Skandalöse Werbeaktion der Kreissparkassen

Die Sparkassen wollen Kunden mit dem Kindle binden – und ziehen so den Zorn der Buchhändler auf sich. Sowohl der Buy-Local-Verein als auch der Sortimenterausschuss machen gegen die Marketing-Aktion mobil.
Die Kreissparkassen loben aktuell in einem bundesweiten Gewinnspiel (hier mehr) drei E-Reader von Amazon plus Buchgutscheine als Preise aus – obwohl die Firma die Verödung der Innenstädte vorantreibe, ärgern sich die Buy-Local-Vereinsmitglieder. Michael Riethmüller, Gründer der Initiative, will mit seiner Frau alle Konten, geschäftlich und privat, „so schnell wie möglich bei der KSK Ravensburg auflösen“, schreibt Riethmüller in einem offenen Brief an den Vorsitzenden des Vorstands der Kreissparkasse Ravensburg – und moniert darin die „skandalöse Werbeaktion der Kreissparkassen“.
Weiter heißt es: „Setzen Sie jetzt ein Zeichen und behalten Sie Ihre Glaubwürdigkeit als Bank mit regionaler Verantwortung.“
Auch der Sortimenterausschuss ärgert sich über die Aktion. SoA-Geschäftsführerin Kyra Dreher schreibt in einem Brief an den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, das Gewinnspiel sei „ganz offensichtlich ohne jedwedes Bewusstsein der fragwürdigen Positionierung eines einzelnen Online-Händlers konzipiert worden“ und „ohne jegliche Besinnung darauf, welches Signal Sie damit an Ihre zahlreichen Geschäftskunden aus dem stationären Buchhandel senden.“
Weiter schreibt Dreher: „Da mutet es mit Verlaub ironisch an, wenn Ihr Haus für den Regionalbezug in der Privat- und Geschäftskundenbetreuung wirbt und Ihre Unternehmen sich als ,Impulsgeber der lokalen Wirtschafts- und Strukturförderung‘ verstehen. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben einer Region bereichern ganz sicher nicht solche Kooperationspartner, die überhaupt nicht vor Ort in Erscheinung treten und stattdessen Wertschöpfung aus der Region, aus dem Land abziehen, um sie anderswo abzuführen. Die Tagespresse hat sich mit der Thematik unlängst eingehend befasst.“
Der SoA hat außerdem die Kanzlei Wallenfels eingeschaltet, zwecks einer preisbindungsrechtlichen Überprüfung.

Kommentare

9 Kommentare zu "Skandalöse Werbeaktion der Kreissparkassen"

  1. Amateurleser | 11. Mai 2013 um 23:36 | Antworten

    Für ein Preisausschreiben sind nun mal halbwegs attraktive Preise notwendig.

    Genaugenommen sind die Produkte der Ravensburger Buchhändler ja meist auch keine „regionalen Früchte“ und daher die lokale Wertschöpfungskette eher gering.

    Für zukünftige Preisausschreiben bleiben dann wohl nur noch Obst, Getränke, Backwaren, Fisch und Fleisch aus der Region. Naja – das kann ja was werden.

    Zudem sind es ja nur 3 Geräte für Deutschland. Nicht genug, dass Herr Riethmüller sich und seinen Verein, in meinen Augen, hier ziemlich lächerlich macht, versucht Frau Dreher dies, durch die Beauftragung einer Kanzlei, offensichtlich noch zu toppen.

    Ich für meinen Teil schätze an lokalen Buchhändler die oft breit gefächerte Kompetenz der Mitarbeiter – auch gegenüber modernen Medien. In Ravensburg scheint dies wohl deutlich weniger vorhanden zu sein.

  2. Hallo! Es geht hier nicht um das Ebook. Sondern darum, dass die Sparkasse einen Globelplayer unterstüzt, der sicher nichts für seine Angestellten oder die Region tut.
    Wer ist hier verschlafen?

  3. btw: Die Kritik an der Kreissparkasse trifft leider den falschen Adressaten. Veranstalter ist die Sparkassen-Finanzportal GmbH, der zentrale Online-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe.
    Da bundesweit genau drei(!) Geräte unter allen Teilnehmern verlost werden, wäre ein Gewinn in Ravensburg schon großes Glück.

  4. Typisch Deutsch. Du kannst die Uhr danach stellen, dass sich zu JEDEM Thema, und sei es auch noch so ein Mückenschisschen, irgendein selbsternannter Tugendwächter oder Interessenverein zu Worte meldet, und unter Weltuntergang machen die es dann auch nicht in ihrer Pressemeldung.
    Schleicht euch!

  5. Gut gemacht, Sparkassen. Wenigstens eine Sparte, die auf der Höhe der Zeit ist und nicht technisch und gedanklich in den 80er stehen geblieben ist. Übrigens lieber Buchhandle: Mit einem Kindle binde ich mich mitnichten an Amazon. Aber das könnt ihr ja nicht wissen…

  6. Die Zukunft sind nun einmal E-Books und das Kindle ist eine der besten Hardwares. Ob man bei Amazon kauft ist eine andere Frage, das Kindle liest ja epub.

  7. Flying Sorcerer | 29. März 2013 um 0:31 | Antworten

    Oh wow…

    Ich bin ja absolut PRO „Support your local dealer“.
    Und kaufe tatsächlich noch Bücher im lokalen Buchhandel.

    ABER: Da hat die versammelte Gemeinschaft deutscher Verleger/Verlageshäuser/Buchhändler das Angebot von Ebooks mal vollkommen verschlafen (ach was, eher willentlich übersehen) und jetzt versucht man mit solchen Aktionen dagegen zu steuern, weil eine harmlose Sparkasse es tatsächlich wagt einen Ebook-Reader zu verlosen?

    Wow… Das nenne ich wirklich grandios. Gescheitert.

  8. Ruprecht Frieling (Prinz Rupi) | 28. März 2013 um 22:09 | Antworten

    Man fasst es nicht: Da unterstützen Banken das Lesen, und schon ruft es diejenigen auf den Plan, die einfach nicht fassen wollen, dass sich auch die Geschichte des Buches entwickelt.

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