die „Apocalypsis“-Reihe habe Lübbe einen sechsstelligen Betrag vorgelegt – mittlerweile zahle sich die Investition allerdings aus.

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