Ein Shop für alle Buchhändler?

Der Aufbau einer gemeinsamen Metadatenbank war das zentrale Thema des Branchenparlaments in Frankfurt. MVB-Geschäftsführer Ronald Schild brachte auch eine branchenübergreifende Online-Plattform aller Buchhändler ins Spiel – und eine Kooperation mit der Tolino-Allianz. 
Im Sinne der Empfehlung des Vorstands hat Schild die Aufgabenbereiche der MVB neu strukturiert. Das auf dem Branchenparlament präsentierte Ergebnis:
  • B2B-Geschäft: Das B2B-Geschäft vom VLB, von Libreka und Claudio soll unter dem Arbeitstitel „VLB plus“ zusammengefasst werden. Die VLB-Daten werden in das „VLB plus“ überführt und um die Informationen aus der Metadatenbank angereichert.
  • Endkundengeschäft: Die Daten aus Libreka, buchhandel.de, den MVB-Shops und Claudio sollen überführt werden in ein „neues buchhandel.de“, dessen Finanzierung aber noch nicht gesichert ist. 
  • E-Reader-Angebot: Das Angebot eigener E-Reader wird eingestellt. Stattdessen will die MVB bestehende Verhandlungen mit der Tolino-Allianz fortführen. 
Die Metadatenbank, nimmt nach der Empfehlung des vergangenen Branchenparlaments und ersten Gesprächen mit den Barsortimenten inzwischen konkretere Formen an. Gebündelt werden sollen möglichst viele der in der Branche verfügbaren Informationen, darunter: 
  • Bibliografische Daten
  • Katalogdaten von allen Barsortimenten sowie von Aggregatoren wie Ciando oder Claudio
  • Metadaten wie Inhaltsverzeichnisse, Leseproben, Autoreninformationen, Lesungstermine, Literaturpreise, Vorschauen, Werbeschaltungen
  • Hausartikel der Buchhändler 
  • Lieferbarkeitsdaten der Verlagsauslieferungen
  • Informationen zu Werbeschaltungen und Rezensionen aus dem Feuilleton 
  • fakultativ: Informationen zu Zeitschriften sowie aus  Auslands- , und Antiquariatskatalogen
  • Auch die Lieferbarkeitsinformationen der Barsortimente möchte Schild aufnehmen, betonte aber, dass es sich hierbei um ein „heikles Thema“ handele, da nicht alle Barsortiment dazu bereit seien, ihre Daten zur Verfügung stellen. 
  • Empfehlungsdatenbank: In enger Zusammenarbeit mit dem neu eingerichteten Arbeitskreis E-Commerce entstand die Idee, ein Rezensionsnetzwerk aufzubauen und die Empfehlungen und Rezensionen aller Sortimenter gebündelt anzuzeigen.
  • Verfügbarkeitsabfrage: Buchhandel.de könnte zudem anzeigen, welche Buchhandlung in der Nähe ein bestimmtes Buch auf Lager hat – sofern die Buchhändler die Lieferbarkeit an buchhandel.de melden. Beide Optionen hatte zuletzt auch René Kohl im Interview mit buchreport.de ins Spiel gebracht (hier nachzulesen).
Insbesondere mit dem Aufbau der Empfehlungsdatenbank kommt auf die MVB keine einfache Aufgabe zu – müssen doch die Buchhändler davon überzeugt werden, die Früchte ihrer Leistungen mit konkurrierenden Buchhändlern zu teilen. Auch wenn er für die Vorbehalte der Buchhändler Verständnis zeigte, betonte Schild, dass kein einzelner Buchhändler Rezensionen in der Masse wie Amazon alleine zur Verfügung stellen können. 
Die Interessen der Verlage und Händler stünden hier im Widerspruch, so Schild: „Die Verlage wollen die Informationen möglichst breit verteilen, für sie ist Amazon ist wichtiger Partner. Die Sortimenter wollen, dass die Arbeit nur ihnen und ihren Kollegen zugute kommt“ – nicht der Konkurrenz aus Seattle. Der MVB-Chef schlug deshalb vor, die Informationen der Verlage an alle Händler auszuspielen, während die Daten der Buchhändler allein Börsenvereinsmitgliedern vorbehalten bleiben.
