Gift und Galle im Feuilleton

Die Debatte um den möglichen Führungswechsel bei Suhrkamp gewinnt an Schärfe. Feuilletonisten liefern sich einen heftigen Schlagabtausch und werfen sich gegenseitig Hexenjagd und Böswilligkeit vor. Die jüngsten Gefechte im Überblick:

  • „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher wirft („FAZ“ vom 27.12.2012 und hier online) der „Welt“ und dessen Autor Richard Kämmerlings einen „Rufmord“ gegen und „Hexenjagd“ auf Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz vor. Kämmerlings agiere als „williger Helfer“ in einer „psychologischen Kriegsführung“ Hans Barlachs. Während Kämmerlings schreibe, der Wille Siegfried Unselds sei unklar, meint Schirrmacher, dessen Testament sei „glasklar“. Er habe Ulla Berkéwicz als Verlegerin installieren wollen. 
  • Nach Schirrmachers Artikel schaltet sich auch Joachim Unseld ein. In einem „FAZ“-Leserbrief (aus dem Kämmerlings zitiert) schreibt der Verleger, Schirrmacher verdrehe die Tatsachen: Sein Vater habe Günter Berg als verlegerischen Geschäftsführer vorgesehen. 
  • Kämmerlings hat die Anschuldigungen dementiert („Welt“ vom 2.1.2013 und hier online) und erklärt, dass er lediglich versucht habe, „die verfahrene Situation im Gesellschafterstreit zusammenzufassen und als einzig realistisch erscheinenden Ausweg den Verzicht auf Frau Unseld-Berkéwiczs auf ihre Geschäftsführerposition nahezulegen“. Schirrmachers Formulierungen „sprengen den Rahmen einer polemischen Debatte unter Feuilletonisten. Es ist ein nicht anders als böswillig zu nennender Angriff auf meine journalistische Seriosität.“ Weiterhin kritisiert Kämmerlings die Äußerungen verschiedener Suhrkamp-Autoren gegenüber Barlach.
  • Thomas Steinfeld meint in der „Süddeutschen Zeitung“ (28.12.2013 und hier online), mit „Barlach-Beschimpfungen“ ließe sich mittlerweile leicht eine Anthologie zusammenstellen. Gustav Seibt verweist ebenfalls in der „Süddeutschen Zeitung“ (2.1.2013) auf Bezeichnungen wie „Unhold“, „Prozesshansl“ (Peter Handke), „Fahrradklingel in der Bach-Fuge“ (Michael Naumann) und „stumpfer Automat“ mit „getöntem Haar“ (Rainald Goetz), mit denen Barlach bereits belegt worden sei. Seibts Fazit:: „Der Streit um Suhrkamp furchtbar. Aber es ist kein Streit zwischen Geist und Kapital. Es ist ein Streit zwischen Gesellschaftern, die sich nicht ausstehen können.“ Außerdem nütze ein verbaler Krieg nichts. „Irgendwann werden die Gesellschafter zusammenkommen müssen, sei es, um künftige Geschäftsführer einzusetzen, sei es, um sich zu trennen.“

Auch Barlach hat sich inzwischen erneut zum Suhrkamp-Streit geäußert. In einem SPIEGEL-Interview (31.12.2012) erklärt Barlach, für das von vielen geforderte Mediationsverfahren sei das Klima „nicht günstig“. Seine Bedingung für eine Mediation sei, dass sich die (von Unseld-Berkéwicz geleitete) Familienstiftung aus der Geschäftsführung zurückziehe. 

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