Das Ende des Buchhandels

Nachdem Börsenvereins-Chef Alexander Skipis in der vergangenen Woche das Schweigen von Verlagen zum Amazon-Skandal scharf kritisierte, äußert sich der Verleger Helge Malchow (Foto) im SPIEGEL. Tenor: Die Verlage hätten es nicht in der Hand, gegen die Marktmacht von Amazon vorzugehen. Nur Berlin könne regulierend einschreiten.

Im Interview mit dem SPIEGEL (Ausgabe 9/2013) erklärt der Chef von Kiepenheuer & Witsch, Amazon sei einer der wichtigsten Geschäftspartner des Verlags, man werde sich nicht dem Boykott anschließen, zu dem ein paar kleinere Verlage angeregt haben. Auf die Frage, warum sich Kiwi nicht mit den anderen Holtzbrinck-Verlagen verbünde, um Amazon die Grenzen aufzuzeigen, sagt Malchow: „Wir haben nicht den Hebel in der Hand, die Märkte so zu regulieren, dass die heutige Vielfalt erhalten bleibt.“ An diesem Punkt müsste die Bundesregierung einschreiten und beispielsweise erklären, dass die Buchpreisbindung auch für E-Books gelte.
Malchow verweist auf die „jüngsten Urteile der EU-Kartellbehörde“, durch die eine Buchpreisbindung für elektronische Bücher faktisch aufgehoben sei. „Das könnte mittelfristig auch das Ende der allgemeinen Buchpreisbindung bedeuten – und damit das Ende des Buchhandels, wie wir ihn heute kennen.“
Auch Skipis hatte am Freitag politische Forderungen aufgestellt und eine Regelung für den Mehrwertsteuersatz im grenzüberschreitenden Verkehr und den reduzierten Mehrwertsteuersatz angemahnt.

Kommentare

2 Kommentare zu "Das Ende des Buchhandels"

  1. Es ist ein Jammer, dass sich dem Boykott von Amazon nur kleine paar kleine Verlage angeschlossen haben. Gerade die großen müssten es tun, damit sich in der Branche etwas ändert und Amazon nicht mehr „Schlitten fährt“ mit den Verlagen, wie es denen passt. Doch die großen Verlage haben Schiss, dass ihnen der Umsatz wegbricht, wenn sie bei Amazon kündigen. Sätze der Verlage wie „Wir unterstützen den stationären Buchhandel“ sind reine Lippenbekenntnisse! Man nimmt lieber zähneknirschend Knebel-Bedingungen von Amazon in Kauf (65 % „Gebühren“ an Amazon, wo rechtlich höchstens 50 % erlaubt sind), anstatt andere Wege zu suchen und andere Händler zu unterstützen.

  2. Günther Reisenauer | 26. Februar 2013 um 13:32 | Antworten

    Auch eine Möglichkeit: die „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“-Reaktion auf Amazon…

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