Die Zukunft von buchhandel.de 
Unabhängig von der Metadatenbank soll auch die Weiterentwicklung der Endkundenplattform buchhandel.de vorangetrieben werden. Die Metadatenbank könnte entweder in buchhandel.de integriert werden oder „nur“ als Schnittstelle zu bestehenden Shop-Lösungen dienen. Schild stellte zwei mögliche Optionen in den Raum, über deren Umsetzung die Mitglieder auf den Buchtagen in Berlin abstimmen sollen:
  • Mini-Relaunch von Buchhandel.de: Insbesondere die von Roland Reuß angestoßene Diskussion um die Bibliothekskataloge, die zu Amazon verlinkt haben (hier mehr), habe gezeigt, dass der Buchhandel buchhandel.de brauche, damit externe Partner zu einem Netzwerk der Sortimenter verlinken können. Die Plattform soll deshalb „mit relativ wenig Geld aufgehübscht“ werden. Das Geschäftsfeld würde sich als Serviceleistung für den Buchhandel von selbst tragen. 
  • Buchhandel.de als branchenübergreifende Plattform: Alternativ könnte buchhandel.de ausgebaut werden zu einer gemeinsamen Online-Plattform aller Buchhändler – entsprechend der Forderung von eBuch-Vorstand Lorenz Borsche. Dieses Projekt wäre deutlich aufwendiger und erfordere eine „vernünftige Finanzierung“, die Schild auf den Buchtagen in Berlin erläutern will. Voraussetzung für die einheitliche Plattform ist: Die Buchhändler müssen sich auf einheitliche Rahmenbedingungen einlassen und sich beispielsweise dazu verpflichten, versandkostenfrei zu liefern und einheitliche Versandbedingungen und Zahlungsformen anzubieten. 
Zusammenarbeit mit der Tolino-Allianz
Die MVB führt außerdem Gespräche mit der Tolino-Allianz über eine Beteiligung der unabhängigen Sortimenter an ihrer E-Book-Lösung (hier mehr zu Tolino). Die Gespräche seien bereits in der technischen Feinabstimmung, erklärte Schild im Gespräch mit buchreport.de. Auf den Buchtagen in Berlin will er die Details und Kosten vorstellen. 
Eine Beteiligung an der Tolino-Allianz wäre sowohl für die Tolino-Partner als auch für die übrigen Börsenvereins-Mitglieder von Nutzen, so Schild: Die Allianz-Partner könnten den Tolino als einheitliche Branchenlösung präsentieren; der Buchhandel profitiere von einer technisch ausgereiften E-Book-Lösung. Die MVB soll dabei als Mittler fungieren und die Verteilung der Geräte, die Integration der E-Book-Shops und die Kommunikation der Partner koordinieren – mit dem Ziel, den gesamten Buchhandel einzubinden.
Voraussetzung für die Kooperation mit den Tolino-Partnern ist laut Schild die Einhaltung von Qualitätsstandards, insbesondere in Bezug auf die Schulung der Mitarbeiter, die Präsentation der E-Reader, die Marketingaktivitäten und die Kundenbetreuung (etwa über Call-Center). Offen sei noch, wie der Tolino an die verschiedenen Shopsysteme der Buchhändler angebunden werden könne. 
Der Sortimenterausschuss (SoA) berät die MVB durch eine Arbeitsgruppe bei den Verhandlungen und gab der Wirtschaftstochter in seiner Sitzung seinen Segen für die Verhandlungen: „Der SoA unterstützt die MVB in ihren Verhandlungen bei der Weiterentwicklung einer Branchenlösung für den Verkauf von E-Books. Unter dieser Prämisse soll die MVB Verhandlungen mit den Tolino-Partnern für eine mögliche Einbindung des unabhängigen Sortiments in die Tolino-Initiative führen.“

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