Vorsicht Buchmonopolisierer

Seit Wochen diskutiert die Buchbranche in erster Linie über die Marktmacht von Amazon. So wundert es nicht, dass der Vorsteher des Börsenvereins in seiner Rede zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse über fast nichts Anderes als Amazon gesprochen hat. Es drohe ein „weltweites Buchmonopol“, warnte Gottfried Honnefelder. Und lobte im Gegenzug die an der Pleiße gestartete Buchkampagne und die Tolino-Allianz (hier mehr).
Amazon, so Honnefelder, sei zwar ein „Könner seines Fachs“ und binde „unter kluger Nutzung von technischen Errungenschaften, mit verkäuferischen Finessen und ökonomischen Vorteilen“ die Kunden an sich. Doch Amazon-Chef Jeff Bezos sei es eigentlich egal, was er verkaufe: „Produkte und Inhalte sind nicht entscheidend, solange sie ein großes Potenzial bergen.“
Vor diesem Hintergrund sei es an der Zeit, in Leipzig „ein mitreißendes Plädoyer für den stationären Buchhandel“ zu halten – für den „Weltmeister im Bestellservice“, den „Onlinehändler mit stationärer Kompetenz“.
Honnefelder sieht nicht nur den Buchhandel durch die „Monopolisierung der Buchkultur“ bedroht. Gleiches gelte für Verlage und Autoren. „Handel strebt nach Marktführung, doch wer sich sehenden Auges in die Hände von Monopolisten begibt, muss damit rechnen, dass Unabhängigkeit, Individualität und Vielfalt klein geschrieben werden.“
Angesichts der öffentlichen Diskussion über Amazon und die Rolle des Onliners in der Buchbranche sei der Zeitpunkt des Starts der  Buchkampagne ideal – Verlage und Buchhandlungen könnten sich positionieren und ihre Interessen noch deutlicher artikulieren.
Schließlich widmete sich Honnefelder der Tolino-Allianz: Dies sei eine „vielversprechende Initiative der Buchbranche, die der Anfang sein könnte, den scheinbar kopernikanischen Gegensatz zwischen stationärem und Online-Buchhandel aufzuheben.“

Kommentare

2 Kommentare zu "Vorsicht Buchmonopolisierer"

  1. Wenn hier davon die Rede ist, dass es Amazon egal sei, welche Produkte und Inhalte verkauft werden, solange sie ein großes Potenzial bergen, mit anderen Worten „Umsätze!“ Sieht es denn bei den hier gelobten Verlagen anders aus? Die Umsätze brechen überall seit Jahren ein.(Wenige Bestseller ausgenommen) Dito bei den Zeitschriftenverlagen. Folglich fliegt aus dem Sortiment, was sich nicht mehr lohnt! Ob ein Buch etwas taugt, oder nicht- egal. Keine Einschaltquote- keine Sendezeit mehr,basta! Heute sitzen in vielen Verlagen nicht mehr die idealistischen Buchmacher von früher, sondern nur noch Zahlenmenschen. Und wie sagte einer von Ihnen vor kurzem:“ Ist mir Schei..egal, ob das Buch gut ist und was drin steht. Hauptsache es wird gekauft!“

    Bis auf ganz wenige Verlage geht heute doch niemand mehr ein Risiko ein. Vor allem im Sachbuchbereich sieht es düster aus, denn die Internetshops klauen aus den Sachbüchern die Texte, Inhalte, Ideen, wo sie nur können, damit sie ihre Produktseiten interessanter gestalten können. Also nicht nur Produkte anbieten, sondern gleich dazu „Unseren Rat von Experten“. Wird halt ein wenig umformuliert, passt dann schon. Klappt doch mit Doktorarbeiten genauso gut!

    Willst du Rat? Habe ich und das passende Produkt gleich dazu im Angebot!. Brauchst keinen Ratgeber mehr zu kaufen. Etwas über Kochen? Etwas zum Garten? Etwas zum vierbeinigen Liebling? Etwas zum Thema Gesundheit? Texte werden abgekupfert, was das Zeug hält.

    Diesbezüglich sind zumindest die Autoren von Krimis, Erotik, gängiger Literatur besser dran. Und bei der Umsatzbeteiligung, die Amazon selfpublishern für kindle anbietet, ist man bestens bedient. Klappt es, super. Wenn nicht, auch kein Weltuntergang. Die Verlage zahlen den Autoren für die ebook Rechte ja nur peanuts. Da verstehe ich jeden Autor, der es versucht bei amazon selber direkt anzubieten.

    Ich bin kein Fan von Amazon. Aber hier die Buchverlage als Retter unserer vielfältigen Kulturlandschaft hinzustellen, die Zeiten sind längst vorbei.

    Auch verfügt Amazon über alle Daten seiner Kunden, weiß folglich genau über die einzelnen Interessen bestens Bescheid und kann umgehend die Empfehlungen aussprechen, die passen. Die Verlage verfügen nicht über dieses Wissen und über diese Angebote.

    Dafür giert man dort nach Prominenten und sei es die C-Klasse aus dem Dschungelcamp, in der Hoffnung, der zeigt mal sein Buch in einer Talkrunde.Ist natürlich toll, wenn Autoren häufig im Fernsehen vertreten sind, macht sich immer gut für den Verkauf eines Buches.

    Trotzdem geht es mir langsam auf den Geist, daß hier immer von der Bedrohung Amazon die Rede ist. Würden sich die Verlage endlich zusammenschließen, statt sich gegenseitig das Wasser abzugraben, sich besser präsentieren, von Amazon lernen, wie man heute Bücher im Internet präsentiert, dann würden wir alle davon profitieren.

    Denn wie heißt es so richtig:“ Freunde sind gut zum Trösten, aber lernen kann man von seinen Feinden, denn die spiegeln dir deine eigenen Fehler!“

  2. Norbert Gillmann | 14. März 2013 um 12:35 | Antworten

    Bereits seit 1998 ist Amazon in Deutschland aktiv. Da kann ich mich nur wundern, dass die „Gefahr“ für den deutschen Markt, die von diesem Konzern auszugehen scheint, erst jetzt erkannt wurde und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

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