Wir dürfen unsere Position nicht verlieren

Die Amazon-Debatte ist keine Schwarz-Weiß-Diskussion, erklärt der Verleger Joachim Unseld im Video-Interview mit buchreport.de. Für Verlage sei Amazon aktuell ein angenehmer Kunde. Andererseits drohe die Verödung der Innenstädte. Und langfristig der Tod der Verlage. 
Unseld erklärt im Interview, dass Amazon einerseits für Verlage ein angenehmer Kunde sei, der nur bestelle, was verkauft werde – weshalb keine Remissionen anfielen. Kehrseite dieses „Convenience-Geschäfts“ mit solchen Internethändlern sei die Verödung der Innenstädte. Sollte sich der Trend fortsetzen, warnt Unseld, werde es irgendwann keine Schuhgeschäfte und keine Buchhändler, sondern nur noch Cafés wie Starbucks und Ein-Euro-Shops geben. „Es hat unsere Generation in der Hand, ob wir eine urbane Qualität behalten wollen.“ – Ähnlich wie K.D. Wolff lobt auch Unseld in diesem Kontext die Buy-Local-Bewegung, die hoffentlich in jeder Stadt Fuß fassen werde.
Unseld sorgt sich perspektivisch jedoch auch um die Verlage selbst: Wenn Amazon aggressiv hingehe und auch in Deutschland selbst als Produzent von Büchern auftreten werde, dann sei dies eine große Herausforderung für Buchverlage. „Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Position nicht verlieren.“ Es gehe Amazon nicht um Kultur, nicht um Inhalte, sondern nur um Vertrieb. „Wenn wir uns kaputtmachen lassen durch einen Monopolisten, sehe ich auch Gefahren im Hinblick darauf, was kommende Generationen an kultureller Tradierung durch die Medien erfahren werden.“ 

Kommentare

1 Kommentar zu "Wir dürfen unsere Position nicht verlieren"

  1. »Es wird bestellt, was auch gekauft wird.« Joachim Unseld.

    Das Schaufenster Buchhandel ist zwar eine wertvolle Präsentationsfläche und eine Chance, über die Auslagen Käufer zu finden. Der Nachteil jedoch: Man muß Bücher physisch weit streuen, um diesen Effekt zu erzielen.
    Bei Amazon gibt es diese Haptik der Präsentation nicht, dafür aber alle digitalen Optionen – und diese reichen offenbar für viele Käufe schon aus.
    Die Konsequenz für die Verlag müßte, neben dem eBook-Geschäft sein: Print-on-Demand verstärken – denn um Amazon zu beliefern, braucht man ja keine großen Warenbestände vorzuhalten.

    »Wollen wir verödete Innenstädte haben?« Joachim Unseld

    Sind denn Innenstädte ohne Geschäfte öde? Man könnte sich auch eine Welt voller Spielflächen, Parks, WLAN-Cafés, Nachbarschaftshäusern, Kitas usw. vorstellen.
    Ist nicht die Fußgänger-Zone von Erkrath um 18:30 Uhr auch öde?
    Und sind nicht viele Fußgänger-Zonen mit ihren immer gleichen Anbietern sogar schon vor 18:30 Uhr ziemlich öde?
    Und war das nicht schon vor 10 Jahren so?

    Ich will nicht falsch verstanden werden – ich bin für lebendige Innenstädte.
    Aber ich finde nicht, daß das Internet Innenstäde öde macht; ich finde, die alles gleichmachende Ketten mach(t)en Innenstädte öde, Fußgängerzonen machen Innenstädte öde, Tempo 50 macht Innenstädte öde…

    Wie sieht künftig die Shop-Architektur und Buchkultur-Landschaft aus, die das Versprechen einlöst, unöde zu sein? Reichen unsere aktuellen Buchhandels-Konzepte dafür?

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