Die 7 wichtigsten Messe-Themen

Die Folgen der digitalen Disruption für die Buchbranche sind noch nie so deutlich zutage getreten wie in diesen Wochen: Gegen die Übermacht des Online-Riesen Amazon haben sich Allianzen gebildet, die noch vor vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen wären (mehr zu dem Thema im neuen buchreport.express 11/2013).

Auf der Leipziger Buchmesse wird die Branche über Erfolgsaussichten der Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle diskutieren und weitere Netzwerke knüpfen. 7 Leitfragen bilden die Folie der Gespräche.

1. Kratzer im Image von Amazon: Wird der Buchhandel profitieren?
Es knirscht in der aus Kundensicht bisher reibungslos laufenden, gut geölten Maschine Amazon. Nicht nur die durch die ARD-Reportage ausgelöste Kritik an den Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter steht auf der Agenda. Auch die Steuervermeidungspolitik, die Marktmacht und die von Verlagen abverlangten Konditionen werden kritisch beäugt. Öffentlich an den Pranger gestellt wurde Amazon zwar nur von kleineren Verlagen – doch die Kunden sind sensibilisiert. Ist das eine Chance für kleine bis große Buchhändler?  
2. Bündnis der Buchhändler: Wird der „Tolino“ dem Kindle gefährlich? 
Die Marktmacht von Amazon lässt Konkurrenten zusammenrücken, die noch vor wenigen Jahren niemals gemeinsam in die Kamera gelächelt hätten. Jetzt halten Weltbild, Hugendubel, Thalia, der Bertelsmann Club und die Telekom die gemeinsam geschmiedete Amazon-Waffe „Tolino“ ins Scheinwerferlicht (hier mehr). Technisch kann das Lesegerät trotz fehlendem Alleinstellungsmerkmal überzeugen. Doch kann die Allianz den Vorsprung von Amazon noch einholen – oder hat sie das digitale Spielfeld zu spät betreten? 
3. Thalia und Orell Füssli: Folgen weitere Allianzen?
Auch in der Schweiz stehen die marktführenden Buchhändler so stark unter Druck, dass sie die Zweckehe suchen. Die Orell Füssli Buchhandlungs AG und die Thalia Bücher AG wollen ihre Buchhandelsaktivitäten zusammenlegen, warten aber noch auf den Segen der Wettbewerbshüter (hier mehr). Der Blick in die Geschäftsberichte der Filialisten bestätigt die Krisen-Diagnose und drängt die Frage auf: Wie wird sich der durch die fehlende Buchpreisbindung und den schwachen Euro ohnehin in Bedrängnis geratene Schweizer Buchmarkt entwickeln? Und: Ist die Allianz ein Vorbild für weitere Zusammenschlüsse von Krisenpatienten, auch in Deutschland?

4. Penguin Random House: Ein Bündnis mit Modellcharakter?
Noch ein Schulterschluss, diesmal auf Verlagsseite: Um sich gegen die Marktmacht von Amazon zu positionieren und für die Digitalisierung zu rüsten, wollen Bertelsmann und Pearson ihre Buchverlagsgeschäfte Random House und Penguin zusammenlegen (hier mehr). Die deutsche Random-House-Dependance soll unabhängig bleiben. Der US-Marktanteil der Allianz wird auf 25% taxiert – im belletristischen Markt könnte er laut Analyse von Melville-House-Verleger Dennis Johnson bei mindestens 50% liegen. Auch wenn noch nicht alle Kartellwächter die Fusion abgesegnet haben, wird in der Branche bereits über ihre Folgen spekuliert: Wie wird der neue Verlagsriese den Buchmarkt prägen? Verbünden sich auch hierzulande Verlage, um am Verhandlungstisch mit Amazon & Co. an Größe zu gewinnen?
5. Die Stunde der Kleinen: Denken die Kunden um? 
Mit Blick auf die Kritik an Amazon und den Flächenrückbau der Filialisten erscheint die Zeit günstig zu sein für kleinere, unabhängige Buchhändler. Gegen die immer stärker werdende Konkurrenz der Online-Händler wehren sie sich durch „Buy local“-Initiativen und Betonung der regionalen Stärken. Auf der Leipziger Buchmesse präsentiert buchreport die Initiativen am Donnerstag, den 14. März um 12 Uhr im Literaturforum (Halle 5, F 600, hier weitere Informationen). „Wir Einzelhändler müssen dem Bürger und den Kunden klar machen, dass ihre Kaufentscheidung maßgeblich das Aussehen und die Lebensqualität ihrer Region beeinflusst“, erklären die Mitglieder des Vereins „Buy Local“. Können die Kunden zum Umdenken bewegt werden? 
6. Die Ausbildungskrise: Keine Lust auf Buchhandel? 
Ob die Rekruten für den digitalen Wandel aus dem eigenen Reihen gewonnen werden können, scheint zumindest auf Handelsseite fraglich: Um ein Drittel ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Buchhandel im vergangenen Jahr zurückgegangen, hat der Börsenverein gemeldet. Eine buchreport-Umfrage zeigt: Den Rückgang der Bewerber hat die Branche zum großen Teil selbst zu verantworten: Buchhändler müssten ihren Angestellten besser bezahlen und neue Perspektiven schaffen, fordern die Teilnehmer einer buchreport-Umfrage und werfen die Frage in den Raum: Muss die Branche den Beruf des Buchhändlers neu definieren, um den digitalen Wandel zu meistern?
7. „Vorsicht Buch“: Zündet die Buch-Kampagne?

Bislang hatte der Börsenverein mit Marketing-Kampagnen für die Branche kein glückliches Händchen. Diesmal steht das Buch (und nicht der Beruf Buchhändler, Lektor o.ä.) im Fokus, und zumindest über 1000 Sortimenter ziehen mit (hier mehr). Kann der PR-Spannungsbogen über drei Jahre gehalten werden?

Kommentare

1 Kommentar zu "Die 7 wichtigsten Messe-Themen"

  1. Der Geruch des Verwesens liegt förmlich in der Luft…

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