Zwischen Leberwurst und Sprachgewittern

Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse hat David Wagner (Foto) mit dem Preis für den besten Roman ausgezeichnet. Den Sachbuch-Preis erhielt der Literaturkritiker Helmut Böttiger, die Auszeichnung für die beste Übersetzung geht an Eva Hesse. 

Roman:  David Wagner, Leben (Rowohlt, 19,95 Euro)

Der beste Roman ist aus der Sicht der Jury David Wagners „Leben“. Wie hält man sich den Tod vom Leib? – David Wagners erfundener Leidensbericht – oder durchlittene Erfindung – stelle diese Frage und führe zugleich eindrucksvoll vor, wie’s geht: mit Witz und Ironie, mit tapferem Trotz und Understatement – und mit Sinn für das Banale, die „kleinen Klinikfreuden“, alles, was den Kranken ans Leben bindet, und dazu gehöre auch der Speisezettel. Die Jury würdigt das Lakonische und den „zarten Humor“, mit dem Wagner die Geschichte erzähle (in der auch Leberwurst eine Rolle spielt). „Nüchterner Krankenhausalltag und existentielle Fragen liegen in dieser Romanerzählung so nah beieinander wie die Wörter Leber und Leben.“

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Sachbuch: Helmut Böttiger, Die Gruppe 47 (DVA, 24,99 Euro) 

Die Jury erklärt, der Kerr-Preisträger des Jahres 2012 habe in der Darstellung der Gruppe 47 neue Akzente gesetzt und ihre Geschichte durch genaue Porträts der Zentralfiguren nach gezeichnet und die Kritik an ihrem Gebaren untersucht. Durch die Auswertung vieler bisher unbekannter Dokumente und durch Gespräche mit Zeitzeugen entstehe ein lebendiges Bild der Frühgeschichte der BRD. Nie kapituliere Böttiger vor der Fülle der Anekdoten, um so plastischer träten markante Situationen wie die Kirke-Episode hervor, in der Ingeborg Bachmann 1954 Landser und Avandgardisten am Cap Circeo bei Rom versammele.

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Übersetzung: Eva Hesse für Ezra Pound, Die Cantos (Arche Verlag, 98 Euro)

Den Preis für die beste Übersetzung erhält Eva Hesse für die Übersetzung von Ezra Pounds „Die Cantos“ (Arche Verlag). Die Jury lobt Eva Hesse, die mit Pound selbst noch zusammenarbeitete, dafür, dass sie den Cantos in all ihrer Motivfülle und Komplexität eine Gestaltung im Deutschen gegeben habe. „Zum ersten Mal gibt es Ezra Pounds Cantos nun vollständig auf Deutsch – dank Eva Hesse mit allen Blitzen und Sprachgewittern des Originals.“ Mit der großen zweisprachigen Ausgabe der „Cantos“ liege nun ihr lebenslängliches „Work in Progress“, ihr großes Übersetzungs-, Vermittlungs- und Erklärungswerk in Sachen Ezra Pound vollständig und gerundet vor. „Für diese besondere Leistung, die das Zeug zur Legende besitzt, erhält Eva Hesse den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Übersetzung.“

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Die Nominierten

Kategorie Belletristik:

  • Ralph Dohrmann: „Kronhardt” (Ullstein Verlag)
  • Lisa Kränzler: „Nachhinein” (Verbrecher Verlag)
  • Birk Meinhardt: „Brüder und Schwestern” (Carl Hanser Verlag)
  • David Wagner: „Leben” (Rowohlt Berlin)
  • Anna Weidenholzer: „Der Winter tut den Fischen gut” (Residenz Verlag)

Kategorie Sachbuch/Essayistik:

  • Götz Aly: „Die Belasteten: Euthanasie 1939-1945” (S. Fischer Verlag)
  • Kurt Bayertz: „Der aufrechte Gang: Eine Geschichte des anthropologischen Denkens” (C.H. Beck)
  • Hans Belting: „Faces: Eine Geschichte des Gesichts” (C.H. Beck)
  • Helmut Böttiger: „Die Gruppe 47: Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb” (Deutsche Verlags-Anstalt DVA)
  • Wolfgang Streeck: „Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus” (Suhrkamp Verlag)

Kategorie Übersetzung:

