Meine Stadt soll leben!

Bei der „Buy Local“-Initiative von Michael Riethmüller bleiben Filialisten außen vor – die Vereinsmitglieder haben auf ihre Fahne geschrieben, sich von den Ketten vor Ort abzugrenzen. Jetzt springt der erste Filialist auf den Buy-Local-Zug, mit einer eigenen Initiative.
Die Mayersche Buchhandlung startet an ihren verschiedenen Standorten eine eigene Kampagne mit dem Slogan „Meine Stadt soll leben!“ Nach Angaben des Aachener Unternehmens wurden Plakate entwickelt und gedruckt, die möglichst in allen Filialen aufgehängt werden sollen. Der Untertitel der Kampagne, „Shoppen und Surfen vor Ort“, zeigt, gegen wen sich die Initiative richtet: freilich nicht gegen die Filialisten des Einzelhandels – zu denen die Mayersche selbst zählt –, sondern gegen große Internet-Shops wie Amazon.
Der gesamte Einzelhandel habe damit zu kämpfen, wenn seine Kunden nicht mehr die Fachkompetenz vor Ort, sondern immer mehr die Angebote riesiger Anbieter im Internet nutzten, begründet die Mayersche die Kampagne, für die Einzelhändler vor Ort, Werbegemeinschaften und Aktionsbündnisse ins Boot geholt werden sollen.

Eine Mayersche-Sprecherin ergänzt: „Wenn Geschäfte vor Ort schließen, verliert die Stadt an Attraktivität, Vielfalt und Lebendigkeit. Es gehen Ausbildungs- und Arbeitsplätze verloren. Die Stadt verliert Steuereinnahmen, die wieder zu Gunsten der Stadt eingesetzt werden könnten. Letztlich werden auch das soziale Engagement und die kulturelle Vielfalt leiden. Denn wenn Geschäfte schließen, bedeutet dies viel mehr als nur ein leer stehendes Ladenlokal…“

Dass Filialisten und „Buy Local“ in den Augen von Michael Riethmüller nicht zusammenpassen, das zeigt die Konfliktlinie in der eigenen Familie: Während Riethmüller selbst die politische Standort­händler-Kam­pagne vorantreibt, bleibt der von Bruder Heinrich und Neffe Christian Riethmüller geführte Buchfilialist Osiander außen vor. Im Interview mit buchreport (nachzulesen im buchreport.magazin 3/2013, hier zu bestellen) erklärt Christian Riethmüller entsprechend mit Blick auf die Kampagne: „Ich finde die Kampagne gut! Auch Osiander versucht, den Leuten klar zu machen, dass sie in ihrer Stadt und Region einkaufen sollten, um die Innenstädte attraktiv zu halten. Hinsichtlich ,Buy local‘ gibt es aber tatsächlich eine Konfliktlinie für ein Unternehmen wie unseres mit mehreren Standorten, was Sie daran erkennen, dass wir nicht Mitglied der Initiative sind.“

Kommentare

8 Kommentare zu "Meine Stadt soll leben!"

  1. Leider kaufen die Leute im Internet weil es bequem ist.

    So sind auch in den 70ern die Tante-Emma-Läden eingegangen.

    Ich befürchte,den Einzelhändlern vor Ort wird es ähnlich ergehen.

    Interessanterweise werden die Online-Käufer sich irgendwann beklagen, dass einkaufen vor Ort keinen Spaß macht,weil es so viele Leerstände gibt.

    Aber das Volk bekommt was das Volk verdient!

  2. Klaus Daccache | 24. März 2013 um 15:11 | Antworten

    Aus meiner Sicht gibt es für jede lokale Händleraktion nur einen vernünftigen Weg, nämlich einen gemeinsamen weg von Filialist und inhabergeführtem Unternehmen. Es ist an der Zeit, Einzelhandel nicht mit einzeln handeln zu verwechseln.

  3. Literaturfreund | 22. März 2013 um 19:22 | Antworten

    Amazon expandiert, Mayersche implodiert. Wenn ich Familie hätte, wären mir die Zukunftsaussichten bei Amazon lieber. Mayersche hat vier Läden letztes Jahr geschlossen und schon vier Läden zur Schließung dieses Jahr bestimmt. Ein erfolgreiches Geschäftsmodell sieht anders aus.

  4. Wenn die Tendenz mit dem Online-Handel so weitergeht,haben wir vielleicht in 10 Jahren hunderttausende arbeitslose Einzelhändler/innen in Deutschland.Ein Teil davon kann dann wählen,ob er auf Berufe wie Handelsfachpacker/Fachlagerist oder Bote für DHL bzw. DPD umschulen möchte.

    • Oder er arbeitet im Amazon-Shop, dem es egal ist, ob man on- oder offline kauft, solange es bei Amazon ist.

  5. Es wäre ein einseitige Sichtweise zu behaupten, daß keine Fehler im System auch keine Nachteile bringen.

    Eher sollte drüber nachgedacht werden, was sinnvoll kommuniziert werden kann. Amazon verkauft nicht nur Bücher, zahlt hierzulande kaum bis garkeine Steuern behandelt seine Mitarbeiter übelst. Kaufen vor Ort hält tatsächlich was es verspricht. Steuern, Arbeitsplätze usw.

    Auch eine Mayersche Buchhandlung zahlt Steuern und Miete, bildet aus und bezahlt seine Mitarbeiter pünktlich.

    Soll die Mayersche lieber schließen? was ist mit den anderen Einzelhändlern? schließlich ist es ja auch ganz bequem, alles über Internet zu bestellen, was nicht passt wird kostenfrei zurückgeschickt, umgetauscht. Auf diese Art gibts dann wenigstens viel Fahrerjobs.

  6. Peter Sinsmark | 18. März 2013 um 11:37 | Antworten

    Vor allem da die Mayersche in der jüngsten Vergangenheit und in der nahen Zukunft mit Filialschließungen auch nicht gerade zur Einkaufsattraktivität der Innenstädte beiträgt.

  7. Literaturfreund | 18. März 2013 um 10:47 | Antworten

    Ätzend! Wie verlogen von der Mayerschen. Erst hat sie die vielen kleinen, lokalen Buchläden platt gemacht und eiskalt beseitigt oder geschluckt und jetzt versucht sich diese knallhart agierende Kette als Opfer darzustellen und tut so, als wäre sie eine schützenswerte, freundliche, inhabergeführte kleine Buchhandlung. Mögen möglichst viele kritische Kunden das üble Spiel durchschauen und der Schuß der Mayerschen nach hinten los gehen in Form von Kundenflucht.

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