Monatspass

Mängel im Marketing

Als Argument gegen Selfpublishing-Angebote führen Verlage häufig ihre professionellen Presse- und Marketingabteilungen an. Ein Argument, das aus Autorensicht nicht immer trifft. Denn: Jeder zweite Autor ist unzufrieden der Vermarktung seiner Werke. Dies ist das Ergebnis einer Befragung der Schriftstellerverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.
Anlässlich des Welttags des Buches und des Urheberrechts haben die Schriftstellerverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Mitglieder über ihre Beziehung zu den Verlagen befragt. Sie folgten damit dem Beispiel Frankreichs, wo die Société civile des auteurs multimedia seit vier Jahren eine ähnliche Umfrage durchführt. 
Die Ergebnisse im Detail: 
  • Auch wenn die Mehrheit der deutschsprachigen Autoren mit ihrem Verlag zufrieden ist, kritisiert immerhin knapp ein Drittel die Zusammenarbeit. Rund 8% befänden sich in einer konfliktreichen Situation. Das ist zu viel, finden die Autorenverbände und fordern bessere Bedingungen. 
  • Auch in der inhaltlich-kreativen Zusammenarbeit – insbesondere mit dem Lektorat – gebe es häufig Unstimmigkeiten, berichten 21% der Autoren. 
  • Mit der kommerziellen Verwertung seiner Werke ist jeder zweite Autor unzufrieden. Dies gilt auch für die Kommunikation und Pressearbeit, die 52% der Autoren bemängeln. 
  • Die Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz seien minimal. Dies gilt auch im Vergleich mit Frankreich.
Mit den Vertragsbedingungen der Verlage haben 33% der Autoren Schwierigkeiten. Im Detail: 
  • 59% der befragten Autoren erhalten als Vergütung weniger als 10% Tantiemen. 
  • Rund jeder Dritte bekommt genau 10% Tantiemen. 
  • Keiner der Befragten erhält mehr als 12% Tantiemen für die Nutzung des Hauptrechts.
  • Nur jeder zweite neue Vertrag (55%) enthält eine Klausel zur digitalen Nutzung. 
  • Ein Vertrag für die ausschließliche digitale Nutzung eines neuen Werks wird bisher nur selten abgeschlossen (6%). 
  • Um die Zusatzvereinbarung über die digitale Nutzung früherer Werke wurden bisher auch nur 17% aller Befragten gebeten.
An der Befragung haben sich nach Angaben der Verbände rund 1200 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. 

Kommentare

3 Kommentare zu "Mängel im Marketing"

  1. Michael Farthofer | 24. April 2013 um 8:34 | Antworten

    wenn die verlage so überproduzieren: kein wunder. wie soll man pro halbjahr 30 titel adäquat bewerben? (und da sind TB schon mal ausgenommen, bei denen sich auch immer neuerscheinungen finden) das ist im budget einfach nicht drinnen. less wäre halt more…

  2. Besonders interessant finde ich, dass jeder zweite Autor unzufrieden ist – offenbar also auch diejenigen, die bei großen Publikumsverlagen unter Vertrag stehen. Dabei möchte man annehmen, dass dort die Mittel für Marketingmaßnahmen vorhanden sind. Ich persönlich fahre zweigleisig: Meine Romane werden bei einem Verlag veröffentlicht, meine anderen Arbeiten gebe ich als Selfpublisher heraus. Der Marketingaufwand ist für mich in beiden Fällen gleich hoch. In rund einem Jahr wird mein neuer Roman fertig sein. Ich bin gespannt, wie sich die Branche bis dahin entwickeln wird, doch wenn es so weitergeht, wird Selfpublishing bald keine Alternative mehr sein, sondern die Lösung. Die freien Lektoren wird’s freuen!
    http://blog.miriam-pharo.com/

  3. Günter Yogi Lauke | 22. April 2013 um 15:08 | Antworten

    Es soillte besser heissen: “Jeder Autor ist unzufriedenmit der Vermarktung!”
    Und das könnt IHR gaaanz laut sagen…LEIDER!
    LaukeMedia.com

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