Wir wollen den Buchstaben-Verkauf der Zukunft gestalten

Sascha Lobo (Foto) ist als Blogger, Bestsellerautor und Berater aktiv. Gemeinsam mit Christoph Kappes baut er jetzt den E-Book-Verlag „Sobooks“ auf. Im Interview mit buchreport steckt er die Perspektiven von Modellen wie Social Reading und Crowdfunding ab. 

© Frankfurter Buchmesse

Im Juni haben Sie gesagt, Sie wollen die Verlage mit Ihren eigenen Waffen schlagen. Wie ist Ihre Waffenkammer heute ausgestattet?
Es geht trotz dieser Formulierung eigentlich nicht um Waffen. Sondern viel eher darum, den Buchstabenverkauf der Zukunft zu gestalten. Ich glaube, dass das nicht gegen die Verlage, Autoren und Agenten geht, sondern nur mit ihnen.

Weil auf dem Weg dorthin allerdings große Widerstände lauern – die aus dem noch zu undigitalen Marktverständnis vieler Verlage resultieren – bedeutet das: Wir wollen Autoren und Verlagen per Geschäftsmodell beweisen, dass das Internet und die sozialen Medien ein Segen sein können. Besonders auch für den Verkauf.

Uns stört, dass das E-Book heute nur Buch plus Digitalisierung ist: Aus Druckerschwärze wurden Pixel, mehr nicht. Wie das Buch mit dem Netz gekreuzt aussieht, möchten wir mit Sobooks zeigen.

Über Social Reading wird seit Jahren gesprochen. Trotzdem hat es sich bislang nicht durchgesetzt. Könnte Social Reading als Buzzword 2012 in die Geschichte eingehen?
Die allermeisten Buzzwords mögen sich nach ein paar Monaten anfühlen wie welliger Käse auf den alten Konferenzraumbrötchen. Aber sie sind wichtig, denn sie lenken die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das spezielle Thema.

Social Reading ist ein paar tausend Jahre alt, nur war es damals noch nicht digital. Aber die soziale Funktion des Lesens – wer wollte die bestreiten? Die digitale Variante des Social Reading ist noch ganz am Anfang und wird nur ein kleiner Teil der Zukunft des Buches sein. Allerdings ein entscheidender.

Crowdfundig ist beispielsweise bei Kickstarter ein großes Thema und in Großbritannien gibt es mit Unbound sogar einen Verlag, der komplett auf Crowdfunding setzt. Welches Potenzial sehen Sie hierzulande für solche Ansätze?
Deutschland scheint nicht besonders Crowdfunding-begeistert zu sein. Allerdings wird dieses Schlagwort noch zu eindimensional gesehen, denn wenn man Crowdfunding weiterdenkt und um das mitklingende Anschnorren bereinigt, sieht das völlig anders aus.

Im Buchmarkt gibt es seit sehr langer Zeit die Subskription, so hieß Crowdfunding im 17. Jahrhundert. Und dann dauerte es nochmal bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, bis Klopstock die Community dazu brachte, ihn anständig durchzusubskribieren. Diesmal dürfte es kürzer dauern.

Wenn Sie ein Jahr lang Verleger von einem Traditionsverlag wie Rowohlt wären – Was wären Ihre ersten Amtshandlungen?
Kündigen, Herrn Fest, Frau Beetz und Herrn Kraus vom Cleff wieder einsetzen und mich auf Sobooks konzentrieren.  
In diesem Jahr wird ein neuer Börsenvereins-Vorsteher gewählt. Was wird der von Ihnen lernen können? 
Ich bin ziemlich sicher, dass wir beide recht viel voneinander lernen können. Das ist zwar die anbiederndste Antwort überhaupt – aber sie ist wahr, was soll ich machen?
Die Fragen stellte Lisa Maria Neis
Aus: buchreport.magazin 2/2013 (hier zu bestellen)

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