Es geht um alle gegen Facebook

Kleine Publikationen, minimale Dateigrößen, vernünftige Abo-Preise, fluider Veröffentlichungsplan – der Designer und Autor Craig Mod (Foto: privat) sorgt mit seinen Thesen zum subkompakten Publizieren auch in der Buchbranche für Diskussionen (buchreport hielt zu dem Thema kürzlich ein Webinar ab, das auf großes Interesse stieß; Informationen können per Mail an info@buchreport.de angefordert werden). Im Interview mit buchreport.de bricht Mod seinen Ansatz auf Buchverlage herunter. Und beschreibt den neuen Wettbewerb, in dem sich die Verleger positionieren müssen.
Bislang haben die klassischen Buchverlage nur zögerlich Erfahrungen mit dem subkompakten Pubblizieren gemacht. Aus welchen Gründen?
Das zu behaupten, ist nicht ganz fair, denn die Werkzeuge dafür sind noch so neu, und das Wissen, um diese angemessen zu nutzen, ist so technisch, dass die meisten Buchverlage gerade erst  – wenn überhaupt – ein Bewusstsein dafür bekommen. Die Sache wird dadurch noch komplizierter, dass einfache Werkzeuge für das subkompakte Publizieren immer noch nicht existieren. Alle Anwendungen, die gesamte Infrastruktur, die bislang damit verbunden ist, ist proprietärer Natur. Ich glaube allerdings, dass in diesem Jahr solche Werkzeuge entstehen werden, die es jedem ermöglichen – ob Buch- oder Zeitschriftenverlag oder aber irgendjemandem aus seinem Keller heraus –, einfach zu nutzende, leichtgewichtige Publikationen über alle Tablet-Plattformen zu veröffentlichen.
Ist die Infrastruktur von Buchverlagen kompatibel damit?
Subkompaktes Publizieren ist zunächst einmal nur ein Ethos, eine Philosophie. Das ist so, als ob man sagt: „Das physische Buch besteht aus 200 Seiten Text, auf der einen Seite zusammengeheftet, gebunden zwischen zwei Deckeln und eingeschlagen in Leder.“ – Nur eben das digitale Pendant. Ich rege an, dass das Ethos des subkompakten Publizierens – einfach, leicht, genuin digital, etc. – von jedem, unabhängig von der Infrastruktur, verfolgt werden kann. Wie gesagt, die allgemeinen Werkzeuge gibt es noch nicht.
In Deutschland setzen viele Verlage aktuell auf Anreicherungen der Buchinhalte. Wie schätzen Sie das ein?
Das sind einerseits notwendige Experimente. Ich glaube aber, dass die Video- und Audioinhalte zu diesem Zweck kompatibel mit der Art der Nutzung sein müssen – Smartphone? In der U-Bahn? Im Auto? Sonst funktioniert das nicht. Nur weil Bücher digital sind, heißt das nicht, dass die Inhalte durch Multimedia angereichert werden müssen. Selbst die reine Text-Lektüre hat einen großen Wert. Notizen und Hervorhebungen und die Frage, wie die Daten gesammelt, gespeichert und wieder referenziert werden können, sind genauso wichtig wie schicke Videos. „The Verge“ macht beispielsweise einen guten Job darin, wundervolle Artikel und brilliante Videos zu erstellen. Manchmal erscheinen sie zusammen, manchmal nicht. 
Mangelnde Reichweite ist eines der größten Probleme von Verlagen, die ihre Bücher oder (Web-)Apps abseits von Amazon, Google und Apple verkaufen. Was tun?
Eine Plattform an und für sich löst niemals das Problem der Distribution. Sie macht den Vertrieb einfacher, aber die Verlage müssen sich selbst darum bemühen, Kunden anzuwerben.
In Ihrem Manifest zitieren Sie Clayton Christensen, der das Beispiel entwirft, dass man in einer Schlange zehn Minuten auf Kaffee wartet. Man greift zum Smartphone, um sich in den zehn Minuten unterhalten oder bilden zu lassen. Diese zehn Minuten wollen neben den Buch- auch die Zeitschriftenverleger füllen. Erwarten Sie einen neuen Wettbewerb?
Nicht alle Medien müssen in alle Kontexte passen. Einerseits könnte man sagen, dass Buchverleger ihre Inhalte in 10-Minuten-Stücke aufteilen sollten. Das passt allerdings nicht so ganz zum Grundgedanken eines Buches. Vielleicht sollten sich die Buchverlage keine Sorgen machen, ob sie jemanden in der Warteschlange erreichen. Wie auch immer, es geht nicht um Buch- versus Zeitschriftenverleger. Es geht um alle gegen Facebook, beispielsweise. Verlage können sich diesem Kampf durch brilliante Inhalte und einfache Container-Formate stellen.
Fragen, Übersetzung: Daniel Lenz

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