  • Eva Hesse: „Die Cantos”, aus dem Englischen, von Ezra Pound (Arche Verlag)
  • Maralde Meyer-Minnemann: „Der Archipel der Schlaflosigkeit”, aus dem Portugiesischen, von António Lobo Antunes (Luchterhand Literaturverlag)
  • Alexander Nitzberg: „Meister und Margarita”, aus dem Russischen, von Michail Bulgakow (Galiani Berlin)
  • Claudia Ott: „101 Nacht” aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragen nach einer Handschrift des Aga Khan Museums (Manesse Verlag)
  • Andreas Tretner: „Briefsteller”, aus dem Russischen, von Michail Schischkin (Deutsche Verlags-Anstalt, DVA)

Über den Preis

Seit dem Jahr 2005 wird jeweils am ersten Buchmessetag in der Glashalle der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert und wird von einer siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen. Unterstützt wird der Preis durch den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB).

    Die Jury

  • Hubert Winkels, „Die Zeit“
  • René Aguigah: Deutschlandradio Kultur
  • Martin Ebel: „Tages-Anzeiger Zürich“
  • Eberhard Falcke: freier Kulturjournalist und Literaturkritiker
  • Ursula März: „Die Zeit“
  • Lothar Müller: „Süddeutsche Zeitung
  • Daniela Strigl: freie Literaturkritikerin


Die bisherigen Preisträger
  

Preisträger 2012

  • Wolfgang Herrndorf: Sand. (Rowohlt)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 5 am 2.4.2012
  • Sachbuch: Jörg Baberowski, Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt. (C.H. Beck) 
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 26 am 26.3.2012
  • Übersetzung: Christina Viragh für Péter Nádas‘ „Parallelgeschichten“ (Rowohlt).
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 31 am 5.3.2012

Preisträger 2011

  • Belletristik: Clemens J. Setz, Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes (Suhrkamp). 
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 33 am 4.4.2011
  • Sachbuch: Henning Ritter, Notizhefte (Berlin Verlag)
  • Übersetzung: Barbara Conrad, Lew Tolstois „Krieg und Frieden“ (Hanser) 

Preisträger 2010

  • Belletristik: Georg Klein, Roman unserer Kindheit (Rowohlt Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 25 am 5.4.2010
  • Sachbuch/Essayistik: Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. (Verlag C.H.Beck)
  • Übersetzung: Ulrich Blumenbach für: David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (Verlag Kiepenheuer & Witsch)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 8 am 7.9.2009

Preisträger 2009

  • Übersetzung: Eike Schönfeld für die Übersetzung von: Saul Bellow: Humboldts Vermächtnis (Kiepenheuer & Witsch)
  • Sachbuch/Essayistik: Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen (Rowohlt Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 19 am 30.3.2009
  • Belletristik: Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff (Suhrkamp Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 29 am 30.3.2009

Preisträger 2008

  • Übersetzung: Fritz Vogelgsang für Joannot Martorells: Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc (S. Fischer Verlag)
  • Sachbuch/Essayistik: Irina Liebmann: Wäre es schön? Es wäre schön.(Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 37 am 14.4.2008
  • Belletristik: Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter (S. Fischer Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 27 am 31.3.2008

Preisträger 2007

  • Übersetzung: Swetlana Geier für die Übersetzung von Fjodor Dostojewskijs: Ein grüner Junge (Ammann Verlag).
  • Sachbuch/Essayistik:Saul Friedländer: Die Jahre der Vernichtung. (Verlag C.H. Beck).
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 47 am 23.10.2006
  • Belletristik: Ingo Schulze: Handy. (Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 10 am 9.4.2007

Preisträger 2006

  • Übersetzung: Ragni Maria Gschwend für die Übersetzung von Antonio Moresco: Aufbrüche (Ammann)
  • Sachbuch/Essayistik: Franz Schuh: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche (Zsolnay)
  • Belletristik: Ilija Trojanow: Der Weltensammler (Hanser)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 12 am 8.5.2006

Preisträger 2005

  • Belletristik:Terézia Mora: Alle Tage (Luchterhand)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 29 am 11.10.2004
  • Sachbuch/ Essayistik: Rüdiger Safranski: Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus (Hanser)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 9 am 23.05.2005
  • Übersetzung: Thomas Eichhorn für Les Murray: Fredy Neptune (Ammann)